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Neben einem ungünstigen Lebensstil können Pubertät, Schwangerschaft und Menopause die hormonelle Situation von Frauen verändern und u. a. zu Gewichtszunahmen führen.
 
Diabetologie 16. März 2015

Jung, Frau und übergewichtig

Präventionsprogramme, die geschlechtergetrennt durchgeführt werden, wirken besonders gut.

Immer mehr jüngere Frauen haben starkes Übergewicht. Zum einen aufgrund ihres Lebensstils, zum anderen, da sie in bestimmten Lebensphasen hormonell zu Insulinresistenz und Gewichtszunahme neigen, etwa in der Pubertät, Schwangerschaft und in der Menopause. Um Folgekrankheiten rechtzeitig zu vermeiden, sind Präventionsprogramme besonders wichtig.

Bauch- und Leberfett werden als Risikofaktoren bei Frauen – im Gegensatz zur Behandlung von Männern mit Übergewicht – noch unterschätzt, betonte Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, Vorsitzende des Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Medizinische Universität Wien, anlässlich des diesjährigen internationalen Frauentags am 8. März.

Der Bauchumfang hat bei Frauen sogar eine bessere Vorhersagekraft für Komplikationen wie Diabetes als bei Männern. Daher sei es wichtig, bereits sehr früh bei übergewichtigen Frauen, insbesondere vor oder während einer Schwangerschaft, an einen Zuckerbelastungstest zu denken, um das Risiko für Diabetes abzuklären, da schwangere Übergewichtige vermehrt insulinresistent sind. Aber auch, um eine eventuelle Unterversorgung mit wichtigen Vitaminen oder Spurenelementen aufzudecken: „Viele Frauen, die übergewichtig sind, haben dennoch einen Mangel an bestimmten Vitaminen, wie etwa Vitamin D, aber auch an Folsäure oder einen Mangel an Jod, was zum Beispiel in der Schwangerschaft die Gehirnentwicklung des Embryos beeinträchtigen kann“, sagt Kautzky-Willer, die in dem von ihr an der Med Uni Wien geleiteten EU-Projekt DALI (Vitamin D and Lifestyle Intervention for Gestional Diabetes Mellitus Prevention) an effektiven Präventionsmaßnahmen für Schwangerschaftsdiabetes forscht.

Negativspirale durchbrechen

Eine Präventionsmaßnahme nützt immer, betont Kautzky-Willer: „Es lohnt sich immer, den Lebensstil zu verändern und auf gesunde Ernährung und mehr Bewegung umzustellen, – je früher desto besser – aber selbst noch bei extremem Übergewicht oder zu Beginn einer Schwangerschaft.“ Lebensstil- und Umweltfaktoren spielen bei Übergewicht eine große Rolle. So wurde in aktuellen Studien festgestellt, dass auch das Lebensumfeld sowie Schlafmangel, Stress und Schichtdienst ein hohes Risiko für eine Gewichtszunahme besonders bei Frauen sind. Kautzky-Willer: „Chronischer Stress verursacht komplexe Veränderungen des Hormonhaushalts und gerade bei Frauen oft stressbedingte Heißhunger- und Ess-Attacken, die schließlich Übergewicht zur Folge haben.

Übergewichtige Frauen leiden außerdem häufiger unter Angststörungen und depressiver Verstimmung und haben zudem oft mit Folgeerkrankungen wie Diabetes zu kämpfen, die dann die Lebensqualität weiter verschlechtern. Diese Negativspirale muss man durchbrechen.“ Denn auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall ist im Besonderen bei Frauen stark mit Übergewicht und Depressionen assoziiert.

Ganz wichtig sind daher Präventionsprogramme. Dazu meint Kautzky-Willer: „Aktuelle, internationale Studien haben gezeigt, dass hier geschlechtergetrennte Programme bessere Ergebnisse zeigen, etwa bei der Motivation übergewichtiger Männer, in einem Fußballklub gemeinsam abzunehmen und sich zu bewegen.“ Gleiches gilt auch für übergewichtige Frauen, die in homogenen Gruppen unter sich sein können.

In Bezug auf Gendermedicine wurde in einer aktuellen internationalen Studie* mit Beteiligung der Med Uni Wien festgestellt, dass es in der Blutzuckerkontrolle im Zusammenhang mit der Unterzuckerung geschlechtsspezifische Unterschiede gibt – insbesondere während der Insulinbehandlung. „Das bedeutet, dass man besonders bei Frauen ganz genau darauf achten muss, die Insulindosis gewichtsbasiert anzupassen und das Gleichgewicht zwischen Blutzuckerkontrolle und Hypoglykämierisiko zu optimieren.“

 

* A. Kautzky-Willer, L. Kosi, J. Lin, R. Mihajlevic. Diabetes Obes Metab. 2015 Feb 12.

Med Uni Wien, Ärzte Woche 12/2015

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