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Gastroenterologie 15. Juni 2011

Neue Chancen beim Ösophaguskarzinom

An der MedUni Wien wurden entscheidende Erkenntnisse über das HER-2-Gen und seine bedeutende Rolle in der Entstehung von Tumoren in der Speiseröhre gewonnen.

Das Ösophaguskarzinom stellt eine meist hochaggressive Erkrankung dar, wobei besonders die Häufigkeit des Adenokarzinoms im Drüsengewebe der Speiseröhre in den letzten Jahren dramatisch gestiegen ist. Einen vielversprechenden Angriffspunkt stellt das HER-2-Gen (human epidermal growth factor receptor 2) dar. Die vom HER-2-Gen gebildeten Proteine haben ausgeprägte krebsfördernde Eigenschaften, sind inzwischen jedoch medikamentös behandelbar. Die Forscher fanden heraus, dass bei rund 15 Prozent der Adenokarzinome des Ösophagus HER-2-Proteine deutlich vermehrt vorhanden sind. Medikamente gegen die HER-2-Effekte könnten also auch in diesem Fall eingesetzt werden. Derartige Arzneien sind allerdings nicht zur Behandlung bei Speiseröhrenkarzinomen ohne Metastasenbildung zugelassen. Dabei zeigt eine weitere Studie: Die HER-2-Aktivität steigt nicht mit der Bildung von Metastasen, sondern der Genstatus bleibt laut den jüngsten Forschungsergebnissen konstant. Somit ist auch die jetzt übliche Gewebeentnahme bei Metastasen überflüssig, da das Gewebe auch aus dem Haupttumor gewonnen werden kann. Damit würden sich betroffene Patienten zumindest eine sehr belastende Untersuchung ersparen.

Außerdem konnten die Wissenschaftler zeigen, dass HER-2 auf vielfältige Weise wirken kann. So ist beispielsweise der Nachweis gelungen, dass HER-2 eng mit der erhöhten Bildung von Carboanhydrase in Verbindung steht. Das bewirkt, dass das menschliche Gewebe reagiert, als würde eine Sauerstoffunterversorgung vorliegen. Dadurch wird die Aggressivität der Zellen gesteigert und es kommt zur Entstehung von Tumoren. Auch diese enge Kopplung stellt laut den Wissenschaftlern ein vielversprechendes Angriffsziel für medikamentöse Therapiemaßnahmen dar.

Schoppmann, S. F. et al.: British Journal of Surgery 2011; doi:10.1002/bjs.7562

Birner, P. et al.: Annals of Surgical Oncology 2011; doi:10.1245/s10434-011-1730-3

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