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Diabetologie 10. Juni 2014

Diabetes durch frühe Menarche?

Ein erhöhter BMI beeinflusst zwar den Zeitpunkt der ersten Regelblutung, aber nicht die Inzidenz des Typ-2-Diabetes.

Obwohl ein frühes MenarcheAlter mit einem höheren Risiko für einen Typ-2-Diabetes im Erwachsenenalter assoziiert ist, ist nicht bekannt, ob vielleicht ein höheres Menarche-Alter das Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes vermindert. In einer großen europäischen Studie ist man der Frage nachgegangen, inwieweit ein höherer Body Mass Index (BMI) dafür eine Erklärung bieten könnte.

Die Zunahme von Typ-2-Diabetes in den letzten Jahrzehnten korreliert mit einer Abnahme des durchschnittlichen Alters zum Zeitpunkt der Menarche. Es ist gut belegt, dass ein frühes Menarche-Alter mit einem höheren BMI im späteren Leben assoziiert ist und, dass ein erhöhter BMI an sich ein Risikofaktor für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes darstellt. In einer Studie konnte belegt werden, dass ein höherer BMI die einzige Determinante eines frühen Menarche-Zeitpunktes ist. In anderen Studien blieb das Risiko, im späteren Leben einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, auch nach Adjustierung für den BMI erhalten.

Es ist also unklar, in welchem Ausmaß Diabetesrisiko und Menarche-Alter zusammenhängen. Darüber hinaus ist die Art und Weise der Korrelation unklar. Obwohl ein frühes Menarche-Alter mit einem höheren Risiko für einen Typ-2-Diabetes im Erwachsenenalter assoziiert ist, ist nicht bekannt, ob ein höheres Menarche-Alter auf der anderen Seite das Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes vermindert. In der vorliegenden großen europäischen Studie untersuchten die Autoren den Zusammenhang zwischen Zeitpunkt der Menarche und der Typ-2-Diabetes-Inzidenz. Sie berücksichtigten dabei den Einfluss des BMI und der Lebensstilfaktoren.

Studiendesign

InterAct ist eine prospektive Fall-Kohortenstudie mit 27.779 Teilnehmern aus acht europäischen Ländern (Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Holland, Spanien, Schweden und Großbritannien) innerhalb der europäischen prospektiven Krebs- und Ernährungsstudie (EPIC). Dabei wurden 6.238 Frauen zusammen mit einer Subkohorte (10.378 Frauen) in die Studie aufgenommen, wobei nach einem Ausschlussverfahren 15.168 Frauen übrig blieben. Davon wiesen 5.955 einen beginnenden Typ-2-Diabetes auf. Eine frühe Menarche wurde zwischen dem 8. und 11. Lebensjahr definiert. Lebensstilfaktoren ermittelte man über standardisierte Fragebögen. Weiterhin wurden das aktuelle Körpergewicht sowie das erfragte Körpergewicht im Alter von 20 Jahren berücksichtigt. Das Menarche-Alter wurde in Quintile eingeteilt (8–11, 12, 13, 14 und 15–18 Jahre), als Referenz in der Untersuchung galt ein medianes Alter von 13 Jahren.

Die Ergebnisse ergaben, dass das mittlere Menarche-Alter zwischen 12,6 Jahren in Italien bis 13,6 Jahren in Schweden und Dänemark lag. Das mittlere Alter der Frauen zum Zeitpunkt der Rekrutierung war 52 Jahre und der mittlere BMI lag bei 25,7 kg/m2. Der Zeitpunkt der Diagnose des Typ-2-Diabetes reichte von 32–85 Jahren. Ein höheres Alter der Menarche war mit einem verminderten BMI im Erwachsenenalter assoziiert. Frauen im frühesten Menarche-Quintil (n = 2.418) hatten eine zu 70 Prozent höhere Typ-2-Diabetes-Inzidenz als Frauen in der mittleren Quintile (13 Jahre, n = 3.634), adjustiert nach Alter zum Zeitpunkt der Rekrutierung, Lebensstilfaktoren und reproduktiven Faktoren (HR 1,7; 95 %-KI: 1,49–1,94; p < 0,001). Die Adjustierung für den BMI schwächte diese Assoziation nur etwas ab (HR 1,42; 95 %-KI: 1,18–1,71; p < 0,001). Eine Menarche nach dem 13. Lebensjahr hatte andererseits keinen protektiven Effekt in Hinblick auf die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes.

Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass Frauen mit früher Menarche ein höheres Risiko haben, im Erwachsenenalter einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, als Frauen, die eine Menarche im mittleren Alter von 13 Jahren bekamen. Weniger als die Hälfte der Risikosteigerung scheint in Zusammenhang mit dem erhöhten BMI im Erwachsenenalter zu stehen. Wahrscheinlich erhöhen zusätzliche unbekannte Mechanismen in der Frühpubertät unabhängig vom Body Mass Index das Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes.

 

Originalpublikation: Elks CE, Ong KK, Scott RA et al. Diabetes Care 2013;36(11):3526–3534. [PubMed][CrossRef]

springermedizin.de, Ärzte Woche 24/2014

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