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Diabetologie 19. Jänner 2015

Diabetes nur mit wenigen Krebsarten assoziiert

Trotz vieler Studien gibt es für die Assoziation zwischen Typ-2-Diabetes und Krebs nur für wenige Krebsentitäten belastbare Daten.

Die akribische Auswertung von 27 Metaanalysen hat jetzt ergeben, dass es aussagekräftige Daten nur für einen Zusammenhang mit der Entstehung von Brustkrebs, intrahepatischem Gallenblasenkarzinom, Kolorektal- und Endometriumkarzinom gibt.

Die Schwierigkeit bei der Beurteilung des Risikos für Typ-2-Diabetiker, an Krebs zu erkranken oder an den Folgen zu sterben, beruht unter anderem darauf, dass die für die Auswertung verfügbaren Studien zu heterogen sind oder ein Effekt durch kleine Studien vorherrscht, also die Ergebnisse von Metaanalysen durch Studien mit einer geringen Patientenzahl verzerrt werden. Außerdem werden nicht immer alle möglichen modifizierbaren Risikofaktoren herausgerechnet. Um dem Zusammenhang zwischen Diabetes und Krebs genauer auf den Grund zu gehen, analysierten griechische, britische und US-amerikanische Epidemiologen mehrere Metaanalysen und systematische Übersichten, denen insgesamt fast 480 Einzelstudien zugrunde liegen.

27 Metaanalysen wurden ausgewertet

Bei der Auswertung von Datenbanken wie PubMed, Embase und der Cochrane-Datenbank mit der Methode des „Umbrella Review“ genügten 27 Metaanalysen den strengen Auswahlkriterien der Wissenschaftler. In fast allen Studien waren die Daten von jeweils mindestens 1.000 Patienten ausgewertet worden. Für die Fragestellung standen den Epidemiologen keine randomisierten kontrollierten Studien zur Verfügung. Mitverfasser der umfangreichen Analyse ist Prof. Dr. John P. A. Ioannidis von der Stanford University School, der für seine kritische Einstellung zur Aussagekraft vieler Studien bekannt ist. Vor wenigen Jahren hatte er erstmals in einem Essay dargelegt, warum seiner Ansicht nach die meisten publizierten Studienergebnisse falsch sind ( PLoS Med 2005; 2/8; e124 ).

Nach Angaben der Epidemiologen lieferten zwar 20 der 27 Metaanalysen bei einem angenommenen p-Wert von p ≤ 0,05 signifikante Ergebnisse. Allerdings konnten sie bei den meisten Untersuchungen eine ausgeprägte Heterogenität ausmachen, die sich nicht anhand des epidemiologischen Designs oder des Geschlechts oder anderer Faktoren, die im Zusammenhang mit einem erhöhten Krebsrisiko stehen, erklären ließ. Nur in 22 Prozent aller berücksichtigten Metaanalysen war die Heterogenität für eine signifikante Aussage zur Assoziation den angelegten Kriterien der Epidemiologen zufolge gering genug. Zudem wurden in etwa 30 Prozent der Studien nur zwei der zahlreichen – Diabetes und Krebs gemeinsamen – Risikofaktoren bei der jeweiligen Analyse berücksichtigt, nämlich Alter und Geschlecht. Beide Aspekte bedachten die Wissenschaftler schließlich bei der Berechnung des 95-Prozent-Prognoseintervalls, also jenes Intervalls, in dem mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Assoziation zwischen Diabetes und Krebs tatsächlich existiert.

Wurde diese Strategie der statistischen Analyse gewählt, entdeckten die Forscher eine signifikante Assoziation nur zwischen Typ-2-Diabetes und Brustkrebs, intrahepatischem Gallenblasenkarzinom, Darmkrebs und Endometriumkarzinom. Sie betonen aber, dass dies nicht bedeute, dass das die einzigen Krebsentitäten im Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes sind, sondern dass die Assoziation mit anderen Krebsarten wie Nieren-, Lungen- oder Prostatakrebs oder Leukämien zumindest weniger eindeutig ist.

Da die Inzidenz von Typ-2-Diabetes und Krebs weltweit steigt, plädieren US-Wissenschaftler um Ambika Satija von der Harvard School of Public Health in Boston für Krebsscreening-Programme bei Diabetikern und das Werben bei den Patienten für einen besseren Lebensstil, wie sie in ihrem Kommentar schreiben ( BMJ 2015; 350: g7707 ).

Originalpublikation:

Tsilidis KK et al. Type 2 diabetes and cancer: umbrella review of meta-analyses of observational studies.

BMJ 2015; 350: g7607

springermedizin.de, Ärzte Woche 4/2015

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