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Gastroenterologie 20. Jänner 2010

CED und Schwangerschaft

Kein Problem in Remission und unter engmaschiger Kontrolle

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronische entzündliche Darmerkrankungen, deren Erstmanifestation häufig im 2. bis 3. Lebensjahrzehnt liegt, sodass Fragen bezüglich Schwangerschaft und CED von großer Relevanz sind. So haben etwa 25 % der Patientinnen ihre erste Schwangerschaft nach Diagnosestellung.

Planung wäre günstig

Generell gibt es keinen Grund, Frauen mit CED von einer Schwangerschaft abzuraten, jedoch sollte eine Planung, falls möglich, vorher erfolgen. Beeinträchtigungen der Fertilität durch psychosoziale Faktoren, operative Eingriffe (Pouchanlage) und Krankheitsaktivität, sowie Sorgen betreffend das Erkrankungsrisiko für das Kind sind in der ärztlichen Beratung zu berücksichtigen. Für eine komplikationslose Schwangerschaft sollte ein ausgewogener Ernährungsstatus, ein rezenter Untersuchungsstatus sowie eine Remission zum Zeitpunkt des Schwangerschaftsbeginns angestrebt werden.

In Remission

Kommt es zu einer Schwangerschaft in Remission, hat die Patientin die gleichen Chancen auf ein gesundes Kind wie eine Frau ohne CED, wenn auch Frühgeburten (< 37 Schwangerschaftswoche) und ein geringeres Geburtsgewicht (< 2500 g) häufiger auftreten (Frühgeburtenrate bei CED 7–25 % versus etwa 10 % in der Normalbevölkerung; vermindertes Geburtsgewicht bei 8–17 % der CED-Patientinnen). Ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen oder für das Auftreten von Missbildungen (normal 3–4 %) bestehen nicht. Frauen mit aktiver Erkrankung zum Zeitpunkt der Konzeption haben zu ca. 75 % einen weiteren chronischen Verlauf. Unter diesen Umständen ist auch von einem erhöhten Abort- und Frühgeburtenrisiko auszugehen.

Adäquate Behandlung von Krankheitsschüben

Eine rasche und adäquate Behandlung von Schüben ist daher erforderlich, wobei die medikamentöse Therapie sich dabei nur wenig von derjenigen bei Nicht-Schwangeren unterscheidet. Dies gilt insbesondere für die Standardmedikamente, wie 5-ASA-Präparate und Kortison in der Akutphasetherapie. Rezente Daten betonen auch die Sicherheit einer Immunsuppression mit Thiopurinen zur Remissionserhaltung vor bzw. während einer Schwangerschaft. In Anbetracht des hohen Risikos eines Aborts (50–60 %) im Falle einer Kolektomie bei fulminanter CU erscheint auch ein Therapieversuch mit Cyclosporin gerechtfertigt, wenngleich mit einem vermehrtem Auftreten von Früh- (36–56 %) und Fehlgeburten (etwa 15 %) zu rechnen ist.

Nach anti-TNF-Therapie keine Lebendimpfung beim Kind

Betreffend eine anti-TNF-Therapie während der Schwangerschaft gibt es bisher keinen Hinweis für ein erhöhtes Risiko bei Infliximab oder Adalimumab. Aufgrund der zunehmenden IgG-Durchlässigkeit der Plazenta mit Fortdauer der Schwangerschaft sollten diese Antikörper jedoch im 3. Trimester pausiert werden und post partum keine Impfungen mit Lebendimpfstoffen (Rotaviren) erfolgen. Methotrexat ist das einzige Immunsuppressivum, welches bei geplanter oder bestehender Schwangerschaft auf keinen Fall eingenommen werden darf, da es schwere Missbildungen und Aborte verursacht.

Fazit

Zusammenfassend scheint eine Remissionserhaltung bzw. rasche Behandlung von Schüben auch während der Schwangerschaft im Vordergrund zu stehen, wobei eine enge Kooperation zwischen dem behandelnden Gastroenterologen und Gynäkologen (Geburtshelfer) anzustreben ist.

Zur Person
Ao. Univ.-Prof. Dr. Clemens Dejaco
Arbeitsgruppe entzündliche Darmerkrankungen
Klinische Abteilung Gastroenterologie und Hepatologie
Medizinische Universitätsklinik Innere Medizin III
Medizinische Universität Wien
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
Fax: ++43/1/40400-4735
E-Mail:

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