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Endokrinologie 14. Dezember 2007

Das sind die Hormone!

Bei Patienten mit therapieresistentem Bluthochdruck sollte immer auf das Vorliegen eines primären Hyperaldosteronismus gescreent werden.

„Der primäre Hyperaldosteronismus ist die wichtigste endokrine Hypertonieform“, hielt Prof. Dr. Harald Dobnig, Leiter der klinischen Abteilung für Endokrinologie und Nuklearmedizin an der medizinischen Universität Graz, im Rahmen eines Vortrags zum Thema „Sekundäre Hypertonie“ anlässlich des 38. Kongresses für Allgemeinmedizin in Graz fest. „Eine kürzlich veröffentlichte prospektive Multicenter-Untersuchung aus Italien erbrachte eine Prävalenz von rund zehn Prozent bei Hypertonikern, die in Ambulanzen zur weiteren Abklärung vorstellig wurden“, so Dobnig weiter. Dieser Prozentsatz entspricht dem Mittelwert von rund 20 Studien, die in den vergangenen 13 Jahren zu diesem Thema publiziert wurden.

Ein wichtiges Verhältnis

Typisch für den primären Aldosteronismus ist eine schwere Hypertonie, die häufig therapieresistent ist. Aus unbekanntem Grund liegt bei diesen Patienten für einen gegebenen Reninspiegel eine relativ zu hohe Aldosteronkonzentration vor. Aldosteron wirkt über eine renale Natriumretention blutdrucksteigernd. „Das Verhältnis Aldosteron zu Renin spielt auch physiologisch eine große Rolle“, erläuterte Dobnig. „Wir konnten das bei über 3.000 Patienten, von denen rund zwei Drittel hyperton waren, nachweisen.“ Der wichtigste Prädiktor für den diastolischen Blutdruck in Dobnigs Untersuchung war die Aldosteron-Renin-Relation, die auch für den systolischen Blutdruck, neben dem Alter, die zweitwichtigste Rolle spielte.

Ein belastender Test

Bei primärem Hyperaldosteronismus kommt es neben der schweren Hypertonie durch die Natriumretention zu einem erhöhten peripheren Widerstand. „Bei nahezu der Hälfte der Patienten finden wir Retinopathien bzw. Kardiomegalie“, so Dobnig weiter. In der Abklärung der Erkrankung ist der erste Schritt die Durchführung einer Aldosteron/Renin-Bestimmung, wobei der Quotient über 3,0 und der Aldosteronwert über 15 ng/dl liegen muss. „Sind diese Voraussetzungen erfüllt, wird in unserer Ambulanz ein ,Bestätigungstest‘ durchgeführt“, erklärte Dobnig.
Dabei wird über vier Stunden eine bestimmte Menge Kochsalzlösung infundiert, die beim gesunden Patienten – aufgrund der Volumsexpansion – zu einer Renin/Aldosteron-Suppression führt. Wird der geforderte Schwellenwert nicht erreicht, liegt eine autonome Aldosteronproduktion vor. Wurde der primäre Hyperaldosteronismus bestätigt, erbringt die weitere Abklärung in etwa 50 Prozent der Patienten ein uni- oder bilaterales Adenom im Nebennierenbereich oder eine sogenannte bilaterale Nebennierenrindenhyperplasie – „diese wird auch als idiopathischer primärer Hyperaldosteronismus bezeichnet“, führte Dobnig weiter aus. Bei Nachweis eines Adenoms wird die Nebenniere, meist minimal-invasiv, entfernt. Bei Vorliegen einer diffusen Nebennierenrindenhyperplasie steht die Blockade des Mineralkortikoidsystems im Vordergrund. „Im Handel findet sich das Medikament Spironolakton, das in aller Regel gut verträglich ist“, so Dobnig: „Die Auswirkungen auf den Blutdruck unter dieser Medikation sind, eine korrekte Diagnose vorausgesetzt, oft überraschend deutlich.“ Bei höherer Dosierung kann das Medikament Nebenwirkungen im Sinne einer Gynäkomastie verursachen. „In aller Regel ist die Medikation allerdings gut verträglich“, beruhigte Dobnig.

Sabine Fisch, Ärzte Woche

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