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Diabetologie 16. Oktober 2015

Interessanter Marker für Typ-2-Diabetesrisiko

Studie zeigt, dass nächtliche Blutdruckwerte der zuverlässigste Prädiktor für eine Diabetes-Neuerkrankung sind.

Der Blutdruck, der im Schlaf gemessen wird, ist ein hochsignifikanter, unabhängiger prognostischer Marker für die Entwicklung eines Diabetes, so das Ergebnis einer spanischen Studie. In seiner Zuverlässigkeit rangiert er gleich hinter der Nüchternglukose. Gleichzeitig könnten diese Ergebnisse ein neues Präventionsziel markieren.

In der Nacht sollte der systolische Blutdruck um mindestens 10 Prozent absinken und einen Wert von 120/70 mmHg nicht überschreiten, so die Vorgaben der Deutschen Hochdruckliga (DHL). Bei einer Reihe von Patienten, u. a. bei Diabetikern, findet der nächtliche Blutdruckabfall jedoch nicht statt, was das kardiovaskuläre Risiko dieser Patienten erhöht. Zudem kann der Hochdruck während des Schlafs auch Vorzeichen der Stoffwechselerkrankung sein, lange bevor die Diabetesdiagnose gestellt wird. Dies legt jetzt eine prospektive Untersuchung von Ramón Hermida und Kollegen von der Universität Vigo mit 2.656 Männern und Frauen nahe. Die Studienteilnehmer waren durchschnittlich 50,6 Jahre alt und zu Beginn Normotoniker oder unbehandelte bzw. therapieresistente Hypertoniker ohne Diabetes. Der ambulante Blutdruck wurde mittels 48-Stunden-Langzeitmessung (ABDM) je nach Ausgangswert jährlich oder häufiger ermittelt.

Um Wach- und Schlafzeiten genau zu überwachen, trugen die Probanden während der 48 Stunden der Blutdruckmessung einen Aktigraf am Handgelenk, der ihre Aktivitäten im Minutentakt aufzeichnete. Die Diabetes-Neuerkrankung war definiert als: Nüchternglukose ≥ 7,0 mmol/l bei mindestens zwei Untersuchungen im Abstand von mindestens drei Monaten, ohne Diabetes oder eine antidiabetische Therapie in der Vergangenheit.

Eines der Hauptziele der MAPEC (Monitorización Ambulatoria para Predicción de Eventos Cardiovasculares)-Studie war auch, den Effekt der Einnahmezeit blutdrucksenkender Therapien auf kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetesentstehung und Nierengesundheit zu beobachten.

Neues Präventionsziel in Sicht

Während einer mittleren Beobachtungszeit von 5,9 Jahren entwickelten 190 Personen einen Typ-2-Diabetes. Nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren wie Alter, Taillenumfang, Nüchternglukose, chronische Nierenerkrankungen und Hypertonietherapie erschienen die nächtlichen Blutdruckwerte, die mittels 48-Stunden-ABDM gemessen wurden, als zuverlässigster signifikanter Prädiktor für eine Diabetes-Neuerkrankung: Pro Anstieg um eine Standardabweichung (SD) erhöhte sich das relative Erkrankungsrisiko im Untersuchungszeitraum um 28 Prozent. Außerdem zeigte sich bei hypertensiven Patienten, die mindestens ein Blutdruck senkendes Medikament vor dem Schlafengehen einnahmen, ein signifikant niedrigeres Diabetesrisiko als bei denjenigen, die ihre Antihypertensiva über den Tag verteilten (HR 0,43).

Keinen Vorhersagewert hatten dagegen Klinik-Blutdruckmessungen am Tag, ambulante Tageswerte sowie der 48-Stunden-Mittelwert, nach Korrektur um die nächtlichen Werte. Die Analysen der Blutdruckänderungen während des Follow-up ergaben, dass ein Absinken des nächtlichen systolischen Mittelwerts um 1 SD mit einer Senkung des Diabetesrisikos um jeweils 30 Prozent einherging. Diese Verbesserungen erwiesen sich als unabhängig von Veränderungen beim klinischen Blutdruck, bei den Tageswerten oder dem 48-Stunden-Mittelwert. Zudem waren die Vorteile sowohl für die Gruppe mit zu Studienbeginn nächtlich normalem als auch erhöhtem Blutdruck signifikant, selbst dann, wenn der systolische Blutdruck im Schlaf unter 100 mmHg absank.

Häufig geht der Erstdiagnose eines Typ-2-Diabetes eine Veränderung des nächtlichen Blutdrucks voraus, so Hermida und Kollegen. Würden durch Langzeitmessungen erhöhte Werte in der Nacht festgestellt, könne deren Senkung als Präventionsmaßnahme für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes gesehen werden.

Originalpublikation: Hermida RC et al. Diabetologia 2015, online 23. September; DOI: 10.1007/s00125-015-3748-8

springermedizin.de, Ärzte Woche 42/2015

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