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Diabetologie 15. Dezember 2014

Zucker in der Kindheit

Immer weniger Hypoglykämien bei kleinen Diabetikern.

Bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes ist ein niedriger HbA1c-Wert kein Risikofaktor für Unterzuckerungen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der „Diabetes Patienten Verlaufsdokumentation“.

In Deutschland und Österreich erleiden immer weniger Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes eine Unterzuckerung, meldet die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Experten haben durch die Auswertung der „Diabetes Patienten Verlaufsdokumentation“ herausgefunden, dass niedrige Langzeitblutzuckerwerte kein Risikofaktor mehr für eine schwere Hypoglykämie und Koma darstellen. Für die DGE sind die neuen Zahlen ein Erfolg der modernen Diabetesbehandlung.

80 Prozent aller jungen Patienten erfasst

Das HbA1c, soll laut Leitlinie unter 7,5 Prozent liegen. Lange Zeit galt, dass unter Insulinbehandlung bei Kindern und insbesondere Jugendlichen ein niedriger Blutzuckerwert mit einem deutlich erhöhten Risiko für Unterzuckerungen einhergeht. Nun zeigen die Daten der „Diabetes Patienten Verlaufsdokumentation“, dass heute bei zeitgemäßer Diabetesbetreuung eine normnahe Blutzuckereinstellung die Gefahr für eine Hypoglykämie nicht mehr erhöht. Am Dokumentationsprogramm, das von 1995 bis 2012 an 372 Zentren in Deutschland und Österreich lief, haben über 53.000 Patienten teilgenommen. Es wurden circa 80 Prozent aller an Typ-1-Diabetes erkrankten Kinder und Jugendliche erfasst.

Unterzuckerungen sind bei jungen Patienten mit Diabetes nicht selten. 1995 kamen auf 100 Patienten und pro Jahr im Durchschnitt noch 42,3 Hypoglykämien und 13,5 Fälle von Bewusstlosigkeit („Koma“) durch Unterzuckerung. Doch seither ist die Zahl stetig gesunken. Im Jahr 2012 traten nur noch 17,6 Hypoglykämien und 1,8 Koma-Fälle pro 100 Patienten pro Jahr auf. Die aktuellen Zahlen belegen einen deutlichen Rückgang der Hypoglykämien. Dies gilt besonders für Patienten, deren HbA1c zwischen 6 bis 7,9 Prozent lag. Bei diesen Individuen nahm das Risiko für schwere Hypoglykämien um 50 Prozent und für Koma-Fälle um 86 Prozent ab, teilt die DGE mit.

Im ersten Studienjahr stieg das Hypoglykämie-Risiko noch um 28 Prozent, sobald die Patienten ihren HbA1c-Wert um einen Prozentpunkt absenkten. Im Jahr 2012 nahm das Risiko dann nur noch um fünf Prozent zu.

Intensive Schulungen und Betreuung

Die genauen Gründe für die Abnahme der Hypoglykämien kann die Studie nicht klären. DGE-Mediensprecher Prof Dr. Helmut Schatz, Bochum, meint, dass die Versorgung junger Diabetespatienten insgesamt besser geworden ist. „Heute bekommen die Patienten oft die neuen Analoginsuline und in recht differenzierten Formen wie mehrfachen Injektionen am Tag oder zunehmend mit der Insulinpumpe. Sie werden von diabetologisch erfahrenen Teams behandelt, intensiv geschult und auch psychologisch betreut.“

Diese neuen Daten seien erfreulich. Nach wie vor sollten aber gerade bei Kindern und Jugendlichen sorgfältig darauf geachtet werden, dass Unterzuckerungen – insbesondere schwere Unterzuckerungen, die mit Bewusstseinsverlust einhergehen – vermieden werden, betont der Experte.

Originalpublikation: Karges B et al.: PLoS Med. 2014 Oct 7;11(10); doi: 10.1371/journal.pmed.1001742 PMID: 25289645

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