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Die WHO empfiehlt einen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche.
 
Diabetologie 10. Juni 2014

Nur Blutzuckerbelastungstest ist zuverlässig

WHO definiert Gestationsdiabetes neu.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Empfehlungen zu Screening und Diagnose von Schwangerschaftsdiabetes aktualisiert. Im Zentrum steht ein Blutzuckerbelastungstest.

Ein hoher Blutzucker in der Schwangerschaft schadet Mutter und Kind. Er erhöht das Risiko von Schwangerschaftshochdruck und fördert das übermäßige Wachstum des ungeborenen Kindes. Zudem kann es zu Komplikationen während der Schwangerschaft und bei der Geburt führen, erklärt Prof. Dr. Ute Schäfer-Graf, Gynäkologin und Diabetologin aus Berlin sowie Diabetes-Expertin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Frauen mit Gestationsdiabetes erkranken auch später häufig an Diabetes Typ 2, ihre Kinder neigen zu Übergewicht und Diabetes.

Da sich Schwangerschaftsdiabetes meist nicht bemerkbar macht, empfiehlt nun auch die WHO einen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche. „Die Schwangere kommt dafür nüchtern in die Praxis, also ohne Nahrungsaufnahme seit 22 Uhr des Vorabends“, erläutert Dr. Helmut Kleinwechter, Diabetologe aus Kiel und Koordinator der Leitlinie Gestationsdiabetes der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Nachdem zunächst über eine venöse Blutentnahme der Nüchternblutzucker gemessen wurde, trinkt die Schwangere anschließend ein Glas Wasser mit 75 Gramm Glukose, um eine und zwei Stunden später erneut den Blutzucker per Blutentnahme bestimmen zu lassen.

Komplikationsrate steigt mit Blutzuckerwerten

Die diagnostischen Grenzwerte für den oGTT sind streng und wurden aus der HAPO-Studie (Hyperglycemia and Adverse Pregnancy Outcome) abgeleitet, die gezeigt hat, dass mit steigenden mütterlichen Blutzuckerwerten die Rate an Komplikationen für Mutter und Kind kontinuierlich zunimmt. Sie liegen im nüchternen Zustand bei 92, nach einer Stunde bei 180 und nach zwei Stunden bei 153 mg/dl bzw. bei 5,1/10,0/8,5 mmol/L. „Nur für den oGTT gibt es Grenzwerte, die auf so einem hohen wissenschaftlichen Niveau erhoben wurden“, betont Schäfer-Graf.

Die von der WHO neu definierten Diagnose-Empfehlungen sind nun mit jenen Kriterien ident, die die DDG schon seit 2011 festgelegt hat. „Der Nüchtern-Blutzuckerbelastungstest wird damit weltweit, von Nepal bis Costa Rica, als Standardtest zur Diagnose des Gestationsdiabetes empfohlen“, sagt Kleinwechter. „Dies gilt auch für jeden anderen Zeitpunkt der Schwangerschaft, sofern ein Risiko vorliegt.“ Zu den Risikofaktoren gehören beispielsweise Übergewicht, eine außergewöhnliche Gewichtszunahme in der Schwangerschaft, ein mütterliches Alter über 30 Jahre, Diabeteserkrankungen in der Familie und in besonderem Maße ein früherer Gestationsdiabetes.

In Deutschland entwickeln vier bis fünf Prozent aller werdenden Mütter einen Schwangerschaftsdiabetes. Bei 80 Prozent der Betroffenen führt eine Ernährungsumstellung in Verbindung mit regelmäßiger Bewegung zu normalen Blutzuckerwerten, nur eine von fünf Frauen benötigt Insulin.

WHO-Leitlinie: Diagnostic criteria and classification of hyperglycaemia first detected in pregnancy – www.who.int/diabetes/publications/ Hyperglycaemia_In_Pregnancy/en/ (http://bit.ly/1rL8IlX)

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