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Diabetologie 9. Dezember 2013

Selbstkontrolle lohnt auch ohne Insulintherapie

Die Selbstmessung scheint die Diabeteseinstellung zu verbessern.

Auch beim nicht insulinpflichtigen Typ-2-Diabetes-Patienten scheint die Blutzuckerselbstmessung zur Verbesserung der Blutglukosewerte beizutragen. Dies könnte an der gesteigerten Motivation der Patienten liegen, ihren Lebensstil zu ändern.

Mit der Leitlinie „Selbstkontrolle des Blutzuckers bei nicht insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes“ hat die International Diabetes Federation (IDF) 2009 eine Bewertung der bis dahin vorliegenden Studien vorgelegt:

  • Blutzuckerselbstkontrolle (BZSK) samt intensiver Patientenschulung verbessert den Blutzuckerspiegel.
  • Bei intensiver Steigerung der Medikation bald nach Diagnose ist der Zusatznutzen nur beschränkt.
  • Bei relativ gut eingestellten Patienten lässt sich mit der BZSK nur wenig erreichen.

Die IDF-Autoren empfehlen, die Selbstmessung bei nicht insulinpflichtigen Diabetikern nur dann, wenn die Patienten und/oder deren Ärzte über „ausreichende Kenntnisse, Fähigkeiten und Bereitschaft“ verfügen, das Monitoring sowie die Therapieanpassung in ihren Managementplan zu integrieren.

Dass die BZSK speziell bei neu erkrankten Patienten zur HbA1c-Senkung beitragen kann, haben Experten der Cochrane Collaboration in einer Metaanalyse bestätigt (The Cochrane Library 2012, online 18. Jänner). Wie die Autoren um Uriëll Malanda von der Universität Amsterdam berichten, hatten sich die HbA1c-Werte in dieser Subgruppe gegenüber Kontrollen in einem zwölfmonatigen Follow-up um 0,5 Prozentpunkte verbessert.

Bei einer Diabetesdauer von über einem Jahr war der glykämische Effekt der Selbstmessung hingegen gering. So konnte der HbA1c zwar im Schnitt um gerade noch signifikante 0,3 Prozentpunkte gegenüber einer Vergleichsgruppe gesenkt werden, aber nur in Studien mit einem Kurzzeit-Follow-up von sechs Monaten. Bei einer Nachbeobachtungszeit zwischen sechs und zwölf Monaten sank der HbA1c dagegen nur um 0,1 Prozentpunkte.

PRISMA-Studie

Aktuelle Daten kommen von der italienischen PRISMA-Studie, einer randomisierten kontrollierten Prüfung, in der 1.024 nicht insulinpflichtige Patienten mit einem Ausgangs-HbA1c von durchschnittlich 7,3 Prozent über ein Jahr beobachtet wurden (Diabetes Care 2013; 36(10): 2887-2894). Die Interventionsgruppe (501 Patienten) erhielt ein strukturiertes Intensivmonitoring (ISM) mit vier Selbstmessungen an jeweils drei Tagen pro Woche. Die Messwerte sowie entsprechende Maßnahmen wurden ausführlich mit dem Arzt diskutiert. Zum Vergleich dienten 523 Patienten, bei denen der Blutzucker nur zu Studienbeginn sowie nach sechs und nach zwölf Monaten, jeweils viermal an drei Tagen, gemessen wurde (active control, AC). Selbstmessungen waren erlaubt, die Ergebnisse standen den Ärzten aber nicht zur Verfügung.

In der Interventionsgruppe hatte sich der HbA1c nach zwölf Monaten gegenüber den Kontrollen marginal verbessert (-0,39 vs. -0,27 Prozent; p = 0,013). In der Per-Protocol-Analyse war der Unterschied deutlich größer (p=0,0007). Insgesamt erreichten mehr Patienten der ISM-Gruppe eine klinisch relevante HbA1c-Reduktion. Die Autoren führen dies auf mehrere Faktoren zurück: So hatten die Ärzte in Reaktion auf die Messwerte häufiger die Medikation geändert. Bei den ISM-Patienten war auch der BMI stärker gesunken. Dies mag zur besseren glykämischen Kontrolle beigetragen haben, spekulieren die Autoren aus Mailand. Und drittens hatten die ISM-Patienten angesichts der selbst gemessenen Werte wohl eher und effektiver ihren Lebensstil umgestellt.

springermedizin.de, Ärzte Woche 50/52/2013

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