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Foto: Ärzte-Woche-Montage
Wenn es im Magen brodelt, bekommt auch der Ösophagus etwas ab. Den Risiken des Reflux sind die ersten zwei Geschichten dieses Fokus gewidmet.
 
Gastroenterologie 29. Oktober 2009

Reflux, Husten und FEV1

Zwischen Reflux und zystischer Fibrose besteht ein Zusammenhang – aber welcher?

Gastroösophagealer Reflux (GERD) ist häufig und auch häufig symptomatisch. Das Gleiche gilt für eine Reihe von Lungenerkrankungen. Besteht aber auch ein direkter Zusammenhang? Prof. Dr. Lieven Dupont, Universität Leuven, Belgien, behandelte in seinem Vortrag beim Kongress der European Respiratory Society (ERS) im September in Wien den Zusammenhang zwischen GERD und zystischer Fibrose.

Mehrere Studien stellten eine erhöhte Prävalenz von GERD bei Patienten mit zystischer Fibrose (CF) fest, wobei die Prävalenzwerte zwischen 55 und 90 Prozent schwankten (in der Normalbevölkerung liegen die Werte zwischen 7 und 25 Prozent).

Nur eine dieser Studien (Blondeau K et al., Gut 2008;57:1049-1055) verwendete allerdings nicht nur 24h-pH-Metrie, sondern Impedanz-pH-Metrie, die zusätzlich den nicht-sauren Reflux erfasste. Blondeau et al. stellten fest, dass im Vergleich kindliche mit erwachsenen CF-Patienten die Erwachsenen mehr Reflux-Ereignisse erleiden, und der Reflux auch weiter proximal reicht. Des Weiteren haben erwachsene CF-Patienten einen schlechteren FEV1-Wert als kindliche. Diese Ergebnisse überraschen allerdings nicht wirklich. Interessanter ist die Frage nach dem Warum. Viele Wissenschaftler vermuten primäre Mechanismen. So ist bekannt, dass bei CF-Patienten die Entleerung des Magens verzögert ist und mehr duodenogastrischer Reflux auftritt, der seinerseits den Säuregehalt im Mageninhalt erhöht.

Quere Anatomie

Als sekundärer Mechanismus wird bei verschiedenen Lungenkrankheiten unter anderem angenommen, dass die abnormale funktionelle Anatomie des thoraco-abdominalen Raums den Reflux hervorruft. Oder dass gerade bei CF (aber nicht nur) die erhöhte Hustenfrequenz und die Atemphysiotherapie über einen erhöhten Druckgradienten zwischen Thorax und Abdomen zum Reflux beitragen. Dies sind aber, wie Dupont betont, reine Hypothesen.

Wo ist der Zusammenhang?

Die oben zitierte Arbeit von Blondeau versuchte, mittels Manometrie, Impedanzmessung und pH-Metrie einen Zusammenhang zwischen Husten und Reflux bei CF-Patienten zu ermitteln. Die meisten Hustenepisoden ereigneten sich völlig unabhängig vom Reflux. Bei erwachsenen Patienten folgten aber immerhin unmittelbar auf eine Reflux-Episode 20 Prozent der Hustenepisoden.

Theoretisch könnte der Reflux durch eine neurale Stimulation eine Atemwegskonstriktion verursachen. Des Weiteren könnte auch Mikroaspiration Entzündungsvorgänge auslösen oder aggravieren und damit zur Schädigung der Atemwege beitragen.

Die Untersuchung von Bondeau stellte vor allem fest, dass Patienten mit häufigem Reflux auch öfter husten. Und diese Patienten haben auch einen schlechteren FEV1-Wert als andere CF-Patienten in der Studie.

Außerdem fand die Gruppe um Bondeau höhere Werte an Gallensäure im Speichel von CF-Patienten, in gesunden Kontrollen, bei Patienten mit chronischem Husten und sogar mit Refluxösophagitis.

Auch im Sputum war bei CF-Patienten mehr Gallensäure als bei Gesunden vorhanden, vor allem hatten CF-Patienten mit mehr Gallensäure im Sputum gleichzeitig auch einen erhöhten Wert an neutrophiler Elastase. Sowohl die Gallensäure im Sputum als auch die in der Saliva war jeweils mit einem schlechteren FEV1-Wert korreliert.Dupont: „Aspiration könnte also bei CF-Patienten eine wichtige Rolle spielen.“

Zu wenig evidenzbasiert

Allerdings sagen alle diese Korrelationen noch nichts darüber aus, was Ursache und was Wirkung ist. Dupont fasst bezüglich GERD bei zystischer Fibrose zusammen: „Abgesehen von Symptomkontrolle kann keine evidenzbasierte Therapie-Empfehlung gegeben werden.“ Zwar gibt es Studien, die nachweisen, dass Fundoplikatio die Lungenfunktion von CF-Patienten verbessern kann, aber freilich nur in sehr kleinen Fallzahlen mit ausgewählten Patienten. Für die Zukunft besteht die Hoffnung auf (verträglichere) Prokinetika und GABA-Agonisten.

Von Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 44 /2009

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