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Niedrige TSH-Werte und T4-Werte im Referenzbereich können das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen.
 
Endokrinologie 3. Februar 2013

Schilddrüsenstörungen

Bereits subklinische Hyperthyreose erhöht Risiko für Vorhofflimmern.

Nicht nur Patienten mit einer Hyperthyreose haben ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, sondern bereits Patienten mit subklinischer Schilddrüsenüberfunktion oder mit einer hochnormalen Euthyreose. Die Assoziation entdeckten dänische Endokrinologen und Kardiologen bei der Auswertung der Daten von mehr als einer halben Million Patienten.

Für die Studie wurden die Schilddrüsenwerte analysiert, die bei knapp 586.500 Patienten in Allgemeinarztpraxen zwischen den Jahren 2000 und 2010 erhoben worden waren. 96 Prozent waren euthyreot, 0,3 Prozent hatten eine Hypothyreose, 2 Prozent eine subklinische Hypothyreose, 0,7 Prozent eine Schilddrüsenüberfunktion und 1 Prozent eine subklinische Hyperthyreose.

Als subklinische Hypothyreose galt ein erhöhter TSH-Wert mit Konzentrationen des freien T4 im Referenzbereich. Entsprechend galt als subklinische Hyperthyreose ein verringerter TSH-Wert mit T4-Werten im Referenzbereich.

Jeder Zweite in Klinik wegen Herzrhythmusstörungen

Bei einem medianen Follow-up von fünfeinhalb Jahren wurde bei 17.154 Patienten (2,9 Prozent) Vorhofflimmern diagnostiziert. Bei jedem zweiten Patienten war das der Grund für eine Klinikeinweisung. Nachgewiesen wurde die Herzrhythmusstörung bei 2,9 Prozent der Patienten mit Euthyreose und bei 2,5 Prozent der Patienten mit Hypothyreose, jedoch bei 4,6 Prozent der Patienten mit einer Überfunktion der Schilddrüse.

Die statistische Auswertung mit Berücksichtigung des Alters der Patienten ergab, dass die Wahrscheinlichkeit für Vorhofflimmern bei Patienten mit normalen T4-Werten und verringertem TSH (0,1– 0,2 mIU/l) sowie hochnormaler Schilddrüsenfunktion im Vergleich zu Patienten mit euthyreoter Schilddrüse um etwa 10 Prozent erhöht war.

Jüngere Patienten waren stärker gefährdet

Dagegen war das Risiko um 40 Prozent erhöht, wenn die Patienten eine subklinische Hyperthyreose und ein supprimiertes TSH (‹ 0,1 mIU/l) hatten. Insgesamt waren jüngere Patienten durch eine hochnormale oder Überfunktion stärker kardiologisch gefährdet als ältere.

Die dänischen Ärzte entdeckten noch etwas: Möglicherweise schützt eine Hypothyreose oder eine subklinische Hypothyreose mit erhöhten TSH-Werten (› 5 mIU/l) vor Vorhofflimmern. Denn im Vergleich zu Patienten mit Euthyreose betrug die IRR (incidence rate ratio), definiert als das Verhältnis der Ereignisse pro 1.000 Patientenjahren, bei Hypothyreose (fT4: ‹9 pmol/l; Gesamt T4: ‹ 60 mmol) 0,67 und bei subklinischer Hypothyreose (fT4: 9–22 pmol/l; Gesamt T4: 60–140 mmol/l) 0,88. Zum Vergleich: Die IRR bei subklinischer Hyperthyreose betrug 1,30 und bei Hyperthyreose 1,41. Möglicherweise schützt die verringerte Herzschlagfrequenz bei Hypothyreose vor Vorhofflimmern und senkt die kardiovaskuläre Mortalität, wie die Wissenschaftler vermuten.

springermedizin.de, Ärzte Woche 5/2013

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