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Sind MCV- und MCH-Werte reduziert, so kann von einem Eisenmangel durch niedrige Transferrinsättigung oder durch reduziertes Ferritin ausgegangen werden.
 
Diabetologie 8. Juni 2015

Störfaktoren bei der Ermittlung des HbA1c-Wertes

Eisenmangel und Eisenmangelanämie verlängern die Lebensdauer der Erythrozyten.

Wenn bei Patienten mit Diabetes mellitus Glukose- und HbA1c-Werte nicht zusammenpassen, sollten Erythrozytenindizes überprüft werden. Denn aus mehreren Studien geht hervor, dass niedrige MCV- und MCH-Werte als Zeichen eines Eisenmangels mit erhöhten HbA1c-Werten assoziiert sind.

Um mögliche Störfaktoren aufzuspüren, die Ursache für falsche HbA1c-Werte sind, und um mehr Informationen darüber zu erhalten, wie stark eine Anämie die HbA1c-Spiegel beeinflusst, haben britische Ärzte und Biochemiker eine systematische Analyse von zwölf Studien aus einem Pool aus fast 550 zwischen 1990 und 2014 publizierten Studien vorgenommen. Es handelte sich bei allen um Kohortenstudien, in denen der Zusammenhang zwischen HbA1c-Werten und einer Anämie oder anderen Erythrozytenindizes mit oder ohne Anämie überprüft wurde. Die Ärzte wählten als Beginn des Studienzeitraums das Jahr 1990, weil davor die Messung des HbA1c-Wertes noch nicht so gebräuchlich war.

Nach Angaben von Dr. Emma English und ihren Kollegen von der Universität Nottingham in Derby bestätigen die Auswertungen der Studien, dass der HbA1c-Wert durch Eisenmangel sowie Eisenmangelanämie erhöht wird, weil sich die Lebensdauer der Erythrozyten verlängert. Für die klinische Praxis leiten sie mehrere Tipps aus den Ergebnissen der zwölf Studien ab. So empfehlen sie, immer dann, wenn bei Diabetikern die Glukosewerte nicht zu den HbA1c-Werten passen, Störungen der Erythrozytenindizes zu überprüfen. Wenn der HbA1c-Wert normal oder erhöht ist, der Hb-Wert dagegen zu niedrig, solle man nicht davon ausgehen, dass der HbA1c-Wert fälschlicherweise erhöht ist, sondern die Erythrozytenindizes kontrollieren, allen voran die MCV- und MCH-Werte, also das mittlere Erythrozytenvolumen und den durchschnittlichen HämoglobinGehalt eines Erythrozyten. Falls diese Werte reduziert sein sollten, könne von einem Eisenmangel durch niedrige Transferrinsättigung oder durch reduziertes Ferritin ausgegangen werden.

Die Ärzte weisen darauf hin, dass Eisenmangel wie auch die Eisenmangelanämie ausreichen, um Veränderungen der HbA1c-Werte zu verursachen. Daran solle man vor allem bei Frauen im gebärfähigen Alter denken.

Vor der HbA1c-Bestimmung Störungen korrigieren

In Zusammenschau der Ergebnisse empfehlen English und ihre Kollegen, dass immer dann, wenn die Erythrozytenindizes erhöht oder reduziert sind oder wenn eine Anämie vorliegt, diese Störungen zunächst zu korrigieren und erst dann die HbA1c-Wertbestimmung in der Diagnostik oder beim Monitoring anzuwenden. Aus den Studien gehe zudem hervor, dass mit mindestens einem halben Jahr zu rechnen sei, bis sich die Erythrozytenindizes wieder normalisierten. Als zusätzlichen Indikator für eine Normalisierung verwiesen die Ärzte auch auf die RDW-Werte (red cell distribution width), also die Größenstreuung der Erythrozyten.

Zukünftig sollten mithilfe von Studien, die bevölkerungsgestützt durchgeführt werden, aber auch in Interventionsstudien Veränderungen der HbA1c-Werte im Zusammenhang mit der Behandlung bei Erythrozytenveränderungen und Anämien genauer untersucht werden.

Originalpublikation: English E et al. The effect of anaemia and abnormalities of erythrocyte indices on HbA1c analysis: a systematic review. Diabetologia 2015; online 21. Mai

springermedizin.de, Ärzte Woche 24/2015

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