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Tätowieren ist heute eine der Hauptinfektionsquellen für eine Hepatitis C. Die Hepatitis Hilfe Österreich vergibt daher ein Gütesiegel an Gewerbefachbetriebe, die entsprechend den Vorgaben ihren Betrieb nach bestimmten Qualitätskriterien führen.
 
Gastroenterologie 16. August 2011

Hepatitis geht alle an

Ein neuer Proteaseinhibitor gibt Hoffnung bei Hepatitis-C-Infektionen.

Weltweit leben etwa 180 Millionen Menschen mit einer Virushepatitis C, in Österreich sind ungefähr 60.000 bis 80.000 Menschen davon betroffen. Schutz vor einer Virushepatitis C bieten nur entsprechende Vorsichtsmaßnahmen. Höhere Heilungschancen und kürzere Behandlungszeiten verspricht nun ein kürzlich in Europa zugelassener neuer Proteaseinhibitor.

 

Weltweit ist die Virushepatitis-C-Zirrhose die häufigste Ursache für die Lebertransplantation. In Österreich liegt sie diesbezüglich mit der alkoholischen Leberzirrhose gleichauf an erster Stelle. Virushepatitis C ist auch eine der führenden Ursachen für Leberkrebs. Die Inkubationszeit dauert zwischen drei bis vier Wochen und maximal sechs Monaten. Die Infektion verläuft beim Großteil der Betroffenen inapparent, nur zehn bis 15 Prozent der Neuinfektionen sind mit klassischen Hepatitis-Symptomen assoziiert. Dementsprechend hoch dürfte auch die Dunkelziffer der Erkrankungsfälle sein.

Unbehandelt entwickeln 20 bis 25 Prozent der Patienten eine Leberzirrhose und ein -karzinom. In diesen Fällen kann als therapeutische Maßnahme nur mehr eine Lebertransplantation helfen.

Häufig eine Zufallsdiagnose

Die Diagnose wird häufig nur zufällig im Rahmen einer Blutabnahme gestellt, meistens bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. „Erhöhte Leberwerte sollten vom Hausarzt nicht vorschnell auf einen erhöhten Alkoholkonsum geschoben, sondern selbst bei undramatischer Erhöhung um das Zwei- bis Dreifache des oberen Normwertes mittels Hepatitis-Serologie abgeklärt werden“, betonte Prof. Dr. Petra Munda, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Univ.-Klinik für Innere Medizin III, AKH Wien, im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags in Wien. Die Untersuchung auf Hepatitis A-, B- und C-Antikörper ist einfach und kostengünstig durchführbar. Ist der Nachweistest positiv, sollte vom behandelnden Arzt eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR) angefordert werden, sie stellt den direkten Virusnachweis dar und ist somit beweisend für die Infektion. Liefert diese Untersuchung ein positives Ergebnis, sollte der Patient an eine spezialisierte Krankenhausabteilung überwiesen werden, wo eine noch spezifischere Virusdiagnostik möglich ist.

Neue Therapieoption

Die chronische Virushepatitis ist jedoch bereits in vielen Fällen heilbar. „Die Prognose von Hepatitis C kann durch eine Kombination der Standardbehandlung aus pegyliertem Interferon und Ribavirin mit innovativen Therapieoptionen wie dem neuen Proteaseinhibitor Boceprevir weiter verbessert werden“, so Munda. Boceprevir wirkt nach dem gleichen Prinzip wie moderne HIV-Präparate: Es hemmt bestimmte Enzyme, die das HC-Virus zur Vermehrung benötigen, und gewährleistet in Kombination mit der Standardtherapie höhere Heilungsraten und kürzere Behandlungszeiten. So konnten auch beim Genotyp 1 Heilungsraten zwischen 70 bis 80 Prozent erzielt werden. Boceprevir wurde bereits von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen, Telaprevir, ebenfalls ein neuer Proteaseinhibitor, wird in Kürze folgen.

Das Gütesiegel der Hepatitis Hilfe Österreich

Waren vor den 1990er Jahren vor allem verabreichte Blutkonserven Ursache einer Hepatitis-C-Infektion, sind Neuinfektionen heute vor allem auf Drogenmissbrauch (etwa 70 Prozent), aber auch auf unsachgemäßes Pigmentieren (Permanent Make-Up und Tätowieren) sowie Piercen und eine Übertragung bei der Fußpflege zurückzuführen. Daher hat die Hepatitis Hilfe Österreich ein Gütesiegel initiiert und vergibt dieses an Gewerbefachbetriebe, die entsprechend den Vorgaben ihren Betrieb nach bestimmten Qualitätskriterien führen.

Diese Vorgaben wurden mit der Landesinnungsmeisterin für Fußpflege, Kosmetik und Masseure, Piercer und Tätowierer der WK Wien, KR Margit Riebenbauer, und Dkfm. Dr. Marc-André Stingel erarbeitet. Der VKI, die SVA, WGKK, das Marktamt und die Gewerbebehörde waren bei der Erarbeitung involviert. Das Gütesiegel soll positive Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wecken, durch zusätzliche Aufklärung und Dokumentation Sicherheit für Kunden und die betreffenden Betriebe schaffen. Es setzt auf den innungsinternen Hygienerichtlinien auf, berücksichtigt aber zusätzlich die Problembereiche „Aufklärung und Dokumentation“ und zeigt dem Kunden, dass zusätzliche Qualitätskriterien eingehalten werden.

 

Quelle: Pressekonferenz „Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli 2011“, 27. Juli 2011, Wien

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