zur Navigation zum Inhalt
 
Gastroenterologie 6. Juni 2011

Medikamentöse Therapie des Morbus Crohn

Remissionserhaltung als Ziel

Der Morbus Crohn, eine transmurale Erkrankung, ändert sich häufig im Verlaufe seiner klinischen Präsentation und entwickelt sich entweder Richtung Stenose (Obstruktion) bzw. als penetrierende, fistulierende Erkrankung. Das bei Morbus Crohn verwendete therapeutische Armamentarium zur Induktionstherapie ist etwas breiter im Vergleich zur CU (Tab. 1).

Steroide

Steroide stellen nur eine Alternative in der Akuttherapie dar und haben keinen Stellenwert als Dauertherapie. Neben entsprechender Toxizität werden Patienten unter Steroidtherapie vor allem steroidresistent bzw. -refraktär (Tab. 2).

Immunmodulation

Eine Therapie mit Azathioprin (AZA) oder 6-Mercaptopurin (6-MP) stellt heute in der Behandlung des Morbus Crohn die erste Wahl einer immunsuppressiven Therapie dar. Indikation ist oft der zweite steroidbedürftige Krankheitsschub innerhalb eines Jahres. Die optimale Dosierung beträgt bei den meisten Patienten 2,5 mg/kg KG und das Eintreten der vollen Wirkung ist manchmal erst nach 6 Monaten zu erwarten. Vor allem AZA und 6-MP können mit relativ hoher Sicherheit für Kind und Mutter in der Schwangerschaft gegeben werden, wenn auch die Indikation stets individuell in Abhängigkeit der Krankheitsaktivität und des zu erwartenden Krankheitsverlaufs zu stellen ist.

Angriffspunkt TNF-α

Bei Nichtansprechen auf eine immunsuppressive Therapie kommen die zurzeit wohl potentesten anti-entzündlichen Medikamente wie Infliximab und Adalimumab (Antikörper gegen Tumor-Nekrose-Faktor) zum Einsatz, welche auch in der Therapie der fistulierenden Erkrankung wirksam sind (vor allem Infliximab). Basierend auf der besser verstandenen Pathogenese dieser Erkrankungen ist in näherer Zukunft mit einer Reihe von weiteren neuen Therapien zu rechnen. Intramuskulär appliziertes Methotrexat (MTX) gilt als Mittel „letzter“ Wahl, und die Wirksamkeit ist auf den Morbus Crohn beschränkt. Der Eintritt der Wirkung erfolgt früher als unter Therapie mit AZA. Studien zur Wirksamkeit oraler MTX-Gabe liegen zurzeit nicht ausreichend vor.

Zusammenfassend

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa manifestieren sich in unseren Breiten mit einer Häufigkeit von 1:200 bis 1:300 und stellen damit häufige Erkrankungen mit hoher Praxisrelevanz dar. Ziel jeder Therapie ist zunächst das Erreichen einer Remission und dann die Remissionserhaltung. Während chirurgische Maßnahmen in der Behandlung refraktärer Erkrankung bzw. spezifischer Komplikationen eingesetzt werden, ist die Pharmakotherapie das Herzstück in der Therapie dieser Patienten.

Tabelle 1 Medikamente in der Induktionstherapie bei Morbus Crohn
SubstanzDosierung
Sulfasalazin 3,0–4,0 g/d; geringe Wirksamkeit
5-ASA 1,5–4,0 g/d (gesteigerte Wirksamkeit bei 4,0 g/d); geringe Wirksamkeit
Corticosteroide
Budesonid 9 mg/KG
0,25–1,0 mg/kg/ Prednison PO; 40–60 mg
Langsamer Wirkungseintritt; bei ileozökalem Crohn gute Wirksamkeit
Azathioprin 2–2,5 mg/kg/d
6-Mercaptopurin 1,5 mg/kg/d
Methotrexat 15 mg/Woche PO oder 25 mg/Woche IM oder SC
Anti-TNF Substanzen
Infliximab
Adalimumab
5 mg/kg IV Woche 0, 2 und 6 und dann 8-wöchentlich als Erhaltungstherapie
160/80 mg SC als Induktionstherapie, dann 40 mg SC 2-wöchentlich
Tabelle 2 Aggravierende und zu Steroidresistenz beitragende Faktoren
Nikotinkonsum
Nicht-steroidale Antirheumatika
Clostridium difficile-Infektion
Begleitendes Reizdarmsyndrom
Zur Person
Prim. A.o. Univ.-Prof. Dr. Herbert Tilg
Interne Abteilung und Intensivüberwachung
Landeskrankenhaus Hall
Milser Straße 23
6060 Hall
Fax: ++43/50504-36148
E-Mail:

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben