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Bewegung, gesunde Kost, Beratung vom Experten: Mit dieser Triage kriegen Prädiabetiker die Kurve.
 
Diabetologie 21. Oktober 2013

Lifestyle-Paket schützt vor drohender Zuckerkrankheit

Prädiabetiker profitieren auch langfristig von einer mehrteiligen ärztlichen Intervention.

Eine Mehrkomponenten-Intervention mit den Bausteinen Bewegung, Ernährung und Beratung kann Risikopatienten vor der Entwicklung eines Diabetes mellitus schützen. Dagegen profitieren Patienten mit manifester Stoffwechselstörung in puncto kardiovaskuläre Folgen wenig.


Die kanadischen Autoren einer Metaanalyse haben anhand von insgesamt 20 randomisierten Studien, darunter auch Cochrane-Analysen, den Effekt eines Pakets aus mindestens drei Maßnahmen zur Lebensstiländerung untersucht, und zwar sowohl im Hinblick auf die Primärprävention als auch auf das Risiko für Komplikationen bei Patienten mit manifestem Diabetes mellitus.

Hauptbestandteile des Pakets waren Ernährungsumstellung und körperliches Training. Außerdem musste noch mindestens eine weitere Komponente hinzukommen, beispielsweise Beratungsgespräche, Rollenspiele oder ein Programm zum Rauchstopp. Als Vergleichsgruppe dienten Patienten mit Standardversorgung, alternativ Ernährungs- oder Trainingsintervention oder auch Kandidaten auf einer Warteliste.

Effekt noch nach zehn Jahren

Wer von der Mehrkomponenten-Intervention profitierte, waren die Patienten, die auf einen Diabetes zusteuerten, also solche mit gestörter Nüchternglukose oder beeinträchtigter Glukosetoleranz. Wie die Autoren um Elizabeth Sumamo Schellenberg in den „Annals of Internal Medicine“ berichten, fanden sich in sieben von neun Studien Hinweise, dass die zusammengesetzte Maßnahme das Diabetesrisiko deutlich senkt (relatives Risiko, RR = 0,35). Der Effekt war noch bis zu zehn Jahre nach Beendigung der Intervention zu sehen. Aus der überwiegenden Zahl der Studien geht zudem ein positiver Effekt auf sekundäre Endpunkte hervor; so verbesserte die Intervention bei „Prädiabetikern“ metabolische Parameter wie Nüchternglukose, HbA1c und Blutlipide, führte bei den Patienten zu vermehrter körperlicher Aktivität und zu gesünderer Ernährung.

Patienten mit manifestem Diabetes profitieren wenig

Dagegen konnte das Maßnahmenpaket Patienten mit manifestem Diabetes mellitus offenbar nicht nachhaltig vor mikro- oder makrovaskulären Folgen ihrer Erkrankung schützen; zumindest gab es in elf entsprechenden Studien keine belastbaren Hinweise für einen solchen Effekt. Allein die gepoolten Ergebnisse der beiden größten Studien zu kardiovaskulären Komplikationen, Steno-2 und Look AHEAD (Action for Health in Diabetes) zeigten keinen Unterschied in der Gesamtmortalität zwischen Interventionsgruppe und Kontrollpatienten.

Im Hinblick auf kardiovaskuläre Diabetesfolgen widersprechen sich die Studien. Während sich in Look AHEAD kein Unterschied in Bezug auf die primären Endpunkte fand – dies waren kardiovaskulärer Tod, nicht-tödlicher Herzinfarkt, nicht-tödlicher Schlaganfall und Hospitalisierung aufgrund von Angina pectoris –, war in Steno-2 (Endpunkte: zusätzlich Koronararterienbypass, perkutane Koronarintervention, Revaskularisierung peripherer Arterien oder Amputation) das Gegenteil der Fall (RR 0,51). In der kleineren Steno-2-Studie hatten die Patienten auch auf mikrovaskulärer Ebene profitiert; dies zeigte sich an den Parametern Retinopathie, Nephropathie und Progression einer autonomen Neuropathie.

In der Summe bleibt die Evidenz für den Effekt einer Mehrkomponenten-Lifestyle-Intervention auf kardiovaskuläre und mikrovaskuläre Endpunkte bei Diabetikern gering, folgern Sumamo Schellenberg und Kollegen. Die mit über 5.000 Patienten durchgeführte Look-AHEAD-Studie war wegen des absehbaren Scheiterns vorzeitig gestoppt worden.
„Obwohl sich die Hinweise für einen additiven Effekt mehren, wenn wir mehrere Risikofaktoren gebündelt angehen, können wir doch nicht abschließend sagen, dass eine umfassende Lebensstilintervention besser ist als Ernährungsumstellung und Training allein“, so das Resümee der Autoren.

Quelle:
Schellenberg ES et al. Lifestyle Interventions for Patients With and at Risk for Type 2 Diabetes. Ann Intern Med 2013, online 15. Oktober; doi: 10.7326/0003-4819-159-8-201310150-00007


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