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Schlange stehen beim Gesundheitscheck am Aktionstag in Linz.
 
Diabetologie 13. Oktober 2014

In Oberösterreich wird auf Prävention gesetzt

Mit „Therapie aktiv“, FINDRISK und dem Chronic Care Modell Risikopatienten erreichen.

„Zucker, Diabetes & Co.“ waren der Schwerpunkt des Aktionstags Gesundheit OÖ 2014. Über 1.000 Interessierte kamen am 24. September, um sich von Experten aus unterschiedlichen Gesundheitsberufen darüber informieren zu lassen, welche neuen Angebote das Gesundheitssystem bietet und welchen Beitrag sie selbst zur Früherkennung von chronischen Krankheiten leisten können.

Bereits um halb 9 Uhr, eine halbe Stunde vor dem Einlass, warteten die Besucher des Aktionstags vor den Toren des ORF Oberösterreich und hatten zwei Ziele: Erstens wollten sie sich über chronische Krankheiten und den neuesten Stand der Therapien informieren und zweitens die eigenen Gesundheitsparameter testen lassen.

Zahlreiche Experten standen vor Ort für die individuelle Beratung zur Verfügung. In der Mess-Straße wurden zahlreiche Gesundheits-Checks durchgeführt und Gesundheitsparameter überprüft: Blutdruck, Blutzucker, HbA1c, Cholesterin, die Nierenfunktion und der Bewegungs- und Ernährungsstatus.

Regelmäßige Kontrollen bei Augenerkrankungen

Die Augen sind eines der wichtigsten Sinnesorgane, die großen fünf Augenkrankheiten sind das Trockene Auge, AMD, Katarakt, Glaukom und die diabetische Retinopathie. Daher verdeutlichte Prim. Prof. Dr. Siegfried G. Priglinger, FEBO, Abteilungsvorstand der Augenheilkunde am AKH Linz, dass es gerade bei Patienten mit langjähriger Zuckererkrankung häufig zu Sehverschlechterungen kommt und daher regelmäßige Kontrollen sinnvoll sind.

Mag. Monika Aichberger, Vizepräsidentin der Apothekerkammer OÖ, stellte die Wichtigkeit von Pflege und Vorsorge dar. „Wir haben in den Apotheken täglich durchschnittlich etwa 300 Kundenkontakte. Viele Beschwerden, die vorerst als scheinbar harmlos erscheinen, sind die ersten Warnsymptome für eine ernste Erkrankung. Bei Bedarf werden die Patienten zur Abklärung an den Arzt überwiesen und von uns ergänzend beraten. Das ‚Trockene Auge‘ oder eine schlecht heilende Wunde können ein Symptom für ernsthafte Krankheiten sein. Deshalb müssen Patienten jedenfalls auf die Warnsignale ihres Körpers achten und beim Arzt oder Apotheker um fachlichen Rat fragen.

Prim. Prof. Dr. Martin Clodi, Facharzt für Innere Medizin und Vorstandsmitglied der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, erläuterte: „Früher hieß der Typ 2 Altersdiabetes. Durch ungesunde Ernährung und schlechte Lebensgewohnheiten haben junge Menschen heute schon Typ-2-Diabetes. So müssen bereits diese vorsorgen und sich testen lassen. “

Maßnahmen der OÖGKK im Kampf gegen Diabetes

Gesundheitsförderung steht bei der OÖGKK an erster Stelle: Sie setzt bereits beim Verhalten und den Lebensverhältnissen an, um das Entstehen von Diabetes möglichst hintanzuhalten. Unter dem Titel „…von Anfang an!“ werden Workshops für Schwangere und junge Mütter u.a. zur gesunden Ernährung von Mutter und Baby abgehalten. Von Ernährungs- und Bewegungsangeboten für Schüler bis hin zur Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) bietet die OÖGKK weitere gesundheitsförderliche Angebote.

Konkrete Diabetes-Risiken wie insbesondere Übergewicht bzw. Adipositas zu bekämpfen, ist das zweite Handlungsfeld. Kursangebote wie „Kim Kilo“, „Leichter leben“ oder „Surf dich schlank“, ein Online-Angebot zum Abnehmen, unterstützen Versicherte jeden Alters auf ihrem Weg zu einem gesunden Gewicht.

Vorreiter bei „Therapie Aktiv“

Für bereits erkrankte Diabetiker hat die OÖGKK – gemeinsam mit der Ärztekammer und dem Land Oberösterreich – „Therapie Aktiv“ ins Leben gerufen: Dieses Disease Management Programm (DMP) umfasst standardisierte Leistungen, regelmäßige Kontrollen sowie definierte Betreuungs- und Schulungsmaßnahmen. In enger Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten in Oberösterreich hat die OÖGKK dieses DMP als Erstes eingeführt. Hinsichtlich der Beteiligung von Ärzten und eingeschriebenen Patienten steht dieses Projekt im Bundesländervergleich an der Spitze. Dennoch kann bei „Therapie Aktiv“ noch Steigerungspotenzial geortet werden. Denn Studien zeigen: „Strukturierte Diabetes-Betreuung hebt die Wirksamkeit der Therapie. Gemeinsam mit den Apotheken, der Ärztekammer und dem Land Oberösterreich soll es gelingen, das volle Potenzial von ‚Therapie aktiv‘ in Zukunft noch mehr auszuschöpfen“, so Mag. Franz Kiesl, MPM, Ressortdirektor für den Bereich Vertragspartner und Gesundheitsförderung der OÖGKK.

