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Metagenomics of the Human Body Nelson, Karen E. (Ed.) 351 Seiten, € 160,45 Springer, 2011 ISBN 9781441970886 Dusko Ehrlich und das MetaHIT-Konsortium berichten in diesem Band über das MetaHIT-Projekt.
 
Gastroenterologie 22. November 2011

Drei Enterotypen: „wie Blutgruppen“

Unabhängig davon, wo und wie wir leben, lassen sich drei Darmfloratypen unterscheiden.

Wissenschaftler sind dem Ziel, durch Darmflora-Analysen das individuelle Ansprechen auf Diäten oder Medikamente vorherzusagen, einen Schritt näher gekommen. Neue Studien zeigen, dass die Bevölkerung in drei Darmflora-Typen eingeteilt werden kann. Diese drei sogenannten Enterotypen definieren sich durch die im Darm dominierenden Keime. Da die Keimbesiedelung offenbar von Herkunft, Ernährungsweise, Geschlecht und Alter einer Person unabhängig ist, wurden die Enterotypen auch schon mit Blutgruppen verglichen.

Je mehr über die Eigenschaften der Darm-Mikroben bekannt wird, desto näher rückt die Möglichkeit, vorher zu bestimmen, wer von welcher Ernährungsweise oder von welchem Medikament profitieren wird und wer nicht.

Wie Prof. Dr. Dusko Ehrlich (Institut National de la Recherche Agronomique, Jouy-en-Josas, Frankreich) an der United European Gastroenterology Week (UEGW) in Stockholm berichtete, könnte die Darmflora auch Aufschluss über den gesundheitlichen Zustand einer Person geben. Im März 2010 hat das MetaHIT-Konsortiom (Metagenomics of the Human Intestinal Tract) bereits einen Katalog menschlicher Darmbakterien-Gene publiziert.1 Stuhlproben von 124 Dänen und Spaniern bildeten die Grundlage dafür. Über drei Millionen mikrobielle Gene wurden sequenziert und beschrieben. Im Zuge dieser Studie erkannten die Forscher, dass jeder Mensch im Darm mindestens 160 von 1.000 bakteriellen Spezies beherbergt. „Diese Studie ebnet den Weg für künftige Studien, die die Verbindung zwischen mikrobiellen Genen und menschlichen Phänotypen untersuchen“, so Ehrlich.

Später führten die Forscher noch bei weiteren Stuhlproben von 22 Personen in Dänemark, Frankreich, Italien und Spanien metagenomische Analysen durch und verglichen die Daten mit denjenigen aus japanischen und US-Kohorten. Es stellte sich heraus, dass drei Enterotypen unterschieden werden können.2 Finden sich in der einen Gruppe hauptsächlich Keime der Gattung Bacteroides, so sind es bei der zweiten vorwiegend Prevotella und bei der dritten Gruppe Ruminococcus. Insgesamt finden sich im Enterotyp 1 am häufigsten Bacteroides: Diese kohlehydratspaltende Spezies macht dort rund zwölf Prozent der Bakterien aus. Die Gattung der Prevotella, die an der Verstoffwechslung von Proteinen beteiligt ist, dominiert beim Enterotyp 2. Der Enterotyp 3 schließlich wird durch Ruminococcus bestimmt, eine Bakteriengattung, die an der Spaltung von Muzinen und Zucker beteiligt ist.

Weitere Tests werden zeigen, welche Auswirkungen diese Erkenntnisse etwa auf die Absorption von Arzneimitteln haben, und ob Ärzte die Dosis eines Medikaments bald entsprechend dem Darmtyp verschreiben können. 

 

1 Qin J et al. A human gut microbial gene catalogue established by metagenomic sequencing. Nature 2010; 464: 59–65

2 Arumugam M et al. Enterotypes of the human gut microbiome. Nature 2011; 473: 174–80

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