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Priv.-Doz. Dr. Peter Komericki Klinische Abteilung für Umwelt-dermatologie und Venerologie, Medizinische Universität Graz

Prof. Dr. Michael Wolzt Facharzt für Innere Medizin, Univ.-Klinik für Klinische Pharmakologie und Univ.-Klinik für Innere Medizin III / Stoffwechsel und Endokrinologie Wien

Abbildung 1

Abbildung 2

 
Gastroenterologie 5. November 2009

Wird gesunde Ernährung immer ungesünder?

NutriDis lässt aufhorchen: Nahrungsmittelbedingte Unverträglichkeitsreaktionen sind auf dem Vormarsch.

Nach dem Essen manchmal Hautausschläge, Bauchschmerzen, Durchfall oder Übelkeit? Die Ursache dafür ist nicht immer eine Allergie oder der Genuss verdorbener Lebensmittel, sondern oftmals eine Lebensmittelunverträglichkeit. Sie stellt mit einer Prävalenz von mittlerweile etwa 30 Prozent der Gesamtbevölkerung in Mitteleuropa eine sehr häufige Erkrankung dar. Der Weg zur richtigen Diagnose ist jedoch oft lang und mühsam, die Symptome passen zu mehreren Krankheitsbildern und sind individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt.

 

Im Rahmen einer Pressekonferenz der NutriDis (Wissenschaftliche Gesellschaft zur Forschung und Weiterbildung im Bereich nahrungsmittelbedingter Intoleranzen) wurde histamin- und fructosebedingte Lebensmittelintoleranz diskutiert. „Die Diagnose von Unverträglichkeitsreaktionen ist kompliziert, Patienten haben oft bereits einen langen Leidensweg hinter sich“, so Prof. Dr. Michael Wolzt.

Durch die zunehmende industrielle Verarbeitung von Nahrungsmitteln ist unser Verdauungssystem mit großen Mengen bunt gemischter Zutaten, Geschmacksverstärkern und Konservierungsstoffen konfrontiert und kann in vielen Fällen mit dem veränderten Nahrungsangebot nicht Schritt halten. Zusätzlich wird die Darmflora durch Infektionen, Entzündungen und Medikamente hohen Belastungen ausgesetzt und damit das sensible Gleichgewicht der vielen Verdauungsprozesse gestört.

Kein Tabuthema mehr

„Auch der Umstand, dass Verdauungsprobleme in der Gesellschaft endlich nicht mehr als Tabuthema angesehen werden, führt zu einem Anstieg der diagnostizierten lebensmittelbedingten Unverträglichkeiten“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Peter Komericki.

Unverträglichkeitsreaktionen entstehen dann, wenn Verdauungsenzyme Nahrungsbestandteile schlecht oder gar nicht spalten. Der Darm wird überlastet, und Nahrungsreste werden durch Bakterien unter Gasbildung vergoren, wodurch einerseits Verdauungsbeschwerden entstehen und andererseits die unfertig abgebauten Nahrungsbestandteile auch systemisch zu unerwünschten Reaktionen führen.

Histamin-Intoleranz

Die Histamin-Intoleranz ist eine nahrungsmittelbedingte Unverträglichkeit, die durchschnittlich ein bis drei Prozent der europäischen Bevölkerung betrifft und viele klinische Gesichter aufweisen kann. Durch einen Mangelzustand oder eine Inaktivität des Enzyms DiAminoOxidase (DAO) gelangt das mit der Nahrung aufgenommene und im Dünndarm nicht abgebaute Histamin auch in die Blutbahn und löst vielfältige Symptome aus. Die häufigsten Beschwerden liegen im Magen-Darm-Bereich mit Durchfällen, Bauchkrämpfen und Blähungen. Weitere typische Merkmale sind bleierne Müdigkeit, leichte Schwindelgefühle, Kopfschmerzen, Hautirritationen, Herzrasen, Bluthochdruck, Atembeschwerden und Reizungen der Nasenschleimhaut (laufende oder verstopfte Nase). Im Falle der Histamin-Unverträglichkeit ist – anders als bei der Histamin-Allergie – das Immunsystem nicht beteiligt. Sie ist deshalb auch nicht über einen klassischen Allergietest nachweisbar. Im Verdachtsfall kann ein Bluttest (D-HIT®) durchgeführt werden, bei dem die Aktivität des Enzyms DAO gemessen wird. Besteht eine Histamin-Intoleranz, sollten einerseits histaminreiche Lebensmittel gemieden und andererseits auch Histaminliberatoren – das sind Speisen und Getränke, die zur Freisetzung von körpereigenem Histamin führen – aus dem Speiseplan gestrichen werden. Auch bei der Verordnung von Medikamenten muss eine Histaminunverträglichkeit berücksichtigt werden. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bietet die Begleitung der Mahlzeiten mit einem DAO-haltigen Präparat (DAO-SiN®) im Sinne einer Enzym-Supplementierung (siehe Abbildung 1).

