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Optimierte Stadtplanung sorgt für gesündere Menschen. .com
 
Diabetologie 19. Jänner 2015

Plan für gesunde Menschen

Durchdachte Stadtplanung gegen Wohlstandskrankheiten.

Der urbane Lebensstil steigert das Diabetesrisiko. Beispielsweise führt die Verstädterung im südafrikanischen Namibia zur Zunahme von Diabetes und anderen Störungen des Zuckerstoffwechsels, wie Forscher herausgefunden haben. Das Projekt „Cities Changing Diabetes“ von Novo Nordisk will jetzt gegensteuern.

Welchen Einfluss haben moderne Lebensumstände auf die Gesundheit? Das haben Forscher um den Endokrinologen und Ethnologen Prof. Dr. Peter Herbert Kann aus Marburg anhand des Entwicklungslandes Namibia untersucht. Das Team hat 60 städtische mit 60 halbnomadisch lebenden Männern und Frauen verglichen (JCEM 2014, online 18. Dezember). Ergebnis: Bei Städtern finden sich Diabetes und andere Zuckerstoffwechselstörungen doppelt so oft wie bei Landbewohnern (28 vs. 13 Prozent), so die Philipps-Universität in einer Mitteilung.

Die Befragung der Probanden ergab: Die Ernährung ist in der Stadt ungesünder, auf dem Land bewegen sich die Leute mehr. „Die Besonderheit unserer Befunde besteht darin, dass die Speichel-Cortisol-Konzentration bei Stadtbewohnern deutlich höher ist“, sagt Kann. Dies wird als Antwort auf psychosozialen Stress gedeutet, der durch Verstädterung hervorgerufen wird. „Unsere Studie zeigt zum ersten Mal, dass das erhöhte Diabetesrisiko in Entwicklungsländern durch soziokulturelle Instabilität gefördert wird, wenn diese zu einem gestörten Cortisolhaushalt führt“, sagt Kann.

Mit Stadtplanung gegensteuern

Zu den Ursachen der Diabetes-Pandemie zählt vor allem der urbane Lebensstil mit Bewegungsarmut und Überernährung. Und weltweit locken Mega-Cities immer mehr Bevölkerung an. „Jeden Monat ziehen fünf Millionen Menschen vom Land in die Städte und erhöhen so ihr Diabetesrisiko um das vier- bis fünffache“, hat Lise Kingo von Novo Nordisk bei einer Presseveranstaltung in Kopenhagen gesagt. Das dänische Unternehmen hat daher das Projekt „Cities Changing Diabetes“ gestartet.

Mit Partnern wie dem University College of London sowie lokalen Größen aus Bildung, Gesundheitswesen, Wirtschaft, Architektur, Städteplanung und -verwaltung sollen Konzepte entwickelt werden, wie das Leben in der Stadt gesünder gestaltet werden kann, um dem „urbanen Diabetes“ Einhalt zu gebieten.

Das Projekt soll in drei Phasen laufen: In der ersten Phase geht es darum, das Problem und Lösungsansätze zu beschreiben. Dafür werden in fünf Großstädten Untersuchungen darüber angestellt, welche Faktoren Adipositas und Diabetes begünstigen oder aber das Gegenteil bewirken. Ansätze können laut Kingo etwa vielfältige Sportangebote in den Städten sein, Bürogebäude, die körperliche Aktivität fördern, ohne stundenlang im Fitnessraum schwitzen zu müssen, oder aber der unkomplizierte Zugang zu gesundem Essen. Als sogenannte Fokus-Cities wurden Mexiko City, Kopenhagen, Houston (USA) sowie Shanghai und Tianjin in China ausgewählt. In Phase zwei werden die Erkenntnisse zwischen den Fokusstädten ausgetauscht und optimiert, um die Ergebnisse dann in Phase drei in Aktionsplänen zu organisieren und in die Welt hinaus zu tragen.

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