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Gastroenterologie 5. Juli 2011

Vorsorgekoloskopie in Vorarlberg

Krebsfrüherkennng ermöglicht Kosteneinsparung.

47 Monate Vorsorgekoloskopie in Vorarlberg zeigen: Es konnten 15,25 Prozent der Zielgruppe erreicht werden. 1,34 Prozent hatten ein kolorektales Frühkarzinom und 0,38 Prozent ein manifestes Kolorektalkarzinom, davon 72 Prozent im frühen Stadium I und II nach UICC. Die hohen vertraglich garantierten internationalen Qualitätsstandards begründen die hohe Sicherheit mit nur 0,08 Prozent Komplikationen mit Hospitalisationserfordernis.

 

Die Inzidenz des Kolorektalkarzinoms (CRC) in Österreich betrug 2000 etwa 5.120/Jahr. In Vorarlberg wurde 2001 die höchste Inzidenz mit 178 erreicht; seit 2005 sinkt sie dort kontinuierlich. Die CRC-Mortalität ist außerordentlich hoch. Durch die Vorsorgekoloskopie ist eine Reduktion der CRC von 76 bis 90 Prozent möglich. Neben den medizinisch-ethischen Aspekten sprechen auch die ökonomischen Fakten eindeutig für die Vorsorgekoloskopie: Die Therapiekosten des metastasierten CRC sind durch neue Zytostatika und Antikörper von 1997 (Jahrestherapiekosten: 570 Euro) auf 190.000 Euro im Jahr 2004 unter Nutzung der neuen Zytostatika und Antikörper gestiegen und bis 2006 auf Jahrestherapiekosten von 250.000 Euro weiter exzessiv gestiegen.

Im Vorsorgekoloskopievertrag mit der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) sind die internationalen Qualitätsstandards enthalten. Der Start des Programmes war Februar 2007. Ausgewertet wurden Daten bis Dezember 2010. Als Zielbevölkerung werden alle über 50-jährigen Personen gesehen, die VGKK/SVB-versichert sind (etwa 86.000 Personen). Die Summe der Untersuchungen in diesem Zeitraum beläuft sich auf 13.118 (2007: 1.584; 2008: 3.520; 2009: 3.861, 2010: 4.153). Untersucht wurden 7.215 Frauen (55 %) und 5.903 Männer (45 %). Die Altersverteilung zeigte sich folgendermaßen: 50–59 Jahre: 5.556 (42,35 %), 60–69 Jahre: 4.852 (36,99 %), 70–79 Jahre: 2.397 (18,27 %), > 80 Jahre: 313 (2,39 %).

Ergebnisse

Eine komplette hohe Koloskopie wurde bei 12.640 Personen (96,4 %) erreicht. Folgende Befunde wurden erhoben: Normalbefund – 6.235 Personen (47,53 %), nicht-polypöse Pathologien wie Divertikel, entzündliche Veränderungen etc. – 1.337 Personen (10,19 %), benigne Polypen – 5.338 Personen (40,69 %) – pTis-Polypen – 176 Personen (1,34 %), CRC – 50 Personen (0,38 %).

Komplikationen mit erforderlicher Hospitalisation („schwere“ Komplikationen) traten bei elf Personen auf (0,08 %). Leichte Komplikationen traten bei 41 Personen auf. Sie erforderten keine stationäre Behandlung. Es kam zu keiner Mortalität.

Kostenkalkulation

Das Grundhonorar inkl. allfälliger Zangenbiopsien betrug rund 220 Euro. Die Extravergütung der Schlingenpolypektomie belief sich auf rund 32 Euro. Präparate für Darmreinigung und Sedierung sowie die Reinigungs- und Desinfektionsmittel für die chemothermische Reinigung in den Waschmaschinen werden über den Ordinationsbedarf zur Verfügung gestellt. Die Koloskopiegesamtkosten betrugen im beobachteten Zeitraum 2.919.828 Euro, die Kosten für Operationen, adjuvante Chemotherapie, Komplikationen beliefen sich auf 2.250.000 Euro. Die Kosten pro Patient im metastasiertem Stadium betrugen 250.000 Euro bei einer Lebenserwartung von im Mittel drei Jahren.

Vor Einführung der Vorsorgekoloskopie erfolgte die Diagnose bei jedem zweiten Patienten im Stadium der Metastasierung. Wenn das auch bei den detektierten Kolorektalkarzinomen der Fall gewesen wäre, dann wäre von den insgesamt 226 Fällen die Diagnose bei 113 Personen erst im metastasierten Stadium gestellt worden mit Kosten von 28.250.000 Euro. Wenn davon die tatsächlich angefallenen Kosten von insgesamt 6.169.828 Euro abgezogen werden, dann beträgt die Kosteneinsparung etwa 22 Millionen Euro pro Jahr.

 

Dr. Michael Jonas ist Facharzt für Gastroenterologie und Hepatologie in Dornbirn.

 

Der Originalartikel ist in wmw skriptum 7/2011 erschienen.

© Springer-Verlag

 

Literatur
1 Winawer SJ et al (1993) Prevention of colorectal cancer by colonoscopic polypectomy. The National Polyp Study Workgroup. N Engl J Med 329:1977-1981
2 Winawer SJ et al (1997) Colorectal cancer screening: clinical guidelines and rationale. Gastroenterology 112:594-642
3 Schmiegel W et al (2000) Kolorektales Karzinom: Prävention und Früherkennung in der asymptomatischen Bevölkerung – Vorsorge bei Risikogruppen – Endoskopische Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Polypen und Karzinomen. Z Gastroenterologie 38:49-75
4 Lieberman DA et al (2000) Use of colonoscopy to screen asymptomatic adults for colorectal cancer. N Engl J Med 343:162-168
5 Saltz Lenard, Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, ASCO 2004

Von M. Jonas, Ärzte Woche 27/28/2011

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