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Das metabolische Syndrom im Kindes- und Jugendalter: Diagnose - Therapie - Prävention Kiess, Wieland; Hauner, Hans; Wabitsch, Martin; Reinehr, Thomas 320 Seiten, € 63,70 Urban & Fischer Verlag/ Elsevier GmbH 2009 ISBN 3437245600 Thomas Reinehr und
 
Endokrinologie 1. Dezember 2010

Schicksal extremes Übergewicht?

Forscher suchen nach Vorhersage-Möglichkeiten, ob Abnehmen überhaupt möglich ist.

Was wäre, wenn extrem übergewichtige Menschen durch Besonderheiten etwa im Stoffwechsel gar nicht abnehmen könnten? Welche Abläufe, welche Botenstoffe könnten als „Marker“, als Hinweis auf diese individuelle Ausprägung dienen? Kann man am Ende vorhersagen, wem eine Kombination aus Ernährungsumstellung und Bewegung helfen wird, sein Übergewicht los zu werden, und wem nicht? Diese Fragen werden an der Universität Witten/Herdecke erforscht.

 

„Wir haben in einer Studie rund 1.000 Kinder und Jugendliche, die an extremem Übergewicht leiden, behandelt. Sie bekamen Ernährungs- und Verhaltenshinweise, die Eltern wurden einbezogen und Bewegung gehörte dazu. Bei 70 Prozent der Kinder wirkte diese Therapie, bei dem Rest nicht. Wir wissen nicht, warum, aber wir suchen nach den Gründen“, beschreibt Prof. Dr. Thomas Reinehr, Kinder- und Jugendarzt, Pädiatrischer Endokrinologe und Diabetologe von der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln, Kinderklinik der Universität Witten/Herdecke, die Ausgangslage.

Genmutation bremst Abnahme

Marburger Forscher äußerten den ersten Verdacht, Veränderungen im Gen MC4R könnten eine Vorhersage ermöglichen. Die Mutation führt auch dazu, dass diese Kinder zwar mit einer Lebensstil-Intervention abnehmen können, dann aber im Gegensatz zu den Kindern ohne Mutation wieder zunehmen.

Metabolomik

Im vergangenen Jahr konnten die Dattelner Forscher dann einen weiteren Schritt tun: „Es gab den Verdacht, dass die Wirksamkeit des Botenstoffs Leptin, der das Hungergefühl hemmt, gestört ist. In einer Studie haben wir nachweisen können, dass die Leptin-Konzentration bei übergewichtigen Kindern ohne Gewichtsreduktion am höchsten war“, beschreibt Reinehr das Ergebnis. Das bedeutet, dass bei diesen Kindern nicht die Konzentration entscheidet, sondern dass Übergewichtige vielleicht die Nachricht des Botenstoffs nicht aufnehmen, weil die notwendigen Rezeptoren fehlen oder nicht funktionieren.

„In jüngster Zeit gehört die Metabolomik zu unserem Forschungsgebiet. Beim Stoffwechsel entstehen Zwischenprodukte, und an denen hoffen wir erkennen zu können, wie die Wechselwirkung genau funktioniert. Dazu haben wir 216 solcher Metaboliten bei 80 Kindern gemessen und 68 zeigen in den Werten Auffälligkeiten, welche jetzt weiter charakterisiert werden sollen“, erzählt Reinehr über den geplanten Weg zur Erforschung der komplexen Zusammenhänge.

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