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Diabetologie 27. Mai 2013

DNA-Variante beeinflusst Diabetesrisiko und Therapieerfolg

Ansatzpunkt für individualisierte Prävention und Behandlung.

Eine DNA-Variante in räumlicher Nähe zu einem Verdauungsenzym hat nicht nur Einfluss auf das Risiko, an Diabetes zu erkranken, sondern auch auf das Ansprechen auf die medikamentöse Behandlung. Diese Ergebnisse veröffentlichte ein europäisches Konsortium mit deutscher Beteiligung in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Diabetes. Ihre Erkenntnisse bieten neue Ansatzpunkte zur individualisierten Diabetesprävention und -behandlung.

Das Verdauungsenzym Chymotrypsin spaltet Proteine in der Nahrung in kleinere Fragmente auf, die vom Darm aufgenommen werden können. 20 Prozent der Bevölkerung sind Träger einer DNA-Variante, die sich in der Nähe der Chymotrypsin-Gene befindet und die Aktivität des Enzyms verstärkt.

Neueste Ergebnisse des europäischen Gemeinschaftsprojekts zeigten, dass gesunde Probanden mit dieser DNA-Variante nach einer Mahlzeit eine bis zu 40 Prozent höhere Insulinausschüttung hatten – eine wahrscheinliche Erklärung dafür, warum sie ein vermindertes Risiko haben, Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln.

„Es war bereits bekannt, dass Menschen mit dieser Variante ein geringeres Risiko haben, Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln“, erklärten die Wissenschaftler Dr. Leen ‘t Hart von der Universitätsklinik Leiden in den Niederlanden und Andreas Fritsche vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung und der Universität Tübingen. „Aber in unserer Studie konnten wir zeigen, warum das so ist.“

Einfluss der ErbsubstanzVariante auf die Behandlung

GLP-1 (Glucagon-like peptide-1) ist ein Hormon, das vom Darm als Reaktion auf eine Mahlzeit produziert wird. Eine seiner Funktionen ist, die Insulinsekretion der Bauchspeicheldrüse zu stimulieren, sodass die erhöhten Blutzuckerwerte nach einer Mahlzeit schnell zu den Normalwerten zurückkehren.

Außerdem ergab die Studie, dass Patienten mit dieser DNA-Variante schlechter auf eine Behandlung mit einer neuen Klasse von Diabetesmedikamenten ansprechen, welche die Funktion von GLP-1 verbessern, sogenannte DPP4-Inhibitoren. Diese Medikamente, Gliptine genannt, werden verstärkt zur Behandlung von Diabetes eingesetzt. Noch weiß man nicht, wie die DNA-Variante das Ansprechen auf diese Medikamente beeinflusst. Aber die Forscher erklärten, das könnte eine Folge der beobachteten verstärkten Aktivität von Chymotrypsin im Darm sein.

Das wird Gegenstand künftiger Studien mit dem Ziel einer individualisierten Diabetesbehandlung sein, die spezifische Therapiemethoden bei einzelnen Patienten nach deren genetischen Merkmalen ausrichtet.

 

Literatur: ’t Hart LM, Fritsche A, Nijpels G, van Leeuwen N, Donnelly LA, Dekker JM, Alssema M, Fadista J, Carlotti F, Gjesing AP, Palmer CN, van Haeften TW, Herzberg-Schäfer SA, Simonis-Bik AM, Houwing-Duistermaat JJ, Helmer Q, Deelen J, Guigas B, Hansen T, Machicao F, Willemsen G, Heine RJ, Kramer MH, Holst JJ, de Koning EJ, Häring HU, Pedersen O, Groop L, de Geus EJ, Slagboom PE, Boomsma DI, Eekhoff EM, Pearson ER, Diamant M.

The CTRB1/2 locus affects diabetes susceptibility and treatment via the incretin pathway. Diabetes. 2013 May 14. Online before print DOI:10.2337/db13-0227

Diese Forschungsarbeit war das Ergebnis eines internationalen Kooperationsprojekts, an dem verschiedene Gruppen beteiligt waren, darunter Universität Tübingen und Deutsches Zentrum für Diabetesforschung, Deutschland, Leiden University Medical Center, Leiden, Niederlande, VU University Amsterdam, VU University Medical Center, Amsterdam, Niederlande, Eberhard Karls und University of Dundee, Vereinigtes Königreich.

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