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© Raycat/istockphoto
 
Diabetologie 30. September 2013

Gender ist nicht gleichgültig

Weder beim Diabetesrisiko noch bei den Folgen der Diabeteserkrankung.

Auch beim Diabetes machen sich Gender-typische Unterschiede bemerkbar. So leiden die Frauen häufiger an Depressionen und Essstörungen als die Männer.

Dass das Geschlecht das Gesundheitsverhalten und den Verlauf chronischer Krankheiten beeinflusst, ist unbestritten. Neben hormonellen sind psychosoziale und kulturelle Faktoren wichtig. „Frauen haben zwar eine höhere Lebenserwartung als Männer, bei ihnen treten jedoch häufiger funktionelle Beeinträchtigungen und Schmerzzustände auf“, berichtet Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, MedUni Wien. So leiden Diabetikerinnen doppelt so häufig an Depressionen oder Essstörungen wie Männer mit Diabetes.

Diabetes mellitus Typ 1 tritt im Kindesalter bei Mädchen häufiger auf, ab der Pubertät jedoch häufiger beim männlichen Geschlecht.

Typ-2-Diabetes betrifft die Männer im mittleren Lebensalter stärker, nach der Menopause gleichen sich die Erkrankungszahlen der Frauen ihnen allmählich an. „Bei Männern finden sich häufig isoliert gestörte Nüchternglukosewerte, bei Frauen ist die Rate mit gestörter Glukosetoleranz höher“, sagt Kautzky-Willer. Doch die Zahl jüngerer Frauen mit einem Gestationsdiabetes bzw. einem in der Gravidität neu entdeckten Typ-2-Diabetes steigt kontinuierlich. Deshalb ist ein Diabetes-Screening von Frauen mit Kinderwunsch und Risikofaktoren bereits präkonzeptionell wichtig.

Frauen mit einem Gestationsdiabetes zeigen ein siebenfach höheres Diabetesrisiko als Schwangere mit normaler Glukosetoleranz. Aber nicht nur die Mutter, sondern auch das Neugeborene ist im Hinblick auf Typ-2-Diabetes gefährdet. „Denn über epigenetische Effekte prägen Umweltfaktoren und das Essverhalten der Mutter in der Schwangerschaft auch das kindliche Diabetesrisiko“, betonte Kautzky-Willer.

Die Anamnese von Zyklusanomalien oder Schwangerschaftskomplikationen geben bei Frauen wichtige Informationen über das kardiometabolische Risiko. Insbesondere erhöhte Androgen-Spiegel beim polyzystischen Ovarialsyndrom lassen das Diabetesrisiko ansteigen. Bei Männern können erektile Dysfunktion oder niedrige Testosteron-Spiegel Ausdruck einer Insulinresistenz und somit eines erhöhten Diabetes-Risikos sein.

„Auch wird bei Frauen die Insulinempfindlichkeit von Sexualhormonen beeinflusst“, erklärt Kautzky-Willer. So finden sich Zyklus-abhängige Veränderungen der Insulinsensitivität, mit einer deutlichen Abnahme der Insulinempfindlichkeit vor der Menstruation. Außerdem verschlechtert sich mit der Menopause die Insulinempfindlichkeit.

 

Quelle: Der Hausarzt 2013; 50 (11): 30

springermedizin.de/ps/IS, Ärzte Woche 40/2013

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