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Gastroenterologie 9. Februar 2010

Der lohnende Blick in den Darm

Bis zu zwei Drittel weniger fortgeschrittene Krebsvorstufen nach systematischer Koloskopie.

Wer sich mindestens alle zehn Jahre einer Darmspiegelung unterzieht, reduziert sein Tumorrisiko erheblich. Dies zeigen Untersuchungen des Deutschen Krebsforschungszentrums, vorab online veröffentlicht im renommierten Journal of the National Cancer Institute (USA).

 

Was bringt die Teilnahme an einer Koloskopie? Lässt sich die Anzahl der Neoplasien reduzieren? Und gilt dies gleichermaßen für alle anatomischen Bereiche des Kolons? Daten dazu lagen bisher allein aus klinischen Studien vor. Wissenschaftler um Hermann Brenner, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg, untersuchten diese Fragen nun erstmals an einem breiten Bevölkerungsquerschnitt. In die Studie waren rund 3.300 Saarländer im Alter über 55 Jahren eingeschlossen, die am gesetzlichen Programm zur Krebsfrüherkennung teilgenommen hatten. Dabei berücksichtigten die Epidemiologen, ob sich die Teilnehmer innerhalb der letzten zehn Jahre vor dem Screening bereits einer Darmspiegelung unterzogen hatten. War dies der Fall, traten deutlich seltener fortgeschrittene Tumorvorstufen auf (6,1%), im Vergleich zu Studienteilnehmern mit erstmaliger Koloskopie (11,4 %) [Brenner H et al. J Natl Cancer Inst 2.1.2010; DOI 10.1093/jnci/djp436].

Alle Darmbereiche im Blick

Um zu überprüfen, ob das verringerte Auftreten von Neoplasien für alle Darmabschnitte gilt, werteten die Forscher die Daten für einzelne anatomische Bereiche des Kolons getrennt aus. Dabei zeigte sich eine stark ausgeprägte Risikoreduktion im linken, „absteigenden“ Teil des Darms, der direkt in den Enddarm übergeht und in dem Krebs am häufigsten auftritt. Hier entdeckte man bei Teilnehmern mit vorangegangener Koloskopie zwei Drittel weniger fortgeschrittene Krebsvorstufen als bei den Teilnehmern ohne vorangegangene Koloskopie.

Somit unterstreichen die Ergebnisse das große Potenzial der Darmspiegelung für die Krebsvorsorge. Angesichts der besonders starken Risikoreduktion im linken Teil des Darms könnte neben der Koloskopie – der Spiegelung des gesamten Dickdarms – auch der „kleinen“ Darmspiegelung (Sigmoidoskopie) eine große Bedeutung zukommen. Diese Untersuchung ist für die Teilnehmer mit weniger Unannehmlichkeiten verbunden, da die aufwändige Reinigung des Darms am Vortag entfällt. Entsprechend leichter könnte es den Menschen fallen, sich zu einer Teilnahme zu entschließen.

Medizin-online/MSW , Ärzte Woche 6 /2010

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