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Foto: ©iStockphoto.com/Eraxion
 
Gastroenterologie 21. September 2011

ESD: Neue Operation verhindert Rückfälle bei Magenkrebs

Mit der endoskopischen Submukosa-Dissektion (ESD) können selbst großflächige Magentumoren im Frühstadium in einem Stück operiert werden.

Je früher ein Tumor in der Magenwand diagnostiziert und behandelt wird, desto besser stehen die Heilungschancen. Mit der sogenannten „endoskopischen Submukosa-Dissektion“ (ESD) können auch großflächigere Magentumoren im Frühstadium in einem Stück operiert werden. Dadurch sinkt das Rezidivrisiko. Der vollständig entnommene Tumor erlaubt überdies genauere Rückschlüsse über weitere Risiken.

Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) empfiehlt, die neue minimalinvasive Technik ESD in Deutschland zu etablieren. Über Chancen und Risiken der ESD sprachen Experten im Rahmen der Fachtagung „Viszeralmedizin“ vom 14. bis 17. September 2011 in Leipzig.

Eine ESD erfolgt wie bei einer Magenspiegelung mithilfe eines flexiblen Endoskopes über den Mund des Patienten (siehe unten). „Wenn die Entfernung des Tumors ‚en bloc’ mit anderen endoskopischen Verfahren nicht möglich ist, ist die ESD das Mittel der Wahl“, sagte PD Dr. Siegbert Faiss, Vorsitzender der Sektion Endoskopie der DGVS, bereits im Vorfeld der „Viszeralmedizin 2011“. Faiss ist Chefarzt der Abteilung Gastroenterologie und Hepatologie an der Asklepios Klinik Barmbek, Hamburg.

EMR gebräuchlicher

Während die Technik in Japan bereits etabliert ist, entfernen Ärzte in Deutschland frühe Magenkrebsgeschwüre meist noch mithilfe der endoskopischen Mukosaresektion (EMR). Sie entfernen dabei die erkrankte Schleimhaut mit einer Drahtschlinge. Diese Methode ist zwar gegenüber ESD einfacher und weniger zeitaufwändig, hat jedoch den Nachteil, dass der Operateur größere Geschwüre stückweise abtragen muss. Dies erschwert eine anschließende Beurteilung unter dem Mikroskop und damit eine exakte Risikoabschätzung. Zudem bergen im Körper verbleibende Krebszellen die Gefahr, dass sich daraus erneut Tumoren entwickeln.

ESD braucht viel Übung

In einer Studie mit mehr als 90 Patienten haben Wissenschaftler am Klinikum Augsburg bereits Erfahrungen mit dem neuen Verfahren gesammelt. „Bei den Patienten, die wir mit der ESD behandelt haben, kam es deutlich seltener zu Rückfällen“, berichtete Prof. Dr. Helmut Messmann, Direktor der III. Medizinischen Klinik. Allerdings sei die Methode technisch auch sehr anspruchsvoll und erfordere viel Übung. Die ESD sollte daher ausschließlich an speziellen Zentren mit entsprechender Erfahrung durchgeführt werden.

Magenkrebs nach wie vor häufig

Obwohl Magenkrebs in den letzten Jahrzehnten seltener vorkommt, zählt die Erkrankung nach wie vor zu den häufigsten Krebsarten. Im fortgeschrittenen Stadium liegt die Sterberate bei etwa 70 Prozent.

Ursache für mehr als 90 Prozent der Fälle ist eine Infektion mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori. Als Risikofaktoren gelten vor allem der übermäßige Verzehr von Fleisch, geräucherten und gegrillten Lebensmitteln, außerdem der Konsum von Alkohol und Zigaretten. Frisches Obst und Gemüse hingegen scheinen der Entstehung entgegenzuwirken.

So funktioniert die ESD

Mit der endoskopischen Submukosa-Dissektion (ESD) ist es erstmals möglich, Krebsgeschwüre aus dem Verdauungstrakt in einem Stück zu entfernen (sogenannte en-bloc-R0-Resektion). Gegenüber dem bisherigen Abtragen von Geschwülsten auf der Magenschleimhaut geht das neue Endoskopieverfahren eine Schicht tiefer und greift in die Zwischenschicht (Submukosa) ein. Der eigentliche Muskel des betroffenen Verdauungsorgans wird dabei geschont. Um das kranke Gewebe von der Muskelschicht zu trennen, injiziert der Endoskopiker bei dem Eingriff zunächst eine Flüssigkeit in die Submukosa, die die erkrankte Schleimhautschicht vom Untergrund abhebt. Danach schneidet er mit speziellen endoskopischen Schneidewerkzeugen die Schleimhaut großflächig um die betroffene Stelle ein. Im nächsten Schritt wird das Bindegewebe darunter, die Submukosa, abgelöst. So lassen sich befallene Stellen großflächig entfernen. Auf diese Weise entstehen zudem saubere Schnitte, es kommt seltener zu Rückfällen. Idealerweise lassen sich mit der ESD frühe Krebsstadien sicher entfernen und das Risiko für die Entstehung von Metastasen sinkt unter fünf Prozent. Für eine endgültige Risikoabschätzung im weiteren Verlauf ist aber die pathologische Untersuchung des entnommenen Gewebes maßgebend. Erst sie zeigt, ob die endoskopische Tumorentfernung ausreichend war. Bestätigt der Pathologe die mikroskopisch vollständige Abtragung des Karzinoms, gilt der Patient bei vollständigem Erhalt seines betroffenen Organs entsprechend onkologischer Kriterien als geheilt.

Deutsches Experten-Treffen in Leipzig

Auf der „Viszeralmedizin 2011“ in Leipzig erörterten Experten, welche Faktoren Magenkrebs begünstigen, und diskutierten Diagnostik und Therapie dieser und weiterer Krebserkrankungen des Verdauungstraktes.

http://www.viszeralmedizin.com/

Quelle: Pressekonferenz anlässlich des Kongresses „Viszeralmedizin 2011“ am 8. September in Berlin

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