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Diabetologie 30. Mai 2016

Gravidität bei vorbestehendem Diabetes für die Leitlinien für die Praxis (AG Diabetes und Schwangerschaft der ÖDG)

Bereits vor über 25 Jahren forderte die St. Vincent Deklaration, dass diabetische Schwangere vergleichbare Schwangerschaftsergebnisse wie nicht-diabetischen Frauen erreichen sollen. Dennoch belegen aktuelle Erhebungen, dass Frauen mit bereits präkonzeptionell entwickeltem manifestem Diabetes nach wie vor höhere Komplikationsraten und eine höhere perinatale Morbidität und Mortalität aufweisen. Das ist großteils auf eine fehlende oder zumindest unzureichende Schwangerschaftsplanung und präkonzeptionelle Betreuung mit Optimierung der Stoffwechsellage vor Konzeption zurückzuführen. Weltweit steigende Adipositasprävalenz führt zusätzlich zu einem Anstieg von Müttern mit Typ 2 Diabetes. Dieser Trend ist auch bei Typ 1 Diabetikerinnen zu beobachten und aggraviert die Metabolik und die perinatalen Ergebnisse. Die diabetische Embryopathie und diabetische Fetopathie sind eng mit der mütterlichen Stoffwechselkontrolle zu Schwangerschaftsbeginn assoziiert (Ziel: Normoglykämie und normales HbA1c, falls dies ohne Risiko für Hypoglykämien möglich ist). Das Hypoglykämierisiko ist in der Frühschwangerschaft deutlich erhöht, nimmt aber mit den hormonellen Veränderungen und der Zunahme der Insulinresistenz im Schwangerschaftsverlauf deutlich ab. Eine funktionelle, intensivierte Insulintherapie mit multiplen täglichen Insulininjektionen oder eine Insulinpumpentherapie sind gleich effektiv im Erreichen einer guten mütterlichen Stoffwechselkontrolle während der Schwangerschaft. Alle Diabetikerinnen sollen im Selbstmanagement der Insulintherapie mit Anpassungen der Insulindosis geschult sein und eine stabile Stoffwechsellage vor Schwangerschaftsbeginn aufweisen. Außerdem müssen eine Schilddrüsendysfunktion, eine Hypertonie oder diabetische Komplikationen vor der Konzeption ausgeschlossen bzw. adäquat behandelt sein, um eine mögliche Progression der Komplikationen und Begleiterkrankungen sowie insgesamt die mütterlichen und fetalen Risiken zu minimieren.

Summary

Twenty-six years ago the St. Vincent Declaration aimed for an achievement of a comparable pregnancy outcome in diabetic and non-diabetic women. However, current surveys clearly show that women with pre-gestational diabetes still feature a much higher risk of perinatal morbidity and even increased mortality. This fact is mostly ascribed to a persistently low rate of pregnancy planning and pre-pregnancy care with optimization of metabolic control prior to conception. In addition, obesity increases worldwide, contributing to a growing number of women with type 2 diabetes at a childbearing age, and a further deterioration in outcome in diabetic women. Development of diabetic embryopathy and fetopathy are known to be related to maternal glycemic control (target: normoglycemia and normal HbA1c, if possible without hypoglycemia). The risk for hypoglycemia is at its greatest in early pregnancy and decreases with the progression of pregnancy due to the hormonal changes leading to a marked increase of insulin resistance. Intensified insulin therapy with multiple daily insulin injections and pump treatment are equally effective in reaching good metabolic control during pregnancy. All women should be experienced in the management of their therapy and on stable glycemic control prior to the conception. In addition, thyroid dysfunction, hypertension as well as the presence of diabetic complications should be excluded before pregnancy or treated adequately in order to decrease the risk for a progression of complications during pregnancy as well as for maternal and fetal morbidity.

Alexandra Kautzky-Willer, Jürgen Harreiter, Raimund Weitgasser, Monika Lechleitner, Wiener klinische Wochenschrift S2/2016

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