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Gastroenterologie 16. November 2010

Häufig und teuer

Krankheiten des Verdauungstrakts und ihre dramatischen Folgen.

Viele Millionen Menschen sind in Europa von Erkrankungen des Verdauungstrakts betroffen, ein sozioökonomisches Problem. Funktionale Störungen sind eine wahre Volkserkrankung: „Die Lebensqualität dieser Patienten ist etwa in gleichem Maße beeinträchtigt wie bei Magengeschwüren, chronischen Darmerkrankungen, Herzinsuffizienz oder anderen schweren Erkrankungen“, sagte Prof. Agréus aus Schweden. Er schätzt, dass 15 Prozent der erwachsenen Population unter den Symptomen eines Reizdarmsyndroms leidet, unter krampfhaften Bauchschmerzen, Unwohlsein, Blähungen, Diarrhö und/oder Verstopfung. Die Ursache wird in einer überempfindlichen Darmoberfläche und Darmmuskulatur vermutet – es kommt zu heftigen Reaktionen auf geringe Irritationen durch bestimmte Nahrungsmittel, chronischen Stress oder psychische Probleme. Medikamente helfen oft wenig, manchmal können Antidepressiva etwas ausrichten, da viele Betroffene auch Depressionen haben.

Entspannungstechniken, Hypnotherapie und Akupunktur können Schmerzen lindern und das Befinden verbessern. Die Erfolgsquoten der Therapien muss aber verbessert werden, damit auch schwer beeinträchtigte Menschen wieder am Alltagsleben teilnehmen können, forderte Agréus.

Dasselbe gilt für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED). Die Häufigkeit steigt, vor allem unter jungen Menschen, dramatisch: 2,5 Millionen Europäer sind derzeit betroffen. Wenn die Erkrankung länger andauert, sind Darmoperationen häufig kaum vermeidbar, außerdem steigt das Krebsrisiko. Die körperliche Einschränkung führt viele Patienten in die soziale Isolation, nicht wenige von ihnen brechen ihre Ausbildung ab oder müssen ihre Arbeit aufgeben.

Ein weiterer sozioökonomischer Knackpunkt sind späte oder falsche Diagnosen. Agréus beklagte, dass oft zu viel Zeit vergeht, bis angemessene Maßnahmen eingeleitet werden, obwohl die Beschwerden durchaus wirkungsvoll behandelt werden könnten, insbesondere durch neue antiinflammatorische Medikamente. „In der Bevölkerung ist das Wissen über chronisch-entzündliche Darmerkrankungen noch unzureichend, aber unglücklicherweise auch unter Ärzten“, stellte Agréus fest. Dies führt, wie er erklärte, oft zu späten oder sogar falschen Diagnosen.

Agréus forderte daher mehr Forschung, bessere Patientenversorgung und mehr Aufklärungskampagnen.

Bericht zur 18. United European Gastroenterology Week (UEGW) in Barcelona (23.-27. Oktober 2010)

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