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Gastroenterologie 22. Dezember 2010

Neuigkeiten aus der Arbeitsgruppe CED innerhalb der ÖGGH

Walter Reinisch, Wien

Fortbildung, Standards, Preise und europäische Vernetzung

Bis zu 30.000 Patienten werden jährlich an Österreichischen Spitälern mit der Diagnose einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED) hospitalisiert. Die Tendenz ist weiter steigend. Mindestens die Hälfte dieser Patienten erhalten dabei die spezifischen Diagnosen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Auch bei Kindern unter 14 Jahren wurde in den letzten 10 Jahren eine Zunahme der Hospitalisierungen um 100 % beobachtet. Trotz dieser alarmierenden Zahlen fehlt weiterhin ein offizieller Behandlungsauftrag für Patienten mit CED. Das primäre Anliegen der Arbeitsgruppe CED besteht daher weiterhin auf gesundheitspolitischer Ebene Maßnahmen zu erwirken, die eine hoch-qualitative und flächendeckende Versorgung unserer Patienten ermöglichen sollen. Dementsprechend wurde der gesundheitspolitische Diskurs auf Bundes- und Landesebene weiter vertieft, wie unter anderem beim ersten Österreichischen CED-Forum, das anlässlich des Weltverdauungstages am 27. Mai 2010 abgehalten wurde. In Wien wurde zudem ein Reformpoolprojekt zur integrierten Versorgung von CED zwischen intra- und extramuralen Bereich eingereicht. Ein weiteres Reformpoolprojekt soll heuer noch in Salzburg zur Einreichung kommen. Ein wesentlicher Bestandteil des extramuralen Bereiches stellen AllgemeinmedizinerInnen als erste Anlaufstelle und konstante Partner in der Versorgung von CED-Patienten dar. Gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) wurde im Jänner 2010 das CED-Check-Projekt zur Validierung des 10 Fragen umfassenden Erhebungsbogen zur rascheren Erkennung von CED gestartet (www.ced-check.at).

Standards für hochqualitative Versorgung

Als Basis einer hochqualitativen Versorgung von CED müssen auch standardisierte Vorgangsweisen in Diagnostik und Therapie gesehen werden. Diesbezüglich wurden von der Arbeitsgruppe CED Erhebungsbögen für die Erfassung der Symptomatik der Patienten zur Verfügung gestellt, sowie Flussdiagramme, welche die Abfolge der therapeutischen Maßnahmen darstellen. Weiters wurde ein Safety-Check erarbeitet, der ÄrztenInnen helfen soll, die sichere Anwendung von Biologika zu fördern (siehe www.oeggh.at). Als Ausdruck der Weiterentwicklung der Fortbildungsaktivitäten konnte die Arbeitsgruppe zudem erstmalig einen Konsensus in einem englischsprachigen Journal publizieren (A decade of infliximab: a Austrian evidence-based consensus on the safe use of infliximab in inflammatory bowel disease; Journal of Crohn’s and Colitis 2010;4:221-256).

 

Zur Fortbildung im Rahmen CED kann die Arbeitsgruppe mit der CED-Schule, dem Biologika Circle, dem Mondsee-Meeting und den Arbeitsgruppentreffen in Weyregg ein Stufenmodell zur Vertiefung in die Materie anbieten. Die CED-Schulen in Oberpullendorf und Wiener Neustadt wurden von über 100 Teilnehmern besucht und von Gesundheitspolitikern des jeweiligen Bundeslandes mitgetragen.

 

Mit dem ersten Österreichischen Kloschüsselrennen am 11. August 2010 in Salzburg wurde unter Teilnahme von Frau Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, Testimonial Huub Stevens und prominenten „Piloten“, die bis dato größte Öffentlichkeitsveranstaltung für CED in Österreich abgehalten. Insgesamt konnten dabei Medien mit einer Reichweite von 3,5 Millionen Empfängern erreicht werden.

 

Der MSD CED-Preis für die besten wissenschaftlichen Arbeiten wurde heuer zum dritten Mal vergeben. Dr. Pavol Papay wurde prämiert mit € 6.000,- für die Arbeit „The impact of thiopurines on the risk of surgical recurrence in patients with Crohn‘s disease after first intestinal surgery. Am J Gastroenterol 2010;105:1158-1164“. In dieser Arbeit wird erstmalig die Langzeittherapie mit Thiopurinen mit einer Reduktion der chirurgischen Rekurrenz nach Erstoperation bei Morbus Crohn beschrieben.

 

Auf Europäischer Ebene bietet die individuelle Mitgliedschaft innerhalb der Europäischen Crohn und Colitis Organisation (ECCO) die hervorragende Möglichkeit, über Netzwerke Kenntnisse und Wissen auszutauschen und rasch im eigenen Bereich umzusetzen. ECCO ist innerhalb kurzer Zeit zu einem Erfolgsprinzip erwachsen, das unter anderem folgendes zu bieten hat: ECCO Congress, ECCO News, ECCO Workshops, ECCO School, Consensus: CD, UC, Opportunistic Infections, JCC free, IBDIS free. Bitte tragen Sie den Geist von ECCO an Ihr Zentrum und werden Sie Mitglied (Membership Anmeldung: www.ecco-ibd.eu).

Zur Person
Univ.-Prof. Walter Reinisch
Klinische Abteilung Gastroenterologie und Hepatologie
Universitätsklinik Innere Medizin III
Medizinische Universität Wien
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
Fax: ++43/1/40400-4735
E-Mail:

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