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Diabetologie 20. April 2015

Das Auge isst leider mit

Je länger eine Diabeteserkrankung besteht, desto höher ist das Risiko, Augenschäden zu entwickeln. Eine dauerhafte Sehminderung bis hin zur Erblindung tritt am häufigsten im Rahmen eines diabetischen Makulaödems auf. Neue zeitsparende Therapieformen lassen sich gut in den Alltag der Patienten integrieren.

Wenn es um Diabetes mellitus geht, isst das Auge leider mit. Betroffene haben ein hohes Risiko, dass ihre Augen unter den hohen Blutzuckerwerten leiden, was zu einer Verschlechterung der Sehkraft bis hin zur Erblindung führen kann. Rund 600.000 Menschen sind hierzulande an Diabetes mellitus erkrankt, rund 200 von ihnen erblinden jedes Jahr als Folge des Diabetes.

„Das Auftreten einer diabetischen Retinopathie ist Studien zufolge bei Diabetikern nur eine Frage der Zeit. Je später Diabetes manifest wird, umso später tritt das Risiko auf, dass es zu Komplikationen der Augen kommt“, berichtet Doz. Dr. Matthias Bolz, Augenarzt am AKH Linz. Durch Diabetes verursachte Blindheit ist nach der altersabhängigen Makuladegeneration und dem grünen Star die dritthäufigste Ursache für Erblindung. „Insbesondere die diabetische Retinopathie und das Makulaödem können jedoch durch eine gute Blutzuckereinstellung weitestgehend vermieden werden“, sagt Prof. Dr. Bernhard Ludvik, Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien.

Diabetisches Makulaödem

Eine Folge des diabetischen Netzhautschadens ist das Diabetische Makulaödem (DMÖ), das als häufigste Erblindungsursache unter Diabetikern gilt. 27 Prozent aller Typ-1-Diabetiker entwickeln in den ersten neun Jahren nach der Diagnose Diabetes ein DMÖ, 28 Prozent der Typ 2-Diabetiker erkranken innerhalb von 20 Jahren daran. Durch kontinuierlich hohen Blutzucker werden kleine Blutgefäße in der Netzhaut des Auges beschädigt, dadurch sammeln sich Flüssigkeit, Eiweiße und Fette im Bereich des gelben Flecks an. Die Netzhaut verdickt sich und es kommt zu verschwommenem Sehen. Wird ein DMÖ nicht behandelt, kommt es zu irreversiblen Schäden, daher ist die Früherkennung einer Retinopathie und des Makulaödems entscheidend, um das Fortschreiten des Sehverlustes aufzuhalten. „Eine optimale Einstellung des Blutzuckers und jährliche Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt können einem DMÖ vorbeugen oder zumindest dazu beitragen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen“, so Ludvik.

Lebensqualität und Alltagsleben

Die meisten Diabetiker leiden unter einer Reihe von Folgeerkrankungen und müssen zahlreiche aufwändige Behandlungen bei diversen Fachärzten, etwa beim Internisten, beim Kardiologen oder beim Neurologen, über sich ergehen lassen. Das Management ihrer Erkrankung empfinden viele daher als schwierig, zeitintensiv und emotional belastend. Spätschäden im Bereich des Auges und der damit einhergehende Sehverlust sind dabei besonders gefürchtet. Gerade der Verlust des zentralen Sehens bei einem DMÖ hat einen starken Einfluss auf das Leben der Patienten, denn die eigenständige Bewältigung des Alltags wird dadurch zur großen Herausforderung.

Neue Therapieoptionen für DMÖ

Für die Therapie des DMÖ stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Mittel erster Wahl war bis vor kurzem die Lasertherapie der Netzhaut, um den Flüssigkeitsaustritt aus den Blutgefäßen zu reduzieren und damit die Schwellung zu verringern. Eine Sehverbesserung kann damit jedoch nicht erreicht werden.

Seit einigen Jahren gibt es die Möglichkeit, monoklonale Antikörper direkt in das Auge zu spritzen. Diese Anti-VEGF-Behandlung setzt sehr spezifisch bei einer effizienten Reduktion der VEGF-Moleküle an. Dadurch wird primär eine Reduktion des Makulaödems in der Retina erreicht, sowie eine Gefäßneubildung verhindert. Viele Patienten empfinden jedoch die dazu erforderlichen monatlichen Injektionen in das Auge als belastend und wünschen sich Behandlungsoptionen mit einer niedrigeren Applikationsfrequenz.

Ebenfalls bei den pathologischen Entzündungsprozessen setzt eine neue Kortikosteroid-Therapie an, wobei hier eine sehr breit abgestützte Unterdrückung der entzündlichen Prozesse erfolgt. Mittels Injektion wird ein Implantat in das Auge gespritzt, das biologisch abbaubar ist und daher nicht chirurgisch aus dem Auge entfernt werden muss. Damit kann die Entzündung effizient unterdrückt und die Sehkraft schnell und langfristig verbessert werden. Ein für die Patienten wesentlicher Vorteil dieser Medikation ist, dass sie im Durchschnitt nur alle vier bis fünf Monate verabreicht werden muss.

Hohe Behandlungsbelastung

Die Injektionstherapie bei DMÖ dauert pro Behandlungstermin einschließlich Hin- und Rückreise durchschnittlich mehr als vier Stunden. Dazu kommt, dass 71 Prozent der Patienten während der Behandlungszeit eine Betreuung benötigen und mehr als die Hälfte der berufstätigen Patienten für einen oder mehrere Tage im Job ausfällt. Ein Aufwand, der sich aber lohnt, wie Mag. Regina Punz, seit drei Jahren DMÖ-Patientin und seit 20 Jahren Diabetikerin, weiß: „Ich bin froh, dass diese Therapie mir wirklich hilft und ich meinen Alltag trotz diabetischem Makulaödem gut bewältigen kann.“ Die Angst vor einer Injektion in den Augapfel, die viele Patienten empfinden, kann Punz nachvollziehen: „Die Vorstellung ist zwar gruselig, aber es ist nicht schmerzhaft.“ Bolz ist sich der Belastung der Patienten bewusst und ergänzt: „Mit den Injektionen können wir das DMÖ wirklich gut behandeln und mit der zusätzlichen Option der Kortikosteroid-Therapie gibt es eine Behandlung, die deutlich weniger Spritzen benötigt.“

Quelle: Presseinformation: „Diabetes – Das Auge isst mit“, Wien, April 2015

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