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Gastroenterologie 16. November 2010

NOTES auf dem Prüfstand

Die Schlüssellochchirurgie hat noch nicht ausgedient.

In einigen europäischen Kliniken ist es bereits möglich, die Gallenblase mittels NOTES zu entfernen, wobei es nicht zur Narbenbildung kommt. NOTES (Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery) ist eine neue Operationstechnik, bei der die Instrumente über natürliche Körperöffnungen eingeführt werden.

 

Die noch junge Behandlungsmethode NOTES erscheint Patienten sehr attraktiv. „Allerdings mahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch zur Vorsicht, denn die Wirksamkeit und die Sicherheit des Verfahrens wurden wissenschaftlich noch nicht ausreichend bestätigt, und Langzeitergebnisse sind noch ausständig“, warnte Prof. Dr. Eduardo Targarona, Leiter der Abteilung für gastrointestinale und hämatologische Chirurgie an der Universität Barcelona.

Minimalinvasive Eingriffe im Bauchraum haben sich weitgehend durchgesetzt, denn kleinere Zugangsöffnungen bedeuten in der Regel weniger Schmerzen, kürzere Krankenhausaufenthalte, seltenere Wundinfektionen und weniger sichtbare Narben. Für die Single-Port-Laparoskopie ist sogar nur noch ein Einschnitt von etwa eineinhalb bis zwei Zentimetern notwendig. NOTES stellt sozusagen die nächste Entwicklungsstufe dar, indem der Zugang zum Bauchraum über den Magen, die Vagina oder das Rektum erfolgt. Vor allem in Indien und Südamerika hat diese Technik bereits rasche Fortschritte gemacht, aber auch in Deutschland und Frankreich wurden inzwischen mehrere hundert Operationen so durchgeführt. Der häufigste Eingriff ist die Entfernung der Gallenblase über die Vagina. Meist wird allerdings ein Hybridverfahren angewandt, bei dem die Instrumente durch die natürliche Körperöffnung eingeführt werden, das Endoskop jedoch durch einen kleinen Einschnitt in der Bauchwand.

Noch viele Probleme ungelöst

Obwohl diese Operationstechnik sich rasch entwickelt, sind noch eine Menge Probleme zu lösen. Es besteht etwa die Gefahr innerer Blutungen, die durch die Instrumente verursacht werden. Unter bestimmten Umständen ist das Infektionsrisiko deutlich erhöht, etwa wenn die Magenwand durchbohrt werden muss und der Zugang über den Mund erfolgt, oder wenn im Zuge eines rektalen Eingriffs die Darmwand perforiert werden muss. In solchen Fällen sind sterile Operationsbedingungen fast unmöglich einzuhalten. Außerdem sind technisch anspruchsvollere Geräte notwendig, um die hintere Vaginalwand, die Magenwand oder die Darmwand nach dem Eingriff zu schließen.

Innerhalb der UEGF (United European Gastroenterology Federation) wurde daher im Jahr 2007 die „EURO-NOTES Foundation” ins Leben gerufen. Die Mitglieder treffen sich regelmäßig, um ihre Erfahrungen auszutauschen.

Sie fordern ein intensives Training für Chirurgen, nationale oder internationale Register zur Erfassung der NOTES-Eingriffe und schließlich die Durchführung von Studien, in denen laparoskopische Verfahren und NOTES miteinander verglichen werden.

„Das Ziel dieser Maßnamen ist, eine übereilige Einführung dieses chirurgischen Verfahrens zu verhindern, das ohne Zweifel vielversprechend ist, sich aber noch im Forschungsstadium befindet“, so Targarona. Gegenwärtig sollten seiner Meinung nach hochspezialisierte Verfahren wie NOTES möglichst nur in großen Zentren durchgeführt werden.

 

 

Bericht zur 18. United European Gastroenterology Week (UEGW) in Barcelona (23.-27. Oktober 2010) 

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