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Endokrinologie 20. September 2007

Komm, süßer Schlaf

Schlafentzug beeinflusst die endokrine Glukoseregulation über reduzierte Glukagon- und C-Peptid-Spiegel. Das ist das Resulat einer rezenten Studie der Universität Lübeck (J Clin Endocrin Metab 2007;92:3044-3051).
An der randomisierten Studie nahmen zehn junge, gesunde, männliche Probanden teil. Die Wissenschaftler um Dr. Sebastian Schmid untersuchten den Einfluss von Schlafentzug auf die Spiegel von Insulin und Glukagon, C-Peptid, ACTH und Cortisol vor und während eines hyperinsulinämischen, euglykämischen Clamps. Die Teilnehmer wurden nach normaler Nachtruhe, nach einer durchwachten Nacht sowie während einer Ruhephase tagsüber untersucht.
Das Ergebnis: Schlafentzug resultiert in einer Abnahme des basalen Glukagonlevels und in geringfügiger Reduktion des C-Peptid-Spiegels. Während der durch clamping bedingten Hypoglykämie zeigte sich der reaktive Glukagonanstieg vergrößert, die Reduktion des C-Peptid-Spiegels war verringert, ebenso wie der relative Anstieg des Norepinephrin. Die übrigen Meßwerte schienen nicht vom Schlafentzug beeinflusst. Wie die Forscher berichten, erhöhte Schlafentzug das Hungergefühl während den Ruhephasen, was wiederum in einer Dämpfung des Hungergefühls während der Hypoglykämie resultierte. Für die Wissenschaftler unerwartet: Trotz signifikanter Veränderungen der basalen Hormonsekretion war die Hungerreaktion und hormonelle Gegenregulation der induzierten Hypoglykämie durch Schlafentzug nicht beeinträchtigt.
Hunger ist ein Warnsignal beginnender Hypoglykämie, wie Schmid in der Studie ausführt, Nahrungsaufnhame verhindere ein weiteres Absinken der Glukosespiegel. Mangelhafte Wahrnehmung durch Hypoglykämie ausgelöster Hungergefühle könnte zusammen mit Schlafentzug bei betroffenen Patienten das Risiko schwerer Hypoglykämien erhöhen. Weitere Zusammenhänge zwischen chronischem Schlafentzug und metabolischen Störungen wie Diabetes Mellitus II oder Adipositas müssen erst erforscht werden, wie die Studienautoren bemerken.

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