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Komplikationen durch Gallensteine: Östrogene in der Postmenopause erhöhen offenbar das Risiko.
 
Endokrinologie 22. April 2013

Hormonersatztherapie kann Gallenblase kosten

Die Liste möglicher Nebenwirkungen einer postmenopausalen Hormontherapie muss wohl erweitert werden.

Einer prospektiven Studie zufolge haben Anwenderinnen von oralen Östrogenen auch ein erhöhtes Risiko für ein Gallensteinleiden mit nachfolgender Cholezystektomie.

Schon in früheren Studien zur Hormontherapie (HT), etwa der Million Women Study, war ein möglicher Zusammenhang mit Cholezystektomien aufgefallen. In der französischen Studie E3N wurde die Assoziation nun prospektiv an einer Kohorte von 70.928 Frauen (Racine A et al. CMAJ 2013, online 18. März 2013; doi: 10.1503/cmaj.121490) bestätigt.

Während der elfjährigen Beobachtungszeit hatten 45.984 Frauen (64,8%) eine HT erhalten, meistens in Form einer Kombinationstherapie aus Östrogen und Progestagen und meistens auf transdermalem Weg. Bei 2.819 Frauen wurde im Studienzeitraum die Gallenblase chirurgisch entfernt. Häufiger operiert wurden erwartungsgemäß Teilnehmerinnen mit höherem BMI, mehr Geburten, erhöhten Cholesterinwerten und Diabetes. Darüber hinaus hatten aber auch Anwenderinnen einer HT, unabhängig vom Zeitpunkt der Therapie, ein um 10 Prozent höheres Risiko für eine Cholezystektomie als Frauen, die nie mit Hormonen behandelt worden waren. Die Korrelation beschränkte sich allerdings auf den Gebrauch von oralen Östrogenen, hierunter stieg das Risiko relativ um 16 Prozent. Als besonders riskant im Hinblick auf die Gallenblase erwies sich die Einnahme einer Östrogen-Monotherapie mit einer Risikozunahme um 38 Prozent.

Das absolute Risiko für die Gallenblasenentfernung betrug 49 pro 10.000 Personenjahren bei HT-Anwenderinnen gegenüber 35 pro 10.000 bei Frauen, die nie Hormone bekommen hatten. Daraus ergibt sich für die orale Östrogen-Monotherapie eine Number Needed to Harm von 150: So viele Frauen müssen fünf Jahre lang ein Östrogen schlucken, damit eine Cholezystektomie mehr durchgeführt werden muss als bei Frauen ohne jegliche HT.

Ähnliche Ergebnisse in früheren Studien

Die Ergebnisse stimmen weitgehend mit denen von anderen Studien überein. In der Million Women Study und der Women’s Health Initiative (WHI) war der Zusammenhang zwischen oraler Östrogen-Monotherapie und Gallensteinleiden sogar noch deutlicher ausgeprägt. Transdermales Östrogen, das in der aktuellen Studie keinen Einfluss hatte, ließ das Risiko in der Million Women Study zumindest weniger stark steigen als orales Östrogen. Ein Widerspruch besteht jedoch im Hinblick auf die kombinierte HT: Sie war in den älteren Studien ebenfalls mit einer Zunahme von Gallensteinleiden verknüpft.

Die Autoren der aktuellen Studie vermuten, dass Unterschiede bei den verwendeten Progestagenen zu den gegensätzlichen Resultaten beigetragen haben. In der WHI-Studie wurde nur Medroxyprogesteronacetat verwendet und in der Million Women Study wurden vor allem Norpregnan-Derivate oder Medroxyprogesteron verordnet, während in der französischen Kohorte ein größeres Spektrum von Progestagenen zum Einsatz kam. Als Konsequenz fordern Racine und Kollegen: „Komplizierte Gallensteinerkrankungen sollten ergänzt werden auf der Liste möglicher Nebenwirkungen, die bei der Nutzen-Risiko-Abwägung einer Hormontherapie zu berücksichtigen sind.“

springermedizin.de/bs, Ärzte Woche 17/2013

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