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Endokrinologie 18. September 2013

Statine nicht nur für das Herz gut

Weniger Grauer Star, weniger Demenz.

Eine Senkung der Blutfette mit Statinen reduziert auch das Risiko, einen Katarakt oder eine Demenz zu entwickeln. Das ist das Ergebnis aktueller Studien aus den USA und Taiwan, die auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Amsterdam präsentiert wurden. Eine der Arbeiten zeigt, dass die Einnahme von Statinen die Gefahr grauen Stars um 20 Prozent reduziert. Eine andere Untersuchung weist darauf hin, dass Statine vor Demenzerkrankungen schützen dürften, wobei höhere Dosierungen einen ausgeprägteren Effekt haben.

Statine standen in Verdacht, Grauen Star sogar zu verursachen oder zumindest begünstigen zu können. Jetzt kann offenbar Entwarnung gegeben werden. Die Metanalyse umfasst Daten aus 14 Studien mit 2.399.200 Patienten. Deren Durchschnittsalter betrug 61 Jahre, die mittlere Behandlungsdauer 54 Monate. Die Reduktion des Katarakt-Risikos unter Statin-Therapie um 20 Prozent war signifikant. Wurde die Statinbehandlung schon bei jüngeren Patienten (ab 40) begonnen und länger durchgeführt, reduzierte sich das Risiko sogar um 50 Prozent, so Prof. John Kostis vom Robert Wood Johnson University Hospital, New Jersey, USA.

„Das Erfreuliche an diesen Daten ist, dass nun die Bedenken ausgeräumt zu sein scheinen, dass eine Therapie mit Statinen das Katarakt-Risiko erhöhen könnte. Im Gegenteil, die Daten sprechen dafür, dass die Gefahr eines Grauen Star sogar sinkt“, so Prof. Dr. Franz Weidinger vom Krankenhaus Rudolfstiftung in Wien und Präsident der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft anlässlich des Kongresses.

Eine taiwanesische Forschergruppe untersuchte den Zusammenhang zwischen Statin-Einnahme und dem Auftreten von Demenzerkrankungen. Dabei zeigte sich, dass das Demenz-Risiko unter Statin-Therapie sinkt. Und das umso mehr, je höher ein Statin dosiert wird. Auch im Falle der Demenz waren in den letzten Jahren Befürchtungen laut geworden, dass diese unter Statintherapie vermehrt auftreten könnte.

Aus insgesamt etwa einer Million Versicherter wurden vor mehr als zehn Jahren 57.669 Personen im Alter über 65 identifiziert und beobachtet. Von diesen entwickelten 5.516 eine Demenzerkrankung im Sinne der Studienkriterien, vaskulär bedingte Demenzen waren ausgeschlossen. Im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe verhielt sich das Demenz-Risiko umgekehrt proportional zur Statindosis: Je mehr Statin ein Patient nahm, desto geringer war sein Risiko, an einer senilen oder präsenilen Demenz zu erkranken. In der Gruppe mit der höchsten Tagesdosis betrug die Erkrankungswahrscheinlichkeit im Vergleich zu Personen, die keine Statine nahmen, weniger als die Hälfte. Betrachtet man die Gesamtdosis, also auch, wie lange Statine genommen wurden, verkleinert sich das Risiko auf ein Drittel.

„Diese Daten sind erfreulich und von praktischer Bedeutung, weil wir hier erstmals eine große Untersuchung zur Wirkung von Statinen auf das Demenzrisiko haben“, kommentiert Weidinger. „Bemerkenswert ist auch, dass die vaskulären Demenzen in dieser Studie ausgenommen wurden. Denn gerade diese Erkrankungen werden ja durch Veränderungen an den Gefäßen verursacht und es wäre daher besonders naheliegend, dass sie durch Statine verhindert werden können. Der Ausschluss dieser Formen von Demenz verleiht der Studie noch mehr Brisanz.“

Quelle: Jahrestagung European Society of Cardiology (ESC), 31. August – 4. September, 2013, Amsterdam, Presseaussendung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft.

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