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Gastroenterologie 27. September 2011

Barrett-Ösophagus: Risiko neu bewertet

Am Kongress „Viszeralmedizin 2011“ wurde das Gefahrenpotenzial des Barrett-Ösophagus diskutiert.

Auch Schleimhautveränderungen ohne Becherzellen können Vorläufer von Speiseröhrenkrebs sein. Um unnötige Behandlungen zu vermeiden, bedarf es genauerer Kriterien.

 

Tritt wiederholt Magensaft in den Ösophagus, verändert sich dessen Schleimhaut. Die Diagnose des veränderten Barrett-Ösophagus wird in der Regel bei einer Magenspiegelung gestellt. „Bislang gingen wir in Deutschland davon aus, dass Menschen mit Barrett-Ösophagus nur dann an Krebs erkranken, wenn sich in der Schleimhaut zusätzlich noch Becherzellen gebildet haben“, erläuterte Kongresspräsident Prof. Dr. Peter Malfertheiner vom Universitätsklinikum Magdeburg. Für eine Diagnose musste das Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung abgewartet werden.

„In Japan und Großbritannien sind die Regeln pragmatischer“, sagte Malfertheiner. „Für die Diagnose eines Barrett-Ösophagus reicht es dort aus, dass die Schleimhaut über eine gewisse Strecke ihr Erscheinungsbild verändert hat.“ Neue Untersuchungen zeigen, dass auch Schleimhautveränderungen ohne Becherzellen Vorläufer von Speiseröhrenkrebs sein können. Häufig ist das Erbgut dieser Zellen so verändert, wie es für Krebserkrankungen typisch ist.

Bereits dann also könnte die Entscheidung für eine Therapie fallen. Auch diese hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Eine Operation sei heute nur noch selten notwendig. In vielen Fällen könnten erkrankte Bereiche während der Magenspiegelung abgetrennt oder zerstört werden, berichtete Malfertheiner. „Zwar können wir auf diese Weise heute leichter eine Diagnose stellen und Patienten schonender behandeln“, sagte PD Dr. Michael Vieth vom Klinikum Bayreuth, „doch nicht alle Menschen mit Barrett-Ösophagus erkranken unbehandelt an Speiseröhrenkrebs.“ Das Risiko betrage bei Krebsvorstufen über längere Strecken der Speiseröhre 0,5 Prozent pro Jahr, bei kleineren sei es geringer. Um unnötige Behandlungen zu vermeiden, bedürfe es deshalb genauerer Kriterien.

Ein Gentest wäre ein möglicher Ansatz. Ließen sich in Gewebeproben aus der Schleimhaut genetische Veränderungen erkennen, könnten diese auf eine Krebserkrankung hinweisen. „Für abschließende Empfehlungen zu einer Risikobeurteilung des Barrett-Ösophagus bedarf es weiterer Studien“, sagte Vieth. 

 

Quelle: www.viszeralmedizin.com

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