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© Kesu01/iStock
Rind-, Schweine- oder Lammfleisch sollte bei Diabetes möglichst gemieden werden.
 
Diabetologie 8. Juni 2015

Zu viel Eisen, zu wenig Glycin

Hoher Konsum von rotem Fleisch erhöht den oxidativen Stress und damit das Diabetesrisiko.

Wer sehr viel Rind-, Schweine- oder Lammfleisch isst, läuft eher Gefahr, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Dieser Zusammenhang wurde in zahlreichen Beobachtungsstudien erkannt, ohne den Grund dafür zu kennen. Nun scheint ein Forscherteam mithilfe von Biomarkern der Ursache nähergekommen zu sein.

Große Langzeitbeobachtungsstudien kommen weltweit zu dem Ergebnis, dass ein hoher Konsum von rotem Fleisch, also Rind-, Schweine- oder Lammfleisch, mit einem erhöhten Typ-2-Diabetesrisiko verbunden ist. Auch die Daten der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition = EPIC-Studie, die in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Teilnehmern die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen untersucht, weisen darauf hin. Demnach führt der tägliche Verzehr von 150 Gramm rotem Fleisch zu einem um etwa 80 Prozent erhöhten Erkrankungsrisiko. Eine ähnliche Risikoerhöhung beobachteten die Wissenschaftler auch in Verbindung mit dem Rauchen von mehr als 20 Zigaretten pro Tag, mit einer Zunahme des Taillenumfangs um 7,6 Zentimetern oder in Zusammenhang mit einer erblichen Vorbelastung durch Mutter oder Vater. Welche Stoffwechselprozesse der Risikobeziehung zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch und Diabetes melllitus Typ 2 zugrunde liegen und ob bestimmte im Fleisch enthaltene Stoffe wie Eisen hierfür eine Rolle spielen, ist jedoch noch nicht hinreichend erforscht.

Biomarker im Blut erhellen die Risikobeziehung

Das Forscherteam um Clemens Wittenbecher und Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) identifizierte nun Biomarker im Blut, die erste Hinweise auf die Stoffwechselmechanismen geben, die der Risikobeziehung zugrunde liegen könnten und somit für einen kausalen Zusammenhang sprechen.

Insgesamt überprüften die Forscher 127 verschiedene Biomarker im Blut von 2.681 Potsdamer EPIC-Studienteilnehmern, von denen 688 im Verlauf der Studie an einem Typ-2-Diabetes erkrankt, wobei 21 dieser Marker sowohl bei Frauen als auch bei Männern mit dem Fleischverzehr in Beziehung standen.

Bei sechs dieser Biomarker waren die beobachteten Konzentrationsänderungen zudem mit einem erhöhten Diabetesrisiko verbunden. So hatten Studienteilnehmer mit einem hohen Ferritinspiegel und einem niedrigen Spiegel des Eiweißbausteins Glyzin ein erhöhtes Diabetesrisiko. Ebenso waren bei diesen Teilnehmern die Werte von vier Lipiden verändert, die von der Leber ans Blut abgegeben werden.Hohe Ferritinspiegel bedeuten, dass die Eisenspeicher voll sind und können auf eine hohe Eisenaufnahme hinweisen – es kommt zu oxidativem Stress. „Da Glyzin ein zentraler Bestandteil der körpereigenen Systeme ist, der die Zellen vor oxidativem Stress schützen, und gleichzeitig Entzündungsreaktionen entgegenwirkt, könnten hohe Ferritinspiegel und niedrige Glyzinwerte annehmen lassen, dass der Körper einem erhöhten oxidativen Stress ausgesetzt und vor Entzündungen weniger gut geschützt ist“, erklärt Wittenbecher: „Dies wiederum könnte den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch und Diabetes erklären, da oxidativer Stress sowie Entzündungsreaktionen nach neuestem Wissensstand zur Typ-2-Diabetes-Entstehung beitragen.“ Die veränderten Lipidwerte würden zudem auf einen gestörten Fettstoffwechsel der Leber hinweisen, der nach Angaben der Wissenschaftler ebenso zur Krankheitsentstehung beitragen könne.

Aktuelle Ernährungsempfehlung bestätigt

„Die Ergebnisse lassen somit annehmen, dass nicht eine einzelne Substanz, die im roten Fleisch enthalten ist, in Zusammenhang mit dem Diabetesrisiko steht, sondern dass der gewohnheitsmäßig hohe Verzehr von rotem Fleisch den Stoffwechsel über verschiedene Wege beeinflusst, die langfristig die Entstehung eines Typ-2-Diabetes begünstigt“, stellt Schulze fest.

Die Ergebnisse, die kürzlich im American Journal of Clinical Nutrition publiziert wurden, stützen damit auch die aktuelle Ernährungsempfehlung, den Verzehr von rotem Fleisch zu verringern, um einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung vorzubeugen.

Originalpublikation: Wittenbecher et al. Amino acids, lipid metabolites, and ferritin as potential mediators linking red meat consumption to type 2 diabetes.

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