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Endokrinologie 13. September 2011

Vorsicht ist angebracht

Konjugierte Linolsäuren beeinflussen auch die Bauchspeicheldrüse und regen so die Insulinausschüttung an.

Sie sind vielgepriesene Schlankheitsmittel, die konjugierten Linolsäuren. Aber sie stimulieren in der Bauchspeicheldrüse die Ausschüttung von Insulin, das haben Forscher der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit Tübinger Kollegen herausgefunden. Was passiert, wenn jemand die Substanz über viele Jahre einnimmt, ist nicht abzusehen, denn solide Langzeitstudien am Menschen fehlen bisher. Eine denkbare Folge: Diabetes.

 

„Viele Leute schlucken große Mengen dieser Substanzen, weil sie glauben, dass sie ihnen gut tun“, sagt Prof. Dr. Evi Kostenis vom Pharma-Zentrum Bonn der Universität Bonn. „Aber wie wir jetzt gesehen haben, beeinflussen konjugierte Linolsäuren auch die Bauchspeicheldrüse. Es ist gut möglich, dass die Zellen dadurch auf Dauer Schaden nehmen.“

Konjugierte Linolsäuren, CLA, sind Fettsäuren, die natürlicherweise in der Milch und dem Fleisch von Wiederkäuern vorkommen. Hochdosierte Kapseln dieser Verbindungen stehen als Nahrungsergänzungsmittel in den Regalen von Drogerien und Supermärkten und können im Internet bestellt werden.

Kein Allheilmittel

„Sie werden quasi als Allheilmittel angepriesen“, erläutert Kostenis. „Sie sollen Fett verbrennen, Muskelmasse aufbauen, schön machen, gegen Entzündungen helfen, sogar Krebs vorbeugen.“ Die Werbung verspricht viel, doch endgültig bewiesen ist bisher keine dieser Wirkungen.

Einige klinische Studien haben hingegen bereits gezeigt, dass Menschen unter hohen CLA-Dosen entweder mehr oder weniger Insulin ausschütten und unter Umständen eine Insulinresistenz entwickeln können. „Jetzt kennen wir auch den Mechanismus, mit dem die Substanzen auf die Bauchspeicheldrüsenzellen einwirken“, sagt Kostenis. Konjugierte Linolsäuren greifen an einem ganz bestimmten Rezeptor an − ist der Blutzuckerspiegel hoch, schütten die Zellen daraufhin innerhalb von Sekunden vermehrt Insulin aus. Das haben die Forscher an Mäuse- und an Menschenzellen gezeigt, und zwar mit CLA-Mengen, die auch im Blut vorliegen können, wenn derjenige konjugierte Linolsäuren in Kapselform zu sich nimmt. Milch und Fleisch hingegen sind in dieser Hinsicht unbedenklich, da sie keine so hohen Mengen enthalten.

Diabetes-Risiko ist noch unklar

„Wir wissen nicht, ob Personen, die regelmäßig mehrere Gramm der Substanzen einnehmen, dadurch irgendwann Diabetes entwickeln“, sagt Kostenis. „Denkbar ist auch das Gegenteil: Vielleicht tut den Bauchspeicheldrüsenzellen die wiederholte Stimulation gut. Möglicherweise eignen sich CLA damit auch als Arzneimittel gegen Diabetes Typ 2. Das alles müssen zukünftige Studien erst zeigen. Bisher wollen wir nur sagen: Leute, passt auf! Diese Substanzen wirken wie ein Arzneimittel und sind damit nicht ungefährlich.“

Die Forscherin fordert seriöse Langzeitstudien am Menschen. Bisher gab es dazu keine einzige. Vorerst steht eine Langzeitstudie mit Mäusen an, die das Forscherteam um Kostenis initiiert hat. Sie wird Hinweise liefern, welche Langzeitwirkungen von CLA beim Menschen zu erwarten sind. Konjugierte Linolsäuren werden als natürliche Substanzen angepriesen. Aber natürlich heißt nicht automatisch harmlos, so Kostenis: „Die Natur macht auch viele schöne Gifte, denken Sie nur an den Knollenblätterpilz.“ Ihr Fazit: „Man sollte nicht alles unbesehen glauben.“

Literatur:

J. Schmidt et al: Conjugated Linoleic Acids Mediate Insulin Release through Islet G Protein-coupled Receptor FFA1/GPR40, The Journal of Biological Chemistry, 2011, doi: 10.1074/jbc.C110.200477

UniBonn/IS, Ärzte Woche 37 /2011

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