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Foto: www.medizinwelten.de
Den Dünndarm zu inspizieren, ist mit modernen Endoskopen einfacher geworden.
 
Gastroenterologie 16. November 2010

Doppelballonenteroskopie bleibt Goldstandard

In der Dünndarmdiagnostik ist die Single-Ballon-Technik dem älteren Verfahren unterlegen.

Prof. Dr. Christian Ell (Universität Mainz, Deutschland) hat mit seinem Team zwei ballonenteroskopische Techniken in Bezug auf die Beurteilung des Dünndarms getestet und das Ergebnis in Barcelona vorgestellt.

Die Entwicklung der Ballonenteroskopie, die es im Optimalfall ermöglicht, den gesamten Dünndarm zu sehen, war ein entscheidender Durchbruch in der Endoskopie. Inzwischen ist die Doppelballonenteroskopie (DBE) längst Routine. Einem erfahrenen Untersucher ist es bei einem Großteil der Patienten möglich, den gesamten Dünndarm einzusehen, wie Ell berichtete. Vor einiger Zeit wurde eine Single-Ballon-Technik (SBE) entwickelt, die leichter anzuwenden ist. Diese Untersuchungsmethode hat sich zur Kolonoskopie bereits bewährt. Ob ähnlich gute Ergebnisse auch in der komplexeren Situation des Dünndarms möglich sind, haben Ell und sein Team nun getestet.

Hundert Patienten, die sich aus unterschiedlichen Gründen einer Enteroskopie unterzogen (z. B. mittlere gastrointestinale Blutung, Morbus Crohn, chronische Diarrhö, Bauchschmerzen) wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: Die Hälfte wurde mittels DBE untersucht, die andere mittels SBE. Das Ziel war, bei möglichst vielen Personen eine Inspektion des gesamten Dünndarms zu erreichen, egal ob oral oder rektal. Die Untersuchungen wurden von erfahrenen Ärzten durchgeführt, die schon mindestens 50 DBEs angewendet hatten.

Die SBE konnte rascher vorbereitet und durchgeführt werden. Allerdings war es nur bei 22 Prozent der Patienten möglich, den gesamten Dünndarm zu sehen, während es bei der DBE-Gruppe 66 Prozent waren. In der DBE-Gruppe hatte das Verfahren schließlich häufiger therapeutische Konsequenzen (72% vs. 48% in der SBE-Gruppe).

Obwohl also die Single-Ballon-Technik schneller vorzubereiten und durchzuführen war, beobachteten Ell und sein Team deutliche Vorteile der DBE. Für die tiefe Dünndarmendoskopie sollte das Doppelballonverfahren daher der Goldstandard unter den nichtchirurgischen Ansätzen bleiben, resümierte Ell.

 

 

May, A. et al.: Prospective multicenter trial comparing push-and-pull enteroscopy with the single- and double-balloon techniques in patients with small-bowel disorders. American Journal of Gastroenterology 2010; 105(3): 575-81; doi:10.1038/ajg.2009.712

Bericht zur 18. United European Gastroenterology Week (UEGW) in Barcelona (23.-27. Oktober 2010)

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