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Diabetologie 14. September 2013

EMA-Entwarnung für GLP-1-basierte Diabetestherapie

Keine Pankreasschädigung durch Inkretin-Präparate.

Befürchtungen, dass GLP-1-basierte Diabetes-Therapien vermehrt zu Schädigungen des Pankreas führen könnten, sind nach derzeitiger Datenlage unbegründet, so das abschließende Ergebnis einer Sicherheitsprüfung durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA).

Inkretin-basierte Therapien imitieren entweder die Wirkungen des Darmhormons GLP-1 (Glucagon-like Peptide 1) – so im Fall der GLP-1-Analoga – oder verstärken dessen Effekte durch Hemmung des GLP-1-Abbaus – so im Fall der Dipeptidylpeptidase-4-Hemmer (DPP-4-Hemmer). Es sind effektive Therapien, die das Spektrum der medikamentösen Optionen bei Typ-2-Diabetes bereichern. Ihre Vorteile: Das Hypoglykämie-Risiko ist sehr gering, zudem wird das Körpergewicht nicht negativ beeinflusst oder eine Gewichtsabnahme sogar gefördert.

Gleichwohl sah sich die EMA jüngst dazu veranlasst, eine Überprüfung der Sicherheit von GLP-1-basierten Diabetes-Therapie zu veranlassen. Grund dafür waren im März 2013 publizierte Ergebnisse einer Arbeitsgruppe um Dr. Alexandra Butler aus Los Angeles.

Die Forscher hatten Gewebeuntersuchungen an Bauchspeicheldrüsen hirntoter Organspender mit und ohne Diabetes vorgenommen, von denen einige längere Zeit inkretin-basierte Therapien (Sitagliptin oder Exenatid) erhalten hatten.

Bei mit GLP-basierten Therapien behandelten Patienten wurden proliferative Gewebeveränderungen beobachtet, die mit einer Vergrößerung sowohl des exokrinen als auch endokrinen Anteils des Pankreas einhergingen. Auch fanden sich vermehrt dysplastische Läsionen im Pankreas-Gangsystem sowie Glukagon-exprimierende Mirkoadenome. Ob diese Veränderungen allerdings in kausaler Beziehung zur GLP-basierten Therapie stehen, lässt sich auf Basis der beschriebenen Befunde weder beweisen noch ausschließen.

Methodische Mängel?

In der Fachwelt stieß die Studie Butlers zum Teil auf heftige Kritik, Inkretinexperten wiesen auf nach ihrer Ansicht bestehende methodische Mängel der Studie hin. Moniert wurde unter anderem der große Altersunterschied zwischen den Gruppen mit und ohne GLP-1-basierter Therapie.

Bereits zuvor hatte die Deutsche Diabetes-Gesellschaft in einer Stellungnahme zur Butler-Studie bekundet, dass sie derzeit keinen Anlass sehe, grundsätzlich von einer Behandlung mit GLP-1-Analoga oder DPP-4-Hemmern abzuraten. Die Fachgesellschaft verweist gleichwohl auf die dringliche Notwendigkeit, mögliche Langzeitfolgen dieser Therapie in größeren Studien zu untersuchen, um die vorliegenden Daten entweder zu bestätigen oder zu entkräften.

Evidenz nicht tangiert

Auch nach Auffassung der EMA ist die wissenschaftliche Evidenz zur Sicherheit GLP-1-basierter Therapien durch die Butler-Daten nicht entscheidend verändert worden. Wie die Behörde in einer aktuellen Presseinformation mitteilt, ist der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA bei seiner Sicherheitsprüfung zum Schluss gelangt, dass die derzeit verfügbaren Daten Befürchtungen, dass GLP-1-basierte Therapien das Pankreatitis-Risiko erhöhen, nicht bestätigen. Verwiesen wird einmal mehr auf eine Reihe von methodischen Limitierungen der Butler-Studie, die eine aussagefähige Interpretation der Resultate unmöglich machten.

Noch Klärungsbedarf

Die vorliegenden Daten klinischer Studien bieten nach Einschätzung der EMA zudem keine Anhaltspunkte dafür, dass GLP-1-Therapien das Risiko für Pankreastumore erhöhen. Allerdings sei die Zahl entsprechender Ereignisse gegenwärtig noch zu niedrig, um bereits definitive Schlussfolgerungen ziehen zu können. Genauere Erkenntnisse dazu erwarten sich Experten unter anderem von zwei großen unabhängigen Studien, die seit 2011 mit Unterstützung der Europäischen Kommission laufen. Erste Ergebnisse werden voraussichtlich im Frühjahr 2014 vorliegen.

Quelle:

EMA-Pressemitteilung vom 26. Juli 2013: Investigation into GLP-1 based diabetes therapies concluded. No new concerns for GLP-1 therapies identified on the basis of available evidence

springermedizin.de/po/IS, Ärzte Woche 37/2013

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