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Dr. Bernd Kleine-Gunk, Facharzt für Gynäkologie und Leiter der Belegabteilung für Gynäkologie an der EuromedClinic in Fürth, Deutschland
 
Endokrinologie 13. Februar 2009

Hormone für die Schönheit

Gute Zusammenarbeit zwischen Gynäkologen, Dermatologen und Apothekern ist in der ästhetischen Endokrinologie die Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.

Der Einfluss von Steroidhormonen auf die Haut und ihre Anhangsgebilde ist seit Langem bekannt und wird in vielfältiger Weise therapeutisch genutzt. In den letzten Jahren werden Steroidhormone in topischer Applikation auch zunehmend zu rein kosmetischen Zwecken eingesetzt. Die Hormonkosmetik – auch als ästhetische Endokrinologie bezeichnet – eröffnet dabei Möglichkeiten, die weit über den Rahmen der klassischen Kosmetik hinausgehen.

Behandlung von Falten und Altershaut

Die Haut als das größte Organ des Menschen altert in doppelter Weise. Zu unterscheiden ist hier im Wesentlichen zwischen einem exogenen, hauptsächlich UV-induzierten Alterungsprozess (Photoaging) und einer endogenen Hautalterung, die entscheidend durch den Hormonmangel bestimmt ist.

Leitsymptom der endogenen Hautalterung ist eine zunehmende Atrophierung der Haut in allen drei Schichten (Epidermis, Dermis, Subcutis, siehe Abbildung 1, unten). Auch die Hautanhangsgebilde (Talgdrüsen, Schweißdrüsen, Haarfollikel) bilden sich zurück, die Hautdurchblutung nimmt ab. Klinisch macht sich dies als eine zunehmend dünne, trockene und faltige Haut bemerkbar.

Durch den Ersatz der fehlenden Östrogene sind diese Veränderungen zumindest partiell reversibel. Östrogene bewirken im dermalen Bindegewebe einen Anstieg von sauren Mukopolysacchariden und von Hyaluronsäure, was eine vermehrte Wassereinlagerung zur Folge hat. Die Hautdicke nimmt wieder zu, kleinere Fältchen glätten sich. Gleichzeitig beeinflussen Östrogene auch die strukturelle Qualität des Bindegewebes durch einen messbaren Anstieg des Kollagens.

Diese Effekte sind aber nicht nur durch eine systemische Hormontherapie zu erzielen, sondern auch durch eine lokale Applikation. Hierzu empfiehlt sich als besonders geeignetes Östrogen das Östriol, das eine ausgeprägt epidermotrope Wirkung besitzt und auch bei einer eventuellen transdermalen Resorption nur geringe Wirkungen auf das Endometrium entfaltet.

Aber auch die Gestagene zeigen eine positive Wirkung bei der Behandlung der alternden Haut. Insbesondere das natürliche Progesteron ist ein Hemmer der für den Bindegewebsabbau verantwortlichen Matrix-Metalloproteinasen. Eine gute Steriodhormonsalbe sollte daher auch einen Progesteronanteil enthalten.

Cellulite ist weiblich

Die Cellulite ist eine typisch geschlechtsspezifische Veränderung. Männer – auch dicke Männer – bekommen keine Cellulite. Der Grund liegt in der unterschiedlichen Mikroarchitektur des subkutanen Fettgewebes. Während Männer hier ausgeprägte Bindegewebsquervernetzungen aufweisen, sind die bindegewebigen Septen bei Frauen säulenartig angeordnet, sodass sich bei Vorliegen eines zusätzlichen Lipödems das typische „matratzenartige“ Hautmuster ausbildet (Abbildung 2, unten).

Neben allgemeinen Maßnahmen wie einer diätetischen Fettgewebsreduktion oder einer manuellen Therapie des Lipödems kann eine deutliche Besserung der Symptomatik auch durch eine topische Hormongabe erfolgen.

