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© Barbara Dudzinska / Fotolia.com
Jede Menge Fleisch, Obst und Gemüse: Ob sich die Menschen der Steinzeit wirklich so ernährt haben?
 
Endokrinologie 13. August 2013

Viel Fleisch ohne Salz

Die sogenannte Steinzeitdiät scheint der Leber gut zu tun.

Eine proteinreiche, kohlenhydratreduzierte „Steinzeitdiät“ bewirkte in einer kleinen schwedischen Studie einen massiven Rückgang der Lebertriglyzeride bei postmenopausalen Frauen.

Nur zehn Frauen hatten sich auf Anfrage der Forscher um Dr. Mats Ryberg, Universität Umeå, bereit erklärt, sich fünf Wochen lang so zu ernähren, wie man das gemeinhin von altsteinzeitlichen Höhlenmenschen annimmt. Nach der (nicht bewiesenen) Vorstellung der Paläo-Diät-Verfechter sieht das so aus: viel mageres Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse, Eier und Nüsse. Nicht erlaubt sind Getreide- und Milchprodukte, verarbeitete Fette, raffinierter Zucker und Salz.

Die Frauen hatten ihre Menopause hinter sich, waren übergewichtig (BMI >27 kg/m2), ansonsten aber gesund. Ihnen setzte man nun vorbereitete Mahlzeiten mit einem genau festgelegten Verhältnis der Makronährstoffe vor: Zum Frühstück, Mittag- und Abendessen gab es jeweils 30 Anteile Proteine, 40 Anteile Fett mit hauptsächlich mehrfach ungesättigten Fettsäuren und 30 Anteile Kohlenhydrate, ergänzt durch Tagesrationen à 40 g Nüsse. Wem dies nicht reichte, der konnte den Speiseplan nach Belieben ergänzen – durch selbstzubereitete „Steinzeit-Gerichte“ nach vorgegebenen Rezepten.

Triglyzeride in der Leber um 50 Prozent gesunken

Nach fünf Wochen hatte sich die Fleischdiät in mehrfacher Hinsicht ausgezahlt: Vor allem war der Triglyzeridgehalt der Leber um knapp 50 Prozent zurückgegangen. Im Schnitt hatten die Frauen um 4,6 kg abgenommen. Der BMI war um vier Prozent gesunken. Die Herzfrequenz hatte sich signifikant verringert (von durchschnittlich 74 auf 64 Schläge pro Minute) und der Blutdruck war ebenfalls leicht gesunken, obwohl die Teilnehmerinnen sich kaum sportlich betätigt hatten.

Dabei war die Fettaufnahme seit Diätbeginn insgesamt sogar gestiegen. Erhöht hatte sich vor allem der Anteil der mehrfach ungesättigten Fettsäuren, nämlich um 122 Prozent. Die Aufnahme von gesättigten Fettsäuren war um 57 Prozent, die Kohlenhydratzufuhr um 58 Prozent gesunken.

Verbesserte Insulinsensitivität

Die Forscher sprechen von einem „beeindruckenden metabolischen Effekt“. Der Abfall der Triglyzeride war begleitet von sinkenden Nüchtern-Insulin- und Glukosespiegeln sowie einer reduzierten C-Peptid-Sekretion. Den Autoren zufolge ist dies ein Indiz für eine verbesserte Insulinsensitivität, wenn auch nur in der Leber. Verbessert hatte sich auch das Blutlipidprofil – allerdings mit Ausnahme der HDL-Fraktion.

Der beobachtete Fettabbau in der Leber, also in einem ektopischen Gewebe, ist für die postmenopausalen Teilnehmerinnen besonders relevant. Denn die Umverteilung von Körperfett von der Peripherie hin zu zentralen Depots gilt heute als anerkannter Risikofaktor für die Entwicklung von Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen, vor allem in der Menopause.

Auf die Zusammensetzung kommt es an

Mit der Fleischdiät hatten die Frauen pro Tag im Schnitt 520 kcal weniger zu sich genommen als zuvor. Angesichts des Ad-libitum-Reglements sei das beachtlich, so die Autoren. Wie die Forscher betonen, kommt es bei einer Diät aber eher auf die Zusammensetzung der Makronährstoffe an als auf die zugeführte Kalorienmenge. Eine proteinreiche Diät steigert das Sättigungsgefühl und erhöht die Wärmeproduktion. Die vermehrte Aufnahme von mehrfach ungesättigten Fettsäuren wirkt sich zudem günstig auf die Leberfunktion und die Insulinsensitivität aus. Und schließlich bremst eine kohlenhydratreduzierte Ernährung die De-novo-Lipogenese in der Leber. Damit sinkt die Gefahr, eine nicht alkoholische Fettleber zu entwickeln.

Originalpublikation: Ryberg M et al.: J Intern Med 2013; 274: 67–76

springermedizin.de, Ärzte Woche 28/33/2013

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