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Was eigentlich passiert, bevor die Beschwerden im Bauchraum einsetzen, wird im „European ORIGIN Project” analysiert.
 
Gastroenterologie 16. November 2010

Der Schlüssel zu Morbus Crohn

Umweltfaktoren und genetische Prädisposition: Knifflige Suche nach den Ursachen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen.

Der Entzündungsprozess muss einer unseligen Kombination von genetischer (Miss-)Information und dem Einfluss von Umweltfaktoren wie Darmbakterien zugeschrieben werden, sagte Dr. Simon Travis, Universität Oxford, Großbritannien.

Der menschliche Darm beherbergt mehrere hundert, vielleicht sogar über 1.000 verschiedene Arten von Bakterien. Damit befinden sich im Darm zehnmal mehr Bakterien als im gesamten Rest des Körpers Zellen vorhanden sind: So gesehen wären „wir alle nur zu zehn Prozent menschlich“, brachte Travis das Mengenverhältnis auf den Punkt. Forschungsvorhaben wie die MetaHIT-Studie (Metagenomics of the Human Intestinal Tract, www.metahit.eu) gehen den genetischen Voraussetzungen und der menschlichen mikrobiellen Flora derzeit auf den Grund.

Die Erkenntnisse könnten auch Licht in die Frage nach den Auslösern der CED bringen. Die intestinale Dysbiose geht offenbar dem Ausbruch des Morbus Crohn voraus, aber wie kommt es dann überhaupt zu dieser Störung der Darmbakterien? „Wenn Mikroben der Schlüssel zu Morbus Crohn sind, dann scheint die genetische Veranlagung das Schloss zu sein“, so Travis.

Bei einer Unzahl von Genen wurde inzwischen eine Assoziation mit M. Crohn entdeckt, doch das allein kann den rapiden Anstieg der Erkrankungen in den letzten Jahren nicht erklären. Es müssen also Risikofaktoren aus der Umwelt beteiligt sein, doch welche und wie, ist nicht so leicht zu erforschen.

Welche Faktoren genau an dem krankhaften Prozess beteiligt sind, soll nun unter der Leitung von Dr. Travis im „European ORIGIN Project” analysiert werden: Fünf Jahre lang werden 6.500 Verwandte ersten Grades von Morbus-Crohn-Patienten untersucht und befragt. So sollen mikrobielle, genetische, immunologische und umweltbezogene Informationen gesammelt werden, die es hoffentlich in Zukunft ermöglichen, die Ursachen der Erkrankungen zu erkennen.

Bericht zur 18. United European Gastroenterology Week (UEGW) in Barcelona (23.-27. Oktober 2010)

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