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Foto: MedUni Wien
Prof. Dr. Michael Trauner, Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien
 
Gastroenterologie 15. Juni 2010

„Internationale Top-Liga“

Prof. Dr. Michael Trauner leitet die Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MUW.

Anfang Juni trat Prof. Dr. Michael Trauner an der MedUni Wien seine Professur für Innere Medizin mit Berücksichtigung der Gastroenterologie und Hepatologie an.

 

Wie das Zusammenspiel von Grundlagenwissenschaft und klinischer Forschung auf seinem Gebiet gefördert werden kann, erläutert Trauner im Gespräch mit der Ärzte Woche.

 

Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?

Trauner: Der internationale Standort Wien für Krankenversorgung und Wissenschaft und Lehre, und dass das gesamte Klinikum einen Exzellenzanspruch hat, diesen Willen, ganz vorn dabei zu sein. Man hat hier sehr kompetente Partner in Wissenschaft und in Klinik. Auch in Bezug auf die Infrastruktur gehören das AKH und die MedUni Wien zu den internationalen Spitzeneinrichtungen. Das gilt im Speziellen auch für die gastroenterologische Abteilung, an die eine eigene Intensivstation mit einem gastroenterologisch-hepatologischen Schwerpunkt angeschlossen ist, und eine sehr große Endoskopie – das sucht auch international seinesgleichen. Ich war drei Jahre an der Yale University an einer Top-Forschungseinrichtung. Ich habe das Gefühl, mit der neuen Aufgabe in Wien wieder an einer Institution zu sein, die in dieser internationalen Top-Liga mitspielen kann.

 

Wie kann das Zusammenspiel zwischen Grundlagen- und klinischer Forschung verbessert werden?

Trauner: Grundlagenforschung an einer medizinischen Universität hat nur Sinn, wenn sie einen Patientenbezug hat, denn letztlich sollen Konzepte möglichst schnell in die Klinik übertragbar sein. Wenn jedoch klinische Forschung und Grundlagenforschung an unterschiedlichen Institutionen stattfinden, besteht die Gefahr, dass sich beide Wege auseinander entwickeln. Wenn Grundlagenforschung und klinische Forschung unter einem Dach stattfinden, läuft die Kommunikation viel intensiver ab, Synergien und Crossfertilization sind eher möglich.

Man muss sich auch in der Grundlagenforschung immer wieder kritisch fragen: Was ist wirklich das klinische Problem? Diese Fragestellung nimmt man aus dem klinischen Alltag. Im angloamerikanischen Raum wurde der Begriff des Physician-Scientists geprägt, also des Arztes, der auch in der Grundlagenforschung tätig ist. Ärztinnen und Ärzte, die in der Klinik tätig sind, sollen auch bei uns über gewisse Zeiträume von der klinischen Routine für die Forschung freigestellt sein.

Ist es heute schwieriger, eigeninitiierte klinische Studien zu machen?

Trauner: Viel schwieriger, weil die regulatorischen Auflagen größer sind. Große klinische Studien kann man nur in enger Kooperation mit der Pharmaindustrie machen. Aber bei Pilotstudien, in denen neue Konzepte ausgetestet werden, ist der Ansporn aus dem akademischen und klinischen Alltag sehr wichtig, denn Firmen greifen viele dieser Themen von vornherein nicht auf, wenn sie nicht gewinnbringend sind. Solche Initiativen aufzugreifen, ist die Aufgabe von investigator-driven studies. Eine enge akademische Zusammenarbeit zwischen Industrie, Wissenschaftlern und Klinikern ist sehr wichtig, aber ich glaube, es ist gut, dass es Impulse gibt, die einen höheren Unabhängigkeitsstatus haben.

Wie kann unabhängige Forschung erleichtert werden?

Trauner: Forschungseinrichtungen fördern eher die Grundlagenforschung und die Industrie die großen klinischen Studien. Aber gerade der Graubereich, die initiale Test- oder Pilotphase, müsste aus eigenen Forschungstöpfen gefördert werden, wie in Deutschland, England, in den USA. Die Landschaft der Forschungsförderung umzuformen, wäre ein notwendiger Impuls.

 

Das Gespräch führte Mag. Patricia Herzberger

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