Apotheker erkennen Risikopatienten

„Therapie Aktiv“ integriert Apotheker in die Früherkennung und integrierte Betreuung von Patienten mit Typ 2-Diabetes. „So werden noch nicht diagnostizierte Personen mit hohem Risikopotenzial mittels FINDRISK-Fragebogen in der Apotheke herausgefiltert und zum Arzt zur Abklärung und Diagnosestellung verwiesen. Diagnostizierte Diabetiker werden von der Apotheke für die Aufnahme in das Programm ‚Therapie Aktiv‘ beim betreuenden Hausarzt motiviert. Wenn kein am Disease Management Programm Diabetes teilnehmender Arzt zur Verfügung steht, betreut die Apotheke nach einem strukturierten Apothekenbetreuungsprogramm mit definierten Vorgaben, in abgestimmter Ergänzung zur Diagnose und Therapie des behandelnden Arztes“, erläuterte Mag. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Apothekerkammer Oberösterreich.

Um die Wirksamkeit des Pilotprojekts zu belegen, zeigte Mursch-Edlmayr die Ergebnisse der Evaluation des „Therapie Aktiv“-Programms auf, das vom oberösterreichischen Institut für Gesundheitsplanung evaluiert wurde. In den Apotheken wurden bislang 6.154 FINDRISK-Fragebögen (von insgesamt 6.233 ausgefüllten Fragebögen) fachgerecht ausgefüllt, sodass diese analysiert werden konnten. 69,5 % der Teilnehmer waren Frauen, wobei der Frauenüberhang in den jüngeren Altersgruppen größer ist als in der Gruppe der älteren Teilnehmer. Nach Altersgruppen betrachtet sind ältere Personen stärker unter den Teilnehmenden vertreten als jüngere.

„Rund 37,4 Prozent der Teilnehmer weisen einen Risikopunkte-Score von 12 und mehr Punkten auf (2.302 Personen). Davon wurden 91,4 % zur ärztlichen Abklärung überwiesen (2.104 Personen). Von den zur Abklärung Überwiesenen wurde leider von den Ordinationen nur bei 8,3 Prozent (175 Personen) das Ergebnis der Abklärung an die Apotheke zurückgemeldet“, berichtet Mursch-Edlmayr.

Drei Viertel der ärztlichen Rückmeldungen (74,4 %) sind ohne Befund. Hochgerechnet auf das gesamte Patientengut bedeutet das, dass bei 15,5 % (954 Patienten) ein erhöhter Nüchternblutzucker festgestellt wurde, bei 3,4 % (72 Patienten) eine Glukose-Toleranz-Störung besteht und 6,9 % Prozent (145 Personen) von Diabetes mellitus betroffen sind – Menschen, die von ihrer Krankheit bisher nichts wussten.

„Es freut mich, dass wir als OÖ Apothekerschaft einen wesentlichen Beitrag im Bereich der Prävention und Primärversorgung leisten können und gleichzeitig die interdisziplinären Zusammenarbeit mit den anderen Gesundheitsberufen intensivieren, wobei es hier noch viel Verbesserungspotenzial gibt“, sagt Mursch-Edlmayr.

Chronic Care-Modell: ganzheitlich gesteuerte Versorgung

„Gerade Menschen mit chronischen Erkrankungen benötigen eine gute und strukturierte Betreuung und Behandlung. Für chronisch Kranke ist die wohnortnahe Betreuung in der Primärversorgung unbedingt notwendig. So bieten Primary Health Care-Modelle die optimale Möglichkeit, die Versorgung zu verbessern. Darin arbeiten Gesundheitsberufe eng vernetzt zusammen, wobei der Hausarzt als zentraler Koordinator fungiert“, erklärt Dr. Erwin Rebhandl, Allgemeinmediziner und Präsident der Initiative AM PLUS.

Ein Teilkonzept in der Primärversorgung, das explizit zur Verbesserung der Versorgung multimorbider, chronisch kranker Menschen ganz besonders gut geeignet ist, ist das Chronic Care-Modell (CCM) nach E. Wagner (1999). Dieses umfasst die ganzheitlich gesteuerte Versorgung über die einzelnen Sektorengrenzen hinweg. „Dies bedeutet eine Umorientierung von einer derzeit primär reagierenden Krankenversorgung, hin zu einem pro-aktiven Behandlungsansatz. So muss sich die inhaltliche Organisation an den besonderen Bedürfnissen chronisch Kranker orientieren, ebenso wie die Einstellung und die Bemühungen des medizinischen Personals gegenüber Patienten. Wenn dies gewährleistet ist, kann das CCM die Lebensqualität der Patienten verbessern und Folgeschäden verhindern oder zumindest verzögern“, führt Rebhandl aus. Schließlich bereitet eine strukturierte Patientenschulung mit Fokus auf Self-Monitoring und Self-Management den Patienten auf seine Rolle als zentralen Entscheidungsträger für seine Erkrankung vor.

Das CCM ist eine Strategie, die aus mehreren Komponenten zur Implementierung und zur Erreichung der EbM-gesicherten Versorgung chronisch Kranker besteht. „Die Komponenten umfassen eine Änderung des Praxisablaufs mit einer klaren und abgestimmten Aufgabenverteilung zwischen Hausarzt und anderen Gesundheitsberufen, die Unterstützung des Praxispersonals und der Patienten, ein EDV-gestütztes Informations- und Dokumentationssystem sowie die Unterstützung des Selbstmanagements der Patienten durch gemeinsame Zielvereinbarungen, Schulungen, und Patientengespräche zu Informationsstand, Erwartungen, Selbstbild oder Auffassung von der Erkrankung“, so Rebhandl.


Der Aktionstag ist eine Initiative der Apothekerkammer OÖ gemeinsam mit AM Plus, dem Land OÖ und dem ORF OÖ.

Quelle: Presseaussendungen zum Aktionstag Gesundheit OÖ

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