Mittel der Wahl sind hierbei die Androgene und Androgenderivate. DHEA, das bei Frauen im wesentlichen zu Androgenen weiter verstoffwechselt wird, lässt sich dabei in lokaler Form einsetzen. Ein weitaus potenteres Mittel ist das Androstanolon, ein nicht aromatisierbares Androgen. Dieser Aspekt ist von großer Wichtigkeit. Lokal appliziertes Testosteron eignet sich beispielsweise nicht zur Cellulitebehandlung, da es im Fettgewebe sogleich in Östradiol und Östron weiteraromatisiert wird und so die Symptomatik eher verschlechtert. Eine Verstärkung der Androstanolonwirkung lässt sich durch die zusätzliche Einarbeitung eines Antiöstrogens (Tamoxifen) in die Cellulitecreme erreichen.

Behandlung der Akne

Die systemische Hormonbehandlung der Akne durch einen antiandrogenen Ovulationshemmer ist seit Jahrzehnten gynäkologische und dermatologische Praxis. Die Ovulationshemmereinnahme wird jedoch nicht immer akzeptiert, etwa von Frauen mit Kinderwunsch. Jungen Männern, die von Akne wesentlich häufiger und stärker betroffen sind, steht diese Option prinzipiell nicht zur Verfügung. In beiden Fällen ist jedoch der topische Einsatz eines Antiandrogens (z.B. Cyproteronacetat) möglich. Da die Akne häufig auf dem Boden einer Seborrhoe entsteht, sollte als Grundlage möglichst ein Gel statt einer fetten Salbe verwendet werden. Der Zusatz von Östriol verstärkt die Wirkung eines antiandrogenen Aknegels.

Die Hormonkosmetik ist zweifelsfrei ein hochinteressantes, aber nicht unproblematisches Gebiet. Zu Recht gibt es die entsprechenden Präparate nicht im freien Handel, sondern nur auf Rezept. Steroidhormone sind hoch wirksame Substanzen, welche nicht nur auf die Haut wirken, sondern auch durch die Haut resorbiert werden. Überdosierungen müssen also vermieden werden, und systemische Effekte sind prinzipiell möglich. Die Hormonkosmetik gehört somit in die Hand eines auf diesem Gebiet versierten Arztes.

Die Galenik ist entscheidend

Zudem ist die Galenik guter Hormonkosmetika anspruchsvoll und verlangt vom Apotheker viel Erfahrung. Wenig sinnvoll ist es daher, den Patienten ein vorgefertigtes Rezept in die Hand zu drücken, das sie dann zum „Apotheker um die Ecke“ tragen. Da die Herstellung aufwändig ist, lohnt sie sich bei nur gelegentlicher Verordnung für den Apotheker selbst bei einem hohen Verkaufspreis kaum.

Galenik und Haltbarkeit vieler Hormonkosmetika aus nichtspezialisierten Apotheken lassen häufig zu wünschen übrig. Eine Patientin, die in teuere Hormonkosmetik investiert, wird aber wenig begeistert sein, wenn ihre Creme bereits nach kurzer Zeit klumpt oder ranzig wird.

Bei der Umsetzung der Hormonkosmetik ist neben der wünschenswerten Zusammenarbeit zwischen Gynäkologen und Dermatologen also insbesondere die Kooperation mit einem entsprechend erfahrenen Apotheker die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.|

 

Weitere Informationen und Rezepturen unter: http://www.a-b-f.de

 

Kontakt:

Dr. Bernd Kleine-Gunk

Abteilung für Gynäkologie

EuromedClinic

Europa-Allee 1

90763 Fürth, Deutschland

E-Mail:

Foto: Privat

Dr. Bernd Kleine-Gunk, Facharzt für Gynäkologie und Leiter der Belegabteilung für Gynäkologie an der EuromedClinic in Fürth, Deutschland

Abbildung 1: Atrophierung der Haut in Epidermis, Dermis und Subcutis.

Abbildung 2: Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Mikroarchitektur des subkutanen Fettgewebes

Von Dr. Bernd Kleine-Gunk, Fürth, Deutschland, hautnah 1/2009

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