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Endokrinologie 14. Oktober 2013

Hormonspiele

Mit Haut und Haaren in die Menopause.

In der Menopause verschiebt sich das hormonelle Gleichgewicht und damit auch die Physiologie der Haut.

„Menopause-assoziierte Dermatosen wie Akne, hormoneller Haarausfall, Überbehaarung und hormonelle Alterung der Haut können auftreten, aber sie können auch behandelt werden“, betont Prof. Dr. Jolanta Schmidt, die an der Wiener Universitätsklinik für Dermatologie viele Jahre hindurch die Kosmetik-Ambulanz leitete.

In der Peri- und Postmenopause sinkt der Östrogenspiegel, bis schließlich nach etwa zwei bis drei Jahren die Androgene überwiegen. Als Folge davon ändert sich die Steuerung der Talgdrüsen und Haarfollikel, die nunmehr von Androgenen dominiert wird. Bei entsprechender genetischer Disposition kann das Entstehen von androgen-abhängigen Dermatosen gefördert werden: vermehrte Talgdrüsenfunktion, Verhornung der Talgdrüsenausführungsgänge, Seborrhö und Akne. „Eine weitere Ursache für die Akne der reiferen Frau kann aber auch die hormonelle Kontrazeption sein, speziell mit Präparaten, die Gestagene mit androgenen Partialwirkungen enthalten. In solchen Fällen sollte der Gynäkologe antiandrogenhaltige Präparate verschreiben. Dasselbe gilt übrigens auch bei Haarausfall oder Überbehaarung“, betont Schmidt.

Akne wie in der Pubertät

„Die Therapie der menopausalen Akne unterscheidet sich nicht wesentlich von jener der Pubertätsakne, wobei allerdings entzündungshemmende Maßnahmen besonders wichtig sind,“ erklärt Schmidt. Externa, die Antibiotika enthalten, können mit hornungshemmenden und antiinflammatorischen Substanzen, z. B. topischen Retinoiden, kombiniert werden. In schweren Fällen ist manchmal auch eine systemische Therapie erforderlich. „Obwohl die Haut oft trocken wird, sind lipidreiche Pflegecremen ein absolutes Tabu“, unterstreicht Schmidt.

Da zu wenig, dort zu viel

Auch der Haarwuchs ändert sich infolge des Ungleichgewichts der Hormone. Es kommt zu einer Verminderung der Haardichte, das Haar wird dünner, Dichte und Haarlänge sind im Bereich der Schläfen und der Scheitelregion reduziert. Wenn Anamnese und Hormonstatus unauffällig sind, können Haartinkturen mit Minoxidil, kombiniert mit Östradiol, sechs bis neun Monate hindurch einmal täglich angewendet werden. Doch auch nach dieser Zeit soll die Therapie nicht gänzlich abgebrochen werden.

Eine Überbehaarung kann in milden Formen mit herkömmlichen Depilationsmethoden, wie Keratin auflösenden Enthaarungscremen, oder mit einer Wachsentfernung behandelt werden. Von einer Rasur ist dringend abzuraten.

Kollagenverlust

Die Hauptursachen für die Hautalterung sind einerseits exogen – und hier überwiegt die übermäßige UV-Bestrahlung (Photoaging) –, anderseits endogen, wobei das Hormondefizit in der Postmenopause ausschlaggebend ist. „Der jährliche Kollagenverlust der Haut beträgt in der Postmenopause zwei Prozent. Die Kollagenfasern zeigen bereits in den ersten fünf postmenopausalen Jahren 30 Prozent Verlust. Das bedeutet eine Einbuße der Hautfestigkeit und Elastizität, vor allem aber wird die Barrierefunktion der Haut gestört“, zeigt Schmidt die Defizite auf.

Studien zeigen darüber hinaus auch eine Korrelation zwischen Knochendichte und Hautdicke. Bereits drei bis vier Monate nach der Menopause waren deutliche Reduktionen sowohl der Knochendichte als auch der Hautdichte festzustellen. „Unsere Studien ergaben, dass eine tägliche Lokaltherapie der Gesichtshaut mit 0,3% Östriol und 0,01% Östradiol à 1g zu einer Reduktion der Faltentiefe, einer Zunahme der Hautdicke sowie der Hautfeuchtigkeit führte.“

G. Niebauer, Ärzte Woche 42/2013

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