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© Andrzej Tokarski / fotolia.com
Einer Untersuchung zufolge wurden Spritzen in den Oberschenkel als schmerzhafter empfunden als Spritzen in den Bauch.
 
Diabetologie 10. Juni 2014

Schmerzhaftigkeit von Insulin-Injektionen beeinflussbar

Kleine Volumina in den Bauch injiziiert sind für die Patienten besser erträglich.

Wie unangenehm Subkutanspritzen für insulinpflichtige Diabetes-Patienten sind, hängt unter anderem vom Volumen und von der Injektionsstelle ab. Die Applikationsgeschwindigkeit ist dagegen unerheblich.

Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die potenziell die Schmerzhaftigkeit von Insulin-Injektionen beeinflussen. Drei davon haben deutsche und dänische Mediziner nun unter den Bedingungen einer randomisierten Doppelblindstudie untersucht: Volumen, Geschwindigkeit und Ort der Injektion. An der Untersuchung beteiligt waren 82 Diabetespatienten, die üblicherweise Insulin oder ein GLP-1-Analogon spritzen, zu Studienzwecken aber physiologische Kochsalzlösung erhielten. Mithilfe einer programmierbaren Spritzenpumpe wurden 400, 800, 1.200 oder 1.600 µl 0,9 %-NaCl-Lösung mit einer Geschwindigkeit von 150, 300 oder 450 µl/s ins Unterhautfettgewebe appliziert. Jeder Patient bekam 17 Injektionen, davon zwölf, also alle möglichen Kombinationen, in den Bauch und fünf in den Oberschenkel. Außerdem wurde je zweimal gestochen, in den Bauch und in den Oberschenkel, ohne dass etwas injiziert wurde. Eine Minute später mussten die Patienten die Schmerzen auf einer visuellen Analogskala (VAS) von 0 (kein Schmerz) bis 100 (stärkste Schmerzen) beurteilen.

Ab 1,2 ml Injektionsvolumina tut es mehr weh

Erwartungsgemäß wurden bei den meisten Injektionen Schmerzen im unteren Bereich der VAS-Skala angegeben. Dabei hatte die Geschwindigkeit, mit der die Lösung gespritzt wurde, keinen Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung. Des Weiteren verursachten Injektionen von 400 oder 800 µl Lösung nicht mehr Beschwerden als das alleinige Einstechen der Nadel. Injektionsvolumina ab 1.200 µl waren dagegen mit signifikant stärkeren Schmerzen verbunden (mittlere Differenz 1.600 vs. 400 µl: 7,2 mm; 1.600 vs. 800 µl: 7,2 mm; 1.200 vs. 800 µl: 3,5 mm; 1.200 vs. 400 µl: 3,6 mm).

Bei allen Volumina und Geschwindigkeiten wurden Spritzen in den Oberschenkel als schmerzhafter empfunden als Spritzen in den Bauch (mittlere Differenz 9,0 mm). Dementsprechend wurden bei Letzteren die Schmerzen auch häufiger als „für die Diabetestherapie akzeptabel“ beurteilt, nämlich in 92 Prozent der Fälle; Injektionen in den Oberschenkel wurden nur zu 79 Prozent so bewertet.

Keine Angst vor schneller Injektion

Wie die Studienautoren um Dr. Tim Heise vom Profil-Institut für Stoffwechselforschung in Neuss, Deutschland, berichten, stehen die Ergebnisse zu Volumen und Injektionsort im Einklang mit früheren Studien. In Bezug auf die Injektionsgeschwindigkeit hatten allerdings ältere Studien zu unterschiedlichen Resultaten geführt. Die aktuelle Untersuchung sei nun eine Rückversicherung für Ärzte, die Injektionshilfen mit höheren Applikationsgeschwindigkeiten verordnen: „Es ist unwahrscheinlich, dass sie mehr Schmerzen verursachen als langsamer injizierende Geräte.“ Um Schmerzen zu reduzieren, erscheint es dagegen sinnvoll, möglichst in den Bauch zu injizieren sowie Formulierungen/Konzentrationen so zu wählen, dass die Volumina nicht zu groß werden.

Originalpublikation: Heise T et al. Impact of injection speed and volume on perceived pain during subcutaneous injections into the abdomen and thigh: a single-centre, randomized controlled trial.Diabetes, Obesity and Metabolism 2014

springermedizin.de, Ärzte Woche 24/2014

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