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Foto: flickr / dotbenjamin
Zirrhosepatienten waren in einer Düsseldorfer Studie bezüglich ihrer Fahrleistung wenig selbstkritisch und überschätzten ihre Fähigkeiten.
 
Gastroenterologie 16. Februar 2010

Zirrhosepatienten raus aus den Autos?

Düsseldorfer Gastroenterologen untersuchten den Zusammenhang zwischen Fahrtüchtigkeit und Lebererkrankung.

In Folge einer Leberzirrhose entwickelt sich häufig eine hepatische Enzephalopathie (HE). Diese Hirnfunktionsstörung wird durch die unzureichende Entgiftungsleistung der Leber verursacht. In leichten Stadien bleibt sie oft unbemerkt, beeinträchtigt aber die Reaktionsfähigkeit und damit die Fahreignung.

Ob und ab welchem Schweregrad einer HE mit neuropsychologischen Defiziten gerechnet werden muss, die eine Fahreignung ausschließen, war Gegenstand einer Untersuchung, die unter der Leitung von Prof. Dr. Dieter Häussinger, Universitätsklinikum Düsseldorf, durchgeführt worden war.

51 Zirrhosepatienten mit unterschiedlichen Schweregraden der HE und 48 altersentsprechende Kontrollpersonen wurden im Rahmen von realen Fahrtests mit unterschiedlichen Belastungssituationen untersucht, und zwar mithilfe von Labor- sowie von neu entwickelten „In-Car“ computerpsychometrischen Tests und einer Fahrlehrerbeurteilung. Dabei wurde die individuelle Fahrleistung mittels eines mit multiplen Sensoren und Kameras ausgerüsteten Spezialfahrzeugs objektiviert.

Die Gruppenanalyse zeigte, dass bei Zirrhosepatienten im Vergleich zu der lebergesunden Kontrollgruppe in allen drei Testverfahren mit zunehmendem Krankheitsstadium schlechtere Fahrleistungen auftraten. Bereits Personen mit sehr leichter Enzephalopathie machten bei erhaltener Reaktionsgeschwindigkeit überdurchschnittlich viele Fehler beim Fahren, während mit zunehmender Enzephalopathie auch die Reaktionsgeschwindigkeit verlangsamt war. Im Einzelfall war auf der Grundlage der HE-Schweregradbeurteilung (West-Haven Kriterien) keine sichere Voraussage über die Fahrtauglichkeit möglich.

Erstaunlich war, dass Zirrhosepatienten bezüglich ihrer Fahrleistung unkritisch waren und diese überschätzten. Bei 25 von 94 Patienten wurden abweichende Resultate zwischen der realen Fahrprobe und dem Urteil des Fahrlehrers und den Resultaten computerpsychometrischer Test nachgewiesen. Dies spricht dafür, dass computerpsychometrische Testbatterien entsprechend den Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung nicht sensitiv genug sind, um kognitive Defizite dieser Patientengruppe in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Eine generelle Ablehnung der Fahrtüchtigkeit zirrhotischer Patienten mit leichter Enzephalopathie ist deshalb nicht gerechtfertigt, sondern bedarf der Überprüfung im Einzelfall.

 

Quelle: Kircheis, G. et al.: Gastroenterology 2009; 137:1706-1715

Uniklinikum Düsseldorf/PH, Ärzte Woche 7 /2010

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