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Diabetologie 21. April 2015

Zufallsbefund beim Blutbild

Gelegenheitsblutzucker kann Diabetes verraten.

Blutzuckerwerte, die beim Blutbild in nicht nüchternem Zustand mitbestimmt werden, können auf einen unerkannten Diabetes hinweisen. Ein einzelner Wert ≥ 100 mg/dl ist US-Daten zufolge aussagekräftiger als alle etablierten Risikofaktoren.

Wie wichtig es sein kann, beim Blutbild auf die Blutzuckerwerte zu achten, auch wenn diese nicht in diagnostischer Absicht und nicht beim nüchternen Patienten gemessen wurden, zeigt die Untersuchung einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe aus den USA.

Danach ist bereits ein einmalig festgestellter Gelegenheitsblutzucker ≥ 100 mg/dl im Plasma mit einem 20-fach erhöhten Risiko für einen unerkannten Typ-2-Diabetes verbunden.

Bei Werten über 100 ist das Diabetesrisiko 20-fach erhöht

Für die Studie wurden 13.792 Teilnehmer der NHANES-Studie berücksichtigt, bei denen kein Diabetes bekannt war. Durch eine HbA1C-Messung wurde bei 1,9 Prozent von ihnen ein Diabetes (HbA1C≥ 6,5 %) und bei 20,2 Prozent ein Prädiabetes (HbA1C = 5,7–6,4 %) zutage gefördert. Der bei Studieneinschluss erhobene Gelegenheitsblutzucker betrug ohne Diabetes im Mittel 89,9 mg/dl, bei unbekanntem Prädiabetes 99,1 mg/dl und bei unbekanntem Diabetes 156,0 mg/dl.

Ein einzelner Gelegenheitsblutzucker ≥ 100 mg/dl war damit der stärkste Risikofaktor für einen nicht diagnostizierten Diabetes, noch vor Übergewicht, einem Alter von über 45 Jahren sowie Erkrankungen wie Hyperlipidämie oder Bluthochdruck. Dabei zeigte sich eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung: Im Vergleich zu einem Wert < 100 mg/dl betrug das Quotenverhältnis für einen unerkannten Diabetes 7 bei einem einzelnen Messwert von 100–119 mg/dl. Bei Messwerten von 120–139 oder. > 140 mg/dl erhöhte es sich auf 30 bzw. 256.

Der Zusammenhang zwischen einem Gelegenheitsblutzucker ≥ 100 mg/dl und Diabetes blieb auch dann erhalten, wenn Alter, Geschlecht, BMI, Hypertonie, Hyperlipidämie, kardiovaskuläre Erkrankungen und familiäre Vorbelastung berücksichtigt wurden. Das Risiko, an einem nicht diagnostizierten Diabetes zu leiden, war unter diesen Bedingungen immer noch 20-fach höher als bei einem Wert < 100 mg/dl.

„Ein einzelner, zufällig erhobener Blutglukosewert ≥ 100 mg/dl ist damit ein robuster Risikofaktor für einen Typ-2-Diabetes und sollte die Ärzte veranlassen, auf einen Diabetes zu testen“, fordern die Studienautoren um Dr. Michael E. Bowen von der Universität in Dallas. Von der International Diabetes Federation existiert bereits eine entsprechende Empfehlung, die bisher allerdings auf recht schwachen Füßen stand.

Originalpublikation:

Bowen ME et al.

Random Blood Glucose: A Robust Risk Factor For Type 2 Diabetes.

J Clin Endocrinol Metab, online 02/ 2015; DOI 10.1210/jc.2014-4116

springermedizin.de, Ärzte Woche 17/2015

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