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Gastroenterologie 25. November 2011

Neue Perspektiven für den Barrett-Ösophagus

Innovative Entwicklungen werden das Management „dramatisch verändern“.

Die Ergebnisse mehrerer großer Studien, die neue Ansätze zur Diagnose und Therapie des Barrett-Ösophagus und des Speiseröhrenkarzinoms untersucht haben, wurden auf der diesjährigen United European Gastroenterology Week (UEGW) in Stockholm, Schweden, präsentiert. Prof. Dr. Jacques Bergman (Academic Medical Centre Amsterdam, Niederlande) zeigte sich auf einer Pressekonferenz zur Tagung davon überzeugt, dass die neuen Ergebnisse die Art und Weise verändern werden, wie Barrett-Patienten künftig gescreent werden, wie identifiziert wird, wer ein erhöhtes Krebsrisiko trägt, und wie bei diesen Patienten Tumore in frühen Stadien behandelt werden.

„Leider werden die meisten Ösophaguskarzinome noch immer erst in fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert, wenn die Prognose sehr schlecht ist“, bedauerte Bergmann. Zwar tritt das ösophageale Adenokarzinom im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen noch immer relativ selten auf, doch ist die Inzidenz in den letzten 40 Jahren auf das Sechsfache hochgeschnellt.

Betroffene ohne Diagnose

Die meisten Patienten mit einem diagnostizierten Barrett-Ösophagus unterziehen sich regelmäßig endoskopischen Untersuchungen, um Neoplasien frühzeitig zu erkennen.

Das Problem seien allerdings, so Bergman, die vielen Menschen, die zwar betroffen sind, aber noch gar keine Diagnose haben, und die folglich auch nicht überwacht werden. „Neue Entwicklungen, wie etwa die Trans-oral Sponge Cytology und molekulare Marker für die Tumorprogression, würden ein groß angelegtes und kostengünstiges Screening auf Barrett-Ösophagus bei Risikopatienten ermöglichen“, so Bergman.

Die Trans-oral Sponge Cytology ist eine neue Technik, bei der ein kleiner Schwamm, der an einer Schnur befestigt ist, geschluckt wird, ein sogenannter „Cytosponge“. Mit dem Schwamm werden Zellproben aus dem Barrett-Bereich der Speiseröhre gesammelt und später im Labor untersucht.

Marker statt Surveillance

Mehrere molekulare Marker, die in Bürstenzytologie-Proben auf Ösophaguskrebsvorstufen hinweisen könnten, werden derzeit getestet. Wenn sich die Methode bewährt, könnten Risikopatienten genauer identifiziert werden: Sie „könnten prophylaktisch behandelt werden, während bei Personen mit niedrigem Risiko die Überwachung eingestellt werden könnte.“

Speiseröhre erhalten

Auch in der Therapie sind neue Verfahren in Erprobung. Statt die Speiseröhre zu entfernen, könnten mittels Lasertherapie, photodynamischer Therapie, Radiofrequenz-Ablation und endoskopischer Resektion nur die abnormen Zellen entfernt werden. „Multizentrische europäische Studien zeigen, dass die Behandlung von frühen Neoplasien im Barrett mit einer Kombination aus endoskopischer Resektion und Radiofrequenz-Ablation beim Großteil der Probanden zu einer vollständigen Entfernung des Barrett-Segments führt“, sagte Prof. Bergman. Die Ergebnisse wurden an der UEGW präsentiert. 

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