Fructose-Malabsorption

Die Fructose-Malabsorption, oder Fructose-Intoleranz genannt, ist eine Stoffwechselstörung, bei der Fructose (Fruchtzucker) nicht oder nicht in ausreichendem Maße resorbiert werden kann. Man geht davon aus, dass etwa fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung betroffen sind.

Der Fructose-Malabsorption liegt ein Defekt am Transporterprotein GLUT 5 zugrunde. Dabei handelt es sich um einen Fructose-Transporter, der den Glucosetransportsystemen (GLUTs) zugerechnet wird. Durch den Defekt wird die Beförderung von Fructose vom Lumen des Dünndarms in die Enterozyten ineffizient. Daraus resultiert ein erhöhter Fructose-Gehalt im Dickdarm. In weiterer Folge entstehen dort durch bakteriellen Abbau unter anderem Kohlendioxid und Wasserstoff sowie kurzkettige Fettsäuren, was eine Störung des osmotischen Gleichgewichts bewirkt. Daraus können als Hauptsymptome Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfälle resultieren.

Die Diagnose einer Fructose-Malabsorption erfolgt gemäß dem Stand der Technik mittels Provokation mit einer definierten Fructose-Menge und anschließender Bestimmung des Wasserstoff (H2)-Gehalts der Atemluft.

Die einzige kausale Therapie besteht bisher in der Vermeidung von Fructose-hältigen Nahrungsmitteln, was aufgrund des verbreiteten Vorkommens von Fructose in verschiedensten natürlichen und industriell gefertigten Lebensmitteln für den Anwender schwierig sein kann. Weiters kann die konsequente Vermeidung von Obst zu Mangelerscheinungen führen.

Studie mit Uni und Praxis

Seit kurzem gibt es jedoch einen Hoffnungsschimmer für Betroffene. Derzeit testet Komericki in einer gemeinsamen Studie der Universität Graz und einer allgemeinmedizinischen Praxis in Deutschland die Wirksamkeit von Kapseln mit dem Enzym Xylose Isomerase XI (Froctosin®) im klinischen Einsatz, die endgültigen Ergebnisse werden voraussichtlich bis Jahresende veröffentlicht (siehe Abbildung 2).

 

Weitere hilfreiche Informationen zu Lebensmittelunverträglichkeiten bieten neben der NutriDis Homepage www.nutridis.at auch die Website www.alles-essen.at und das Buch „Gesund essen und trotzdem krank“ (Verlagshaus der Ärzte, ISBN-10:3902552018, ISBN-13:987-3902552013, im Buchhandel erhältlich).

Von Ing. Dr. Birgit Brunflicker, Ärzte Woche 45 /2009

  • Herr franz sewald, 07.11.2009 um 00:01:

    „diese probleme sind ja auch in deutschland schon seit längerem
    bekannt und wurden auch dementsprechend diskutiert. dabei
    hat sich rauskristallisiert, daß man durch entsprechende
    assimilation (= SCHMAUEN) der nahrungsmittel das problem völlig lösen kann. dies bewiesen versch. durchgeführte wissenschaftliche
    studien. näheres unter www.schmauen.de“

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