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Aussagekräftigere Prädiktoren für chirurgische Ergebnisse als das Alter des Patienten sind Allgemeinzustand und Komorbiditäten.
 
Gastroenterologie 22. November 2011

Wann Alte von der Krebsoperation profitieren

Die Chirurgie ist nach wie vor eine wichtige Behandlungsoption für viele ältere Patienten mit gastrointestinaler Krebserkrankung. Allerdings müssten bessere Möglichkeiten gefunden werden, um Kandidaten für die Operation gezielter selektieren zu können und so die Ergebnisse zu verbessern.

Über 50 Prozent aller Karzinome und 70 Prozent der krebsassoziierten Todesfälle treten im Alter von 65 Jahren oder älter auf. „Magen-, Pankreas- und koloreaktale Krebserkrankungen sind primär Alterskrankheiten“, erklärte Prof. Dr. Beat Gloor (Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie, Inselspital, Bern, Schweiz). „Wir wissen auch, dass Altern mit einer Reduktion funktionaler Reserven in vielen Organsystemen assoziiert ist – einschließlich des Gastrointestinaltrakts. Das kann signifikante Auswirkungen darauf haben, wie die unterschiedlichen Krebsbehandlungen individuell toleriert werden. Hinzu kommt, dass diese Krebsarten oft im hohen Alter in einem fortgeschrittenen Stadium auftreten, was die Behandlungsoptionen einschränkt.“

Bei älteren Patienten müssen Chirurgen entscheiden, wie aggressiv die Behandlung sein kann. Obwohl Leitlinien zum chirurgischen Management von älteren Krebspatienten bestehen, ist die Datenlage, auf der diese beruhen, weit weniger umfangreich als für junge Patienten. Onkologische Studienprotokolle würden ältere Patienten häufig ausschließen, so dass sie in klinischen Studien unterrepräsentiert seien, meinte Gloor. Die wenigen Studien zum Speiseröhren-, Magen- oder Kolonkarzinom, die mit älteren Patienten durchgeführt worden seien, würden allerdings darauf hinweisen, dass ein fortgeschrittenes Alter allein noch kein hinreichendes Kriterium für die Therapieentscheidung sei.

Bessere Prädiktoren für chirurgische Ergebnisse als das Alter des Patienten sind, so Gloor, Allgemeinzustand und Komorbiditäten. Bewertungssysteme wie PACE (Preoperative Assessment of Cancer in the Elderly) wurden entwickelt, um feststellen zu können, ob ein chirurgischer Eingriff für einen älteren Patienten geeignet ist. PACE umfasst auch validierte Instrumente wie CGA (Comprehensive Geriatric Assessment), eine Bewertung der Fatigue und der Leistungsfähigkeit sowie eine Einschätzung eines Anästhesisten über die Sicherheit des Eingriffs. Große, prospektive Studien mit älteren Patienten mit verschiedenen Krebsarten haben bestätigt, dass Komplikationen nach Operationen mit diesem Tool zuverlässig vorhergesagt werden können. Rezente Studien zeigen allerdings – so Gloor –, dass die Qualität chirurgischer Interventionen bei älteren Patienten insgesamt niedriger ist als bei jungen Patienten. Ältere Menschen haben in der Regel schlechtere Kurzzeit-Ergebnisse nach Krebsoperationen als jüngere.

Zunehmend werden minimalinvasive Eingriffe bei bösartigen Erkrankungen des Verdauungstrakts auch bei Älteren durchgeführt. Die laparoskopische Kolektomie ist eine Alternative zur offenen Operation des Kolonkarzinoms, die offenbar für einige ältere Personen in Frage kommt. Die transanale Exzision des unteren Rektalkarzinoms in selektierten älteren Patienten wird inzwischen als Alternative zur formalen Resektion angesehen. Die transanale endoskopische Mikrochirurgie (TEM oder TEMS) ermöglicht es, manche Tumore vom oberen Rektum zu entfernen.

Prof. Gloor berichtete weiters über Resultate einer britischen Pilotstudie, welche die laparoskopische Magenresektion bei 20 Magenkrebs-Patienten im Alter von 75 bis 88 Jahren untersuchte. Im Vergleich zur konventionellen Operation war die Laparoskopie in diesem kleinen Sample gleich effizient und dabei sicherer. „Erste Studien zum Magenkarzinom und anderen Krebserkrankungen weisen darauf hin, dass die minimalinvasive Chirurgie die peri-operative Morbidität bei älteren Patienten reduziert. Sie könnte in Zukunft eine wertvolle Behandlungsoption sein“, so Gloor. Auf die Resultate größerer multizentrischer Studien könne man also gespannt sein. 

 

1 Steele SR et al: J Am Coll Surg 2011; 213: 95-103

2 Al-Refaie WB et al: Ann Surg 2010; 251: 311-8

3 Singh KK et al: Surg Endosc 2008; 22: 1002-7

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