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Foto: Christian Jungwirth
Prim. Prof. Dr. Friedrich Renner Leiter der Abteilung für Innere Medizin, Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, Ried i.I.
 
Gastroenterologie 1. Juni 2010

Darmgesundheit im Mittelpunkt

Die Jahrestagung der ÖGGH bietet aktuelles Wissen über chronisch-entzündliche und funktionelle Darmerkrankungen, chronische Hepatitis, Vorsorgekoloskopie, Endoskopie und vieles mehr.

Die Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) lädt in Oberösterreich zur Jahrestagung. Auf praxisrelevante Weiterbildung wird besonderer Wert gelegt.

 

ÖGGH-Präsident Prim. Prof. Dr. Renner stellt im Gespräch mit der Ärzte Woche die Höhepunkte der Veranstaltung vor.

 

Welche Highlights erwartet die Besucher der Jahrestagung?

Renner: In unserem Fortbildungskurs werden alle Aspekte der chronischen Lebererkrankung abgehandelt. Bei der Therapie der chronischen Hepatitis B und C ist vieles im Umbruch.

Am Freitag und am Samstag widmen wir uns überwiegend der Darmgesundheit. Unter anderem werden häufige Infektionen des Gastrointestinaltrakts und funktionelle Darmerkrankungen besprochen. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Darmflora. Langsam lassen sich die tatsächlichen Stärken und Grenzen dieser Therapieform erkennen. Zum Abschluss kommen wir zur Erfolgsgeschichte der Gastroenterologie schlechthin, der Dickdarmkrebsfrüherkennung und Sekundärprophylaxe, worüber Prof. DDr. Meinhard Classen aus München in einem State-of-the-art-Vortrag informiert. Die Früherkennung des Ösophaguskarzinoms ist ebenfalls ein Thema. Die Erkrankung zeigt einen beunruhigenden Anstieg.

In zwei Sitzungen wird die Zusammenarbeit mit den Viszeralchirurgen fortgesetzt: Die Auswirkungen von Chemotherapien auf die chirurgischen Konzepte bei onkologischen Patienten sowie die Proktologie.

Welche Angebote sind speziell für niedergelassene Ärzte interessant?

Renner: Alles! Wir haben heuer wirklich versucht, ein Programm zusammenzustellen, das auch der niedergelassenen Kollegenschaft ein aktuelles Update gibt. Wenn die Kolleginnen und Kollegen zwei Tage hier investieren, bekommen sie wirklich hochkarätige Fortbildung über alle Bereiche der Gastroenterologie und Hepatologie.

 

Welche Bereiche verändern sich zurzeit besonders?

Renner: Am meisten Dynamik ist derzeit sicherlich in der chronischen Hepatitis, in chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, in der Vorsorgekoloskopie und auch in der Endoskopie. Zur Behandlung der chronischen Hepatitis B und C gibt es neue Substanzen, die zusätzlich zu oder anstatt der herkömmlichen und sehr verdienstvollen Medikamente eingesetzt werden können und auch als Tabletten verfügbar sind: Bei der Hepatitis B gibt es eine ganze Reihe neuer Nukleosid-/Nukleotidanaloga, die die Resistenzentwicklung viel seltener erkennen lassen als herkömmliche Virostatika. Bei der Hepatitis C gibt es zusätzlich zur bewährten Therapie mit Ribavirin und pegiliertem Interferon ebenfalls neue Virostatika, mit denen man auch bei Therapieversagern unter der bisherigen Standardtherapie noch wirklich erstaunliche Erfolge erzielt.

 

Welche Herausforderungen kommen auf die Gastroenterologie zu?

Renner: Die Gastroenterologie und die Hepatologie gehen derzeit spannenden Zeiten entgegen. Es gibt eine stetige Fortentwicklung diverser Therapiemöglichkeiten, aber auch ein zunehmendes Interesse an Fragen der Ernährungsmedizin und der gastrointestinalen und hepatalen Onkologie, immerhin sind 40 Prozent aller Malignomerkrankungen im Bereich des Gastrointestinaltrakts lokalisiert.

 

Welche Themen müssen vermehrt in die Öffentlichkeit getragen werden?

Renner: An erster Stelle ist die Vorsorgekoloskopie mit unserem großen Qualitätssicherungsprojekt zu nennen. Es sind jetzt die ersten wirklich harten Daten publiziert worden, die zeigen, dass die Vorsorgekoloskopie mit Polypektomie tatsächlich einen Einfluss auch auf die Mortalität und auf die Inzidenz des Kolorektalkarzinoms hat (Anm.: Atkin, W. S. et al.: The Lancet 2010; 375[9726]: 1624-33). Die Öffentlichkeit und die ganze ärztliche Kommunität da zu sensibilisieren, ist eine unserer Hauptaufgaben, gemeinsam mit der Krebshilfe, Ärztekammer und anderen Organisationen. Zweitens ist es wichtig, hinsichtlich chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen Augen und Ohren zu schärfen. Das 1. CED-Forum am 27. Mai in Wien ist ein Schritt in diese Richtung. Es sollen nach den ersten Symptomen nicht mehr im Durchschnitt drei Jahre vergehen, bis die Betroffenen zur Diagnose und Behandlung kommen, besonders da sich die Hinweise häufen, dass gerade bei schwerem Morbus Crohn eine frühzeitige und effektive Therapie mit TNF-alpha-Blockern den weiteren Krankheitsverlauf entscheidend verbessern kann. Das Dritte ist, die Awareness hinsichtlich Hepatitis B und C wieder zu schärfen: Erhöhte Leberwerte gehören abgeklärt und nicht immer nur auf den Alkohol oder die Fettleber geschoben. Auf diese drei Schwerpunkte konzentriert sich derzeit die Öffentlichkeitsarbeit der ÖGGH.

 

Wie sieht es mit dem Nachwuchs in der Gastroenterologie aus?

Renner: Nicht ohne Stolz darf ich darauf hinweisen, dass wir bei der heurigen Jahrestagung 63 Posterpräsentationen haben, so viel wie noch nie. Wir sind auch bei internationalen Kongressen immer sehr gut repräsentiert.

 

Was war Ihnen als Präsident der ÖGGH bisher besonders wichtig?

Renner: Die Awareness für Erkrankungen aus den Bereichen Gastroenterologie und Hepatologie zu erhöhen. Sie sind die häufigsten Ursachen für LKF-kodierte Spitalseinweisungen, gleichauf etwa mit den Herz-Kreislauf-Erkrankungen und häufiger als onkologische Einweisungen. Das wird in der Allgemeinheit leider viel zu wenig wahrgenommen.

Was sehr erfreulich war, war die immer bessere Zusammenarbeit mit den Viszeralchirurgen, die im vorjährigen ersten gemeinsamen Kongress der Gesellschaft für Chirurgie und Gastroenterologie in Wien ihren vielbeachteten Höhepunkt fand.

Was wir begonnen haben und weiter vertieft werden muss, ist, die Gastroenterologie in Richtung einer adäquaten Abgeltung der gastroenterologischen Leistungen, sowohl im intramuralen als auch im ambulanten Bereich, zu führen. Hier herrschen nach wie vor große Defizite.

 

Das Gespräch führte Mag. Patricia Herzberger

 

www.oeggh.